105 Seemeilen rund Ærø

FolkebootDetlef Hoepfner

Nur noch wenige Meter bis zum Steg. Bis zu einem der Stege. Armin und ich sind uns selten uneins, hier aber unentschlossen – welche der in sehr luftigem Abstand ins Hafenbecken gesetzten Pfahlreihen passt am besten zu unserem kurzen Folkeboot, wo ist das vom regennassen Algenschmier seifenglatte Holzplateau nicht ganz so hoch? Von Mommark kommend hatten wir uns bei ständig zunehmendem Wind und einigen Schauern das Stück bis Lyø hochgearbeitet, uns am Wind herantastend an Fynens Südwestspitze steuerbord gehalten und die lange, flache Nord-Landzunge Lyøs umrundet. Karte und GPS im Blick – neben dem ins Meer greifenden Naturschutzfinger wird es flach – nehmen wir das Groß runter und rauschen nur unter Fock auf die Hafeneinfahrt zu, die noch gut zu erkennen ist. Danach würde es laut Hafenhandbuch aber bei Seitenwind zackig um die Ecken gehen. Also noch den Außenborder aus der Halterung gewuchtet, Benzintank auf, und der Zweitakter schiebt uns die letzten Meter durch die rostigen Spundwände der Einfahrt, dreht den langen Kiel trotz Wind auch um die Kurven. Die Leinen liegen klar, denn welcher Ort es jetzt auch wird: der Wind drückt uns dann seitlich, eine zügig festgemachte Leine an einem Punkt in Luv macht Sinn.

Weiter nordwärts
Armin Pech
Weiter nordwärts

Wir haben uns entschieden, das über 70 Jahre alte Folkeboot „Jacaranda“  über backbord in einen der vielen, leeren Plätze in Richtung Ost zu legen. Der Wind fängt an zu drücken, auf dem Heck hockend schwenke ich den Außenborder entsprechend etwas seitlich und will noch einen kurzen Gasstoß geben – plötzlich Stille, Motor aus. Wir müssten jetzt mal die Vierteldrehung einleiten. Schneller Griff zum Startseil: Motorhusten, Stille. Ziehen, ziehen, reißen, der Motor bleibt aus. Wir beginnen zu driften, und bevor das hier zur großen Hafenrundfahrt im Seitwärtskurs wird, bekommt Armin einen der Heckpfähle zu fassen und wir sind erst mal fest. Luft holen, alles checken: Gasgriff, Choke, Tankventil, der Benzinschlauch liegt völlig frei, etwas Sprit pumpen – dieser verd… Motor bleibt aus. Blick rüber seitlich durch die Pfahlreihen zum entfernten Steg: Diese Boxen sind schier unendlich lang, illusorisch das Boot dort mit einem Schwung und Paddelschlag hinzudrücken. Doch am einsamen Steg naht jetzt Rettung in Person eines der wenigen Nachbarseglers. Wir verlängern einige Leinen, bekommen deren Ende schließlich auch bis zum Steg übergeben und sind irgendwann auch zwischen Steg und Heckpfählen richtig festgemacht. Der Wind nimmt währenddessen weiter zu, nicht nur das – er dreht in westliche Richtung und wird uns abends irgendwann auf dem Heck stehen. Mist, doch besser gegenüber liegend würde er uns auf den Bug pusten, das wäre ruhiger und sicherer, statt dass das Boot nun immer einen kleinen Satz in Richtung Steg machen will. Wir überlegen, wie wir mit dem Boot nach gegenüber kommen könnten, ob wir uns noch einmal verholen. Der Motor streikt weiter, aber mit seinen 6 PS könnte er uns eh nur unterstützen. Also vielleicht eine lange Leine mit Fender als Schwimmer von der anderen Hafenseite rübertreiben lassen, am Boot festmachen, rückwärts rüberziehen, oder erst in der Box drehen … alles möglich, aber mittlerweile auch recht müde entscheiden wir: ohne Motor als Plan B oder noch ein paar kräftige Helfer lassen wir das besser.

Wir könnten uns langsam etwas Gutes tun, etwas Hyggeligkeit wäre jetzt willkommen. Kaffeeduft mischt sich in die ebenso frische Brise. Das große, quietsch-orange, aber zusätzlichen, halbwegs trockenen Raum bietende Kuchenbudenzelt – aufbauen oder nicht? Der Wind pfeift uns – über die Steinmole, die zu entfernt ist, als dass sie uns schützen könnte – ins Gesicht. Wir entscheiden uns dennoch für den bei Wind noch akrobatischeren Aufbau. Greifen auch in unseren großen Fundus an Bändseln und Leinen, um die über dem Großbaum hängende Zeltkonstruktion nach allen Seiten zusätzlich abzuspannen und zu entlasten. Mike als Vercharterer haben wir derweil nach Tipps zum Motor angepiept. Er listet uns die typischen Fehlermöglichkeiten, aber wir müssen jetzt erst was in den Magen bekommen. Wir laufen eine erste Runde den Weg vom Hafen auf die Insel hoch, aber  an Land ist ziemlich tote Hose. Also brutzelt bald in unserer Pfanne auf dem Gaskocher eine kräftige Portion Bratkartoffeln. Zwischendurch nochmal ein Griff zum Motor: Totenstille bis auf das Surren des Zugseils und die zunehmende Atmung des daran zerrenden Seglers.

Und immer wieder der Blick aufs Wetter, die Karten des DMI sollten sich in den nächsten Tagen in unsere Netzhaut brennen: Wie man es auch zoomt und scrollt: Für den nächsten Tag ist so viel Starkwind angesagt, dass wir sowieso keinen Zug verspüren, uns zwischen den Inseln rumzutreiben. Planen also für den nächsten Tag Landgang ein. Aber noch im Schlafsack mischt sich ins Geheul in den Wanten die Frage: Was, wenn wir den Motorfehler nicht finden? Wir sind übers Jahr zwar deutlich mehr ganz ohne als mit Motor auf dem Wasser. Aber um vorzeitig für eine Reparatur zurück zur Schlei nach Süden zu kommen – dafür stünde der Wind die Tage gut – müssten wir hier erst mal nach Norden aus dem Hafen und der Bucht rauskommen.

Der beste Motor heißt nach wie vor: Segel

Von der Perspektive eines „freien“ Tags entspannt, beginnt der nächste Morgen gemächlich. Der Wind hat so zugelegt, dass weiße Schaumkronen aus Richtung Lillebælt das Meer verzieren. Tritt man oberhalb des Hafens aus den Sanitäranlagen raus, haut es einen fast aus den Schuhen, so pfeift es um das weiße Backsteingebäude von Nordwesten her. Nachmittags sollte vor unseren ungläubigen Augen noch ein weiteres Folkeboot eintrudeln, oder würde man bei dem Wetter eher von „in den Hafen einschlagen“ sprechen. Wir können uns mit Anlegehilfe und Anpacken revanchieren, aber so eine „Tortour“ möchten wir uns ersparen. Ob mit oder ohne Motor, dem wir uns nun wieder einmal widmen.

Außenborder
Erfolgreiche Fehlersuche: durch den fehlenden Sprit im Filter kamen wir auf den Riss

Erst in Form eines ausgiebigen Frühsports mit diversen Gas- und Choke-Einstellungen. So aufgewärmt, gehen wir systematisch vor: Motorabdeckung auf, Spritfilter checken. Stellen fest: dort ist offenbar kein Tropfen Benzin mehr drin. Tank checken – voll. Tankdeckel – Lüfter ist auf. Tank steht gerade, Ansaugstutzen ist unter dem Sprit-Level. Alles tip-top. Gummiball zum Pumpen. Der kommt uns übrigens seit gestern etwas komisch vor. Sonst nix zu sehen, auch nicht an der Leitung. Warum kommt dieser elende Sprit nicht am Motor an? Armin dreht den Schlauch noch einmal aus der Ruhelage hin und her – da klappt ihm ein Leitungsriss direkt am Pumpball entgegen: Ab hier herrschte also nur noch frischer Meerluft-Flow in Richtung Heck zum Motor, wenn man durch Schwenk des Motors leichten Zug oder Drehung in den Schlauch brachte. Uns fällt ein Riesenstein vom Herzen, und merken erst jetzt, wie sehr uns diese tourentscheidende Frage doch im Magen lag. Das Werkzeug ist schnell ausgepackt, der Schlauch gekürzt, Schelle drauf, zwei-, dreimal pumpen – Motor läuft.

Wir schnappen unsere Jacken, checken zum hundertsten Mal die Festmacher und erkunden die Insel. Nur eine Handvoll zerzauster Segler und zwei, drei Einheimische sind zu sehen. So malerisch diese ganzen Inseln auch sind: oft verbreiten sie ja doch eine etwas verstörende Verlassenheit. Hochwertigst restaurierte und verfallene Häuser wechseln sich ab, aber die Edelferienhäuser (oder Wertanlagen) kommen mir besonders spooky vor, so verlassen in der Vorsaison. Am Wegesrand ein offener Verschlag mit Spardose – hier decken wir uns mit ein paar Gläsern selbstgekochter Marmelade ein und erweitern unseren Bordproviant um eine weitere Geschmacksrichtung „Kirsche“. Bloß aufpassen, dass im Geldschlitz nicht die falschen Münzen landen und wir beim nächsten Hafenautomaten unter der Dusche im Trockenen stehn.

Karten
Kaum da: Karten checken …

Start in Maasholm

Ab jetzt läuft alles nach Plan. Wir haben netto in Summe eine knappe Woche Zeit, in der will man nicht nur vor Schleimünde Kreise drehen. Aber auch nicht mitten im Törn feststellen, dass der Rückweg kaum zu schaffen ist. Alle erzählten uns zuvor „hier weht 2018 nur noch Wind aus Ost“. Aber kaum haben wir alles Gepäck an Bord, brechen die Tagesvorhersagen ein. Und drehen für die übernächsten Tage auf Nord, sehr viel Nord – also nix mit gemütlich mal den Als-Sund hoch. Unsere neue Wochen-Strategie: Von Tag 1 bis 2 mit dem Rest aus Ost so weit nach Norden kommen, wie es eben nur geht, und wenn wir paddeln. Den Rest der Woche dann nutzen, um günstige Windfenster abzuwarten, in denen wir per Zick-Zack-Etappen gemütlich zurück nach Süden kommen.

Als maximal erreichbares Streckenziel Tag 1 stellte sich Mommark heraus. Erst prima Wind aus Ost, ab „Flensburg querab“ dann beginnt der Jammer und der Wind schläft ein. Stille breitet sich aus. Auf der Horizontlinie schieben sich zwei Traditionssegler entlang, ihre Segelstellung können wir auch im Glas nicht erkennen. Die AIS-App auf dem Smartphone nennt für sie knapp sieben Knoten, kaum vorstellbar, dass dort hinten so viel Luftzug herrschen soll. Aber es dauert nicht lange, da tauchen rechts und links von uns die ersten Rückenflossen und nassen Nasen auf. Die uns hier und da plätschernd und schnaufend begleitenden Schweinswale sind meist nur bei so ruhigem Wetter gut zu entdecken, schon der Stille wegen.

Schweinswale
Wenig Wind = schöne Sicht auf die Schweinswale

Wir trimmen hier und da, aber alle Tricks ändern nichts daran, dass man bei einem knappen Knoten Fahrt pro Stunde keine ganze Seemeile gutmacht. Wir gehen ungern so früh an den Treibstoff, andererseits: „Windenergie“ würde sich uns die nächsten Tage noch zur Genüge bieten. Der Norden ist im Juni auch um zehn noch hell, das kommt uns nun zugute. Aber dann sollte man doch im Hafen sein, schon um Mommarks Hafenmeisters legendäre Jagdhorn-Einlage nicht zu verpassen. Hinten brummt der Zweitakter, am Bug spritzt es wieder, wenn auch Motorboot-gleichförmig statt Segel- oder Wellen-moduliert. Sehr spät legen wir nach den ersten 20 Seemeilen in Mommark an, proppevoll am Samstagabend, außer uns bewegen sich am Hafen nur noch ein paar Anglerboote – und die entgegenkommend. Dankbar sind wir der vorausschauenden Crew der in der Hafenenge liegenden Peltrine, einem über 100 Jahre alten See-Ewer: Zwar haben wir oft genug vergleichbare Vorsegel an ähnlichen Schiffen gesetzt und geborgen, aber ob wird beim engen Manövrieren aus unserer tiefen Folkeboot-Perspektive heraus an den weit ausladenden Klüverbaum weit über uns gedacht hätte, ohne den dran baumelnden orangen Kugelfender …

Coole Einfahrt – aber proppevoll so spät

Tags drauf am Sonntagmorgen rauscht die dänische Weekend-Seglerflotte aus dem Hafen, als hätte man in der Badewanne den Stöpsel gezogen. Für uns geht erst richtig los. Nach der Flaute soll es auffrischen, und wir wollen an diesem zweiten Segeltag noch etwas höher, um einen schönen Absprungsplatz für Nordwind zu besetzen. Lyø in 15 sm (Kartenausschnitt) erscheint uns ganz schnuckelig, auch wenn der Hafen an der nordöstlichen Inselecke bei Wind aus Nordwest möglicherweise nicht die beste Wahl ist. Faldsled oder Dyreborg wären bei NW vielleicht geschützter gelegen. Aber schließlich ist aus der Seekarte auch nicht zu erkennen, wie niedrig und wenig Schutz gebend sich Lyös vorgelagerte Landzunge duckt 😉

Folkeboot
Armin macht ein Nickerchen – und doch mal dichte Klamotten anziehen

Lyø halten wir gut in Erinnerung, nicht nur vom benzinschlauchbedingten Anlegen in Etappen und hilfreichen (statt nur gaffenden) Seglern, sondern einem wunderbaren Naturschutzgebiet, langen, knorrigen Alleen und dem mystischen „Glockenstein“. Viel Gelegenheit, den Tag wunderbar auf der Insel zu vertrödeln, umgeben vom schäumenden Lillebælt.

Klokkestenen
Noch ein Nickerchen – vor den Klokkestenen

Dänischer Insel-Slalom

Nun stehen uns viele Optionen offen. Seit mehreren Touren wäre Ærøskøbing auf wieder mal auf unserer To-Do-Liste abzuhaken, meist stand der Wind nicht ganz geschickt, um gut hin und wieder weg zu kommen, so gerne wir die alte Werft auch wieder besucht hätten. Wir bescheren den dänischen Meteorologen vom DMI weiter eine Menge Traffic auf den Wetterseiten, und erkennen: dieses Jahr sollte es gut passen. Also rückwärts raus aus der Box an Tag 3, gegen den Wind mit kräftigem Ziehen und helfendem Motor (rückwärts mag ein AB eh nicht so), mit etwas Anspannung und viel Seitenwind durchs Hafen-Zickzack. Wir rauschen vorbei an diversen Flachs bei Lyö und Dyreborg (auf die ein Segler beim ruppigen Silverrudder 2018 vorübergehend sein Schiff setzen sollte) mit Vorwind- und Raumschotskurs. Und nehmen zwischendurch ein paar Sounds auf.

Piraten achteraus?

Zeitgleich kommen große Traditionssegler von Faborg um die steilen Klippen gebogen, uns entgegen oder holen von achtern sich aus dem Horizont erhebend auf. Was für eine phantastische Kulisse! Wir halten ihre Kurse im Blick, setzen uns etwas dichter dazwischen. Ein einfach überwältigendes Panorama aus kräftigem Wind und langen Wellen, streifendem Salz- und Regenwasser, als groß gepinselte Patinaflächen dazwischen cremefarbenes Segeltuch. Zögen jetzt noch Kanonendonner und Pulverdampf übers Wasser, es würde einen fast nicht wundern. Nach rund einer Stunde hat der Spuk ein Ende, wir sind wieder allein und es stellen sich die Alltagsfragen: Das häßliche Kümo vor uns – in Fahrt, vor Anker, oder weiß es das gerade selber nicht?

Es dauert nicht sehr lange (Kartenausschnitt, und Blick auf die Delius-Klasing-App) bis nach 18 sm Ærøskøbings aufgereihte Badehäuserzeile erreicht und ein guter Platz gefunden sind: Eine ganz leere Hafenecke, gegen den Wind geduckt hinter einer massiven Steinmole, das dänisch-bunte Muster hölzerner „Badehuse“ direkt vor Augen. Im Boot offenbar sich nach dem Anlegen das typische Chaos: Vorm Hafen grob aufgetuchte Segel. Leinen überall. Jacken, nasse Hosen, Rettungswesten. Karten, Kamera, Tablet, Fernglas, Funk. Unter Deck noch Baumstütze, Fender, Zelt … Dass man abends überhaupt noch ein Lücke für den Schlafsack findet!

Armin möchte aufräumen.
Ich will zur Werft.
Armin zeigt auf das maritime Chaos rund um uns.

Ich auf die leeren Liegeboxen rechts und links: Hier ist niemand, der uns verpfeifen könnte – wir sind doch unter uns! Und der Werft-Shop führt manchmal Weihnachtsschmuck. Damit kann man bei der häuslichen Genehmigungsstelle für ehemännliche Erkundungsfahrten zwecks turnusmäßiger Vermessung der Dänischen Südsee sehr erfolgreich Punkte sammeln.

Armin möchte aufräumen. Wenigstens etwas.

Wir einigen uns, müssen dann zu Fuß schnell einmal durch den ganzen Hafen, sind Viertel vor Fünf an „Det Gamle Værft“. Die soeben geschlossen hat! Durchs Fenster sichtbarer Krimskrams in den Werftregalen schaut aus, als hätte er daheim etwas bewirken können. Nun werden wir uns für 2019 was einfallen lassen müssen. Aber Segelklamotten, die schon aufgehängt gut trocknen, haben ja auch ihr Gutes.

Detlef Hoepfner
Werft in Æroskøbing
Fähre
Wo bin ich 😉

Wir schleichen um die Bootsbaustellen und schlagen uns in die Nebengassen. Eine schöner als die andere, gehalten in farbenfrohen, aber nicht übersättigten Farben, flaniert von den hier typischen Stockrosen. Von der Nørregade schaut man durch die offenen Fenster in dänisch designte Wohnräume. Und blickt durch deren hintere Fenster gleich weiter durch auf die Ostsee. Die Jahreszahlen auf den Giebeln verraten, dass man schon in den 20iger Jahren des letzten Jahrhunderts wusste, wie es sich schön wohnen lässt, ganz ohne Fototapete oder Riesenglotze an der Wand.

Æroskøbing
Æroskøbing

Zurück am Boot stellt sich ein Mordskohldampf ein, das nächste Tourrezept soll gegensteuern … da schiebt sich von hinten gelb-grauer Kunststoff in unseren Augenwinkel. Hinter den Bugkorb gestopft und draufgekrempelt ein Berg Stoff, neben dem im Cockpit lose herumliegenden Baum am Steuer ein alter Mann im Blaumann. Der halbe Hafen gähnt vor Leere, aber das Ungetüm treibt – genau auf uns zu. Schnell checken wir unsere Fender. Am Bug wohl sein Enkel, der nach gemeinsamen Boots-Hin-und-her-Geschiebe schließlich den Steg erreicht. Nicht nur uns dämmert nun, dass der liebenswerte Seebär das Thema „Heckleinen“ bisher für überbewertet hielt und sich sonst einfach parallel an einen – heute leider belegten – Platz gegenüber im Hafen geknotet hat. Er taucht im maritimen Krempel unter und macht sich auf die Suche. Alsbald gibt er sich als echter Öko zu erkennen: Aus zerfranstem Strandgut in diversen ausgeblichenen Blautönen lassen sich nicht nur modische „Kampf dem Plastikmüll“-Armbändchen knoten, sondern auch zwei Heckleinen, die zumindest eine Anforderung erfüllen: Sie bilden eine geschlossene, wenn auch dünne Linie von A nach B. Das Boot muss nun wieder nach achtern, irgendwann sind die „Leinen“ über den Pfählen und vor unserem inneren Auge laufen Filme ab, wie wohl nachts der Wind dreht, in welchem Hafenquadranten dieser Seelenverkäufer landen mag und ob die dabei zurückgelegte Strecke unseren Liegeplatz kreuzt. Der unendlich geduldige Enkel holt den Bug zurück zum Steg und belegt die Vorleine. Der Käptn arbeitet sich nach vorne durch, mustert den Abstand zum Steg, bewertet ihn als viel zu groß und macht sich wieder an den Heckleinen zu schaffen. Hier noch etwas zupfen, da noch was dehnen, diesen Knoten etwas knapper knüpfen. Der Enkel findet es nun gut. Der Käptn widerspricht mit Blick auf den Abgrund zwischen Boot und Steg: „Ich bin ein alter Mann!“ Die Zeit vergeht, es wird getüddelt und geknotet, schließlich setzt der Enkel seinerseits ein Statement: „Alter Mann hin oder her! Die Leinen sind einfach zu kurz!“ Irgendwann ist eine Lösung gefunden, in unserer Pfanne beginnt es lecker zu brutzeln und wir haben zwei Gedanken: Hoffentlich kommen die Zwei morgen gut nach Hause. Und was für ein Glück und Geschenk für ihn, in dem Alter noch jemanden zu haben, der einen kraftvoll und jugendlich motiviert begleitet!

Kurs Marstal
Kurs Marstal

Die Segelwoche neigt sich, es ist nochmal sehr viel Wind aus Nord angesagt. Die Richtung passt perfekt, wir haben gut geplant. Nur zwei Tage drauf ist endlich nachlassender Wind angesagt, wenn wir wieder einen sehr lange Schlag zurück nach Deutschland vor uns haben. Aber jetzt schon ganz zurück … doch lieber Zwischenstopp in Bagenkop. Raus aus Ærøskøbing pfeift es wieder ordentlich. Das Groß ist angeschlagen, aber nicht gesetzt. Wir hoffen, allein mit sehr reduzierter Segelfäche – unter Fock – bei kräftigem Nordwest auf Halbwindkurs mit Kurs auf Drejø so viel Höhe halten zu können, um von dort in die Mørkedyb-Rinne hinunterzurutschen. Die Welle nimmt ordentlich zu, die paar Segler um uns rum schauen von deutlich größeren Booten auf uns runter. Sie könnten notfalls auch unter Motor einen Kurs „erzwingen“. Wir dagegen müssen uns völlig an die Situation adaptieren.

Mørkedyb
Einfahrt ins sehr strömungsstarke Mørkedyb-Fahrwasser

Aber unser Generalplan „Tag 1 nach Nord, dann nur noch Süd“ geht inklusive dieses kleinen Hakens nach NO prima auf. An der nördlichen Untiefetonne halsen wir nach Steuerbord und zischen nur so durch die enge Rinne, vorbei an Birkholm dem wilden Zickzack der Betonnung folgend – seitlich wird es schnell unangenehm flach, und Wellen haben ja nicht nur Kuppen, sondern zwischendurch auch Täler. Von achterlichem Wind und Wellen durchs Fahrwasser geschoben zu werden ist immer wieder überraschend trügerisch: Noch vor einer Minuten hat es gebockt, gespritzt, gepfiffen – nach der Kursänderung herrscht fast Ruhe, da sich Wind, Wellen und Boot in praktisch gleichem Speed bewegen. Hier jetzt wenden und zurück kreuzen zu wollen, wäre darum kaum möglich. Nach der Mørkedyb-Rinne (Kartenausschnitt) müssen wir Marstal passieren, auch von dort geht es Richtung Süd, dazwischen aber liegt ein kurzer, starker Kurswechsel leicht gegen den Wind aus NO, dass wir nicht sicher sind, ob wir den ganz ohne Großsegel halten könnten. Den Fehler hatten wir in der Vergangenheit schon einmal gemacht – mit dem Ergebnis, bei recht viel Welle zwischendurch das Großsegel setzen zu müssen und dann mit der vergrößerten Segelfläche nach erneutem Kurswechsel und nun Raumschotsbeschleunigung die Einfahrt in den Marstaler Hafen dermaßen mit Karacho zu durchfliegen, dass wir garantiert gegen jedes Tempolimit im Hafen verstießen und dort erst mal sehen mussten, in freiem Raum Speed aus dem Boot zu bekommen.

Fahrwasser-Wirrwarr vor Marstal – und das Trockendock ist weg

Also Ausschau gehalten, ob man den nächsten betonnten Haken Richtung Marstal nicht etwas mildern und abkürzen kann, ohne das Boot auf eine Sandbank zu setzen. Am Ende der Rinne bietet sich dazu nach SW ein Schlag über „Meyers Grund“ an, angesichts des Seegangs mit deutlichem Abstand zu den Tiefenangaben, die mit einer „2“ vor dem Komma in der Karte stehen. Vor Marstal angelangt gilt es dann, die richtige Betonnung der drei Fahrwasser plus Hafenzufahrt statt der vorgelagerten Steinmole zu erwischen – nur unter Vorsegel bei dem vielen Wind und ohne Option, unter Motor zu korrigieren gibt es hier auch nur einen Versuch, richtig abzubiegen. Wir hatten überlegt, noch einen Zwischenstopp einzulegen, den Tag extra hätten wir dafür. Aber morgen soll das Wetter komplett kippen, statt kräftigem Nordwest plötzlich Südwest. Wir möchten hier nicht plötzlich eingeweht werden und denken, dass wir weiter südlich auf Langeland besser aufgehoben sind, um von dort bei SW zurück nach Deutschland zu kommen. Also weiter. Backbord schimmern mit klarer Farbkante abgegrenzt die Sandbänke dicht am Fahrwasser, die Kulisse von Marstal zieht beim Kurs Süd steuerbord vorbei, mit gewöhnungsbedürftigem Umriss: Jahrzehnte gezeichnet von den in den Himmel ragenden Fingern der Kräne und dem kastigen Schwimmdock der Marstal Værft, deren landschaftsprägende Stahlmonster aber 2017 nach Svendborg verlegt wurden. Schön war anders – aber irgendwie fehlt einem diese Landmarke jetzt doch.

Strom
Kräftiger Strom, dahinter flach

Wir lassen die kringelige Navigation zwischen den Inseln hinter uns, weiter vor uns als Ziel die Südspitze Langelands mit ihrem Hafen Bagenkop. Nach wie vor ist als einziges Segel die Fock gesetzt und wir werden von Wind und Wellen mächtig nach Süden geschoben. Auch später noch, als nach 20 sm Bagenkop vor uns liegt, steht der Wind noch kräftig auf dem Hafen, auf der freien Wasserfläche hat sich eine ganz schön Dünung aufgebaut, die an der Steinmole weiß schäumend hochrauscht. Unser Learning des Tages: Wenn man schon ausnahmsweise sogar einen Wegepunkt auf der elektronischen Karte setzt, sollte man diesen auch ansteuern und den nächsten Kurswechsel beachten, ob man jetzt schon zum wiederholten Mal hier ist oder nicht. Und nicht diesen passieren lassen, um dann festzustellen, dass man – weiter nur unter Fock, bei nicht wenig Welle (also Außenborder undenkbar)  an der Hafeneinfahrt vorbeigesegelt ist. Gut, man kann uns zugute halten: Die Ansteuerungsmarken an Land so lange vergammeln zu lassen, bis sie vor den gleichfarbigen Ferienhauswänden unsichtbar werden, ist hafenseitig auch nicht gerade hilfreich. Also ein Stück zurück, und im Vorhaben ist es endlich schlagartig ruhiger, der Adrenalinspegel sinkt wieder ein wenig und hier bekommt man auch den Außenborder startklar.

Hafen Bagenkop
Armin Pech
Besser kann es einem nicht gehen

Die vielen freien Boxen liegen leider alle quer zum Wind, der Winddruck nur im Rigg reicht aus, unser festgemachte Boot zu krängen. Noch hoffen wir, einen der später einladenden Segler neben uns locken können für etwas Deckung. Stattdessen gibt es zwar gut zu tun, von ebenso zerrupften Seglern Leinen anzunehmen. Aber ihre fetten Motoren, mit denen sie mehr oder weniger erfolgreich versuchen, ihre Anleger kontrolliert verlaufen zu lassen, wühlen das halbe Hafenbecken rund um uns auf und es ist dann vielleicht doch besser, dass wir alle etwas Abstand halten.

Nebenan werden die gemessenen Windgeschwindigkeiten diskutiert, und unser Zelt fürs Cockpit bleibt fest weggepackt. Und da wir ja bei dem Gepfeife kaum den Gaskocher in Gang bekämen, müssen wir leider, leider, ausnahmsweise im Hafenkiosk Riesenportionen Langelænder-Pommes und ein paar dicke Burger verdrücken. Nur ein Pølser reicht heut nicht. Aber auf einem Stuhl zu sitzen, ohne dass einen der Wind wegdrückt – das ist auf einmal ungewohnt. Wir gucken weiter Wetter, Wetter, Wetter: Morgen, am vorletzten Tag, kräftiger Südwest. Übermorgen dann deutlich weniger – yieppieh, zuletzt noch ein ruhigerer Segeltag? Wir laufen nochmal zur Hafeneinfahrt, schauen uns den Seegang und ein paar dazwischen einlaufende Angler und Segler an, klettern auf den kleinen Aussichtsturm: Da möchten wir jedenfalls so bald – und vor allem in Gegenrichtung – nicht wieder durch.

Bagenkop
Bagenkop

Landratten-Wanderung zu den „Huthügeln“

Also klarer Fall: Wir legen nach einer herrlichen Dusche (keine Münzen nötig 🙂 ) und leckerem Kirschmarmeladenfrühstück einen zweiten Landtag ein. Die Südspitze Langelands mit ihren schönen Klippen kennen wir aus der Seeperspektive. Sie ist durch viele „hatbakker“ geprägt, aufgereihten „Huthügeln“ aus der letzten Eiszeit, zu Kieshügeln zusammengeschoben vom Eisdruck vor 15.000 Jahren. Zu Fuß machen wir uns auf den Weg, wundern uns bei warmem Wetter über die merkwürdige Betonnung der durch die Felder und Wiesen führenden Wege, staunen über wilde Pferde, kleine Wäldchen, lange Kiesstrände und immer wieder grandiose Aussichten von den kuriosen Hügeln über die Landschaft bis aufs Meer. Abends taucht die Sonne die sich langsam beruhigende Dünung am Strand neben dem Hafen in rotgoldenes Licht.

In Slow Motion zurück

Letzter Segeltag: Wir sind für unsere Verhältnisse früh auf, brauchen auch eine Hand vom später angelegten Nachbarlieger, der sich über unsere Heckleinen getüddelt hat. Und OK, ja der Bäcker macht erst um 8:00 Uhr auf. Wir tuckern kurz drauf bei endlich moderatem Wind raus aus dem Hafen, setzen Segel und nehmen Kurs auf die deutsche Ostseeküste. Nachdem unser letzter Versuch, im Hafen einen leckeren Käse zu erstehen (oder überhaupt Käse zu entdecken) nicht sehr erfolgreich war, gibt es an Bord jetzt ein paar merkwürdig rauchige Käsebrocken auf frischen Brötchen und – Kirschmarmelade.

Klippen
Die Klippen, jetzt von See aus
Kurs auf die deutsche Ostseeküste
Kurs auf die deutsche Ostseeküste

Es geht gut los mit vier, fünf Knoten, aber der Wind zielt was anders, als angesagt, dumm gelaufen: Direkt anliegen könnten wir südlich Kiel, da wollen wir aber gar nicht hin, sondern nördlich davon zur Schlei. Ein paar große Kreuzschläge sind kein Problem, wenn … ja wenn nicht die Windpfeile im Laufe des Nachmittags so verdächtig kreuz und quer auf der Vorhersagekarte verteilt in alle Richtungen herumzeigen würden (so sah das aus). Das erinnert doch verdächtig an die Stellungen der Verklicker in unserem Heimathafen, wenn – gar kein Wind mehr ist. So ähnlich kommt es dann auch.

Es wird wärmer und wärmer, irgendwann nachmittags ist alles ausgebaumt, was wir an Segelfläche aufbringen können und wir trödeln in Richtung Schlei. Mit DMI-Vorhersagen auf Smartphone oder Tablet ist hier entfernt der Küsten mangels Netz auch nix mehr, aber man sieht ja auch so, was los ist. Die Hoffnung stirbt zuletzt: Da gibt es doch auf Funk … welcher Kanal war das noch gleich … Wetterinfos von Kiel Traffic. Krächzend kommen die Infos an Bord, auf irgendeinem Turm hoch oben haben sie wohl auch einen Luftzug gemessen – also hier kommt der jedenfalls gar nicht an. Wieder die übliche Rechnung „verbleibende Strecke geteilt durch fast keine Geschwindigkeit“ ergibt: Puh, da kommen wir ja erst am nächsten Morgen an, wo das Boot schon ausgeräumt sein sollte. Also schweren Herzens Segel runter, Motor an. Gegen 18.00 Uhr wird die Küste erkennbarer, noch eine Stunde später die typischen Silhouetten auf Schleimünde. Moment, was sehen wir im Fernglas – segelt da hinten jemand? Ein leichter Windzug geht, wir gucken uns an, deutliche Entscheidung für unsere letzten Seemeilen: Aus therapeutischen Gründen und zur Sicherung unseres Seelenfriedens sofortige Verordnung von: Motor aus, Segel setzen, Füße hoch.

Leuchtturm Schleimünde
Zurück am Leuchtturm Schleimünde
Schlei
In Slow Motion zurück in die Schlei

Mike ruft an, wann wir eigentlich ankommen heute? Wir müssen noch zur Mündung, Schleimünde vorbei, nach Maasholm rein, haben locker einen Knoten Speed, in Spitzen zwei, überlegen kurz, ist das noch ne Stunde oder zwei, übersetzen es in Folkeboot-Maßeinheiten und antworten klar: „Gleich.“ Am Leuchtturm Schleimünde ballern noch ein paar Boote an uns vorbei, schaukeln uns durch, dann herrscht Ruhe. Vor uns geht die Sonne unter, die Schlei glänzt golden und glitzert um uns rum, von hinten schiebt ein Windhauch vorwärts, es plätschert kaum am Bug. Nur für diesen Schlag, die Tour hätte sich schon gelohnt. Eineinhalb Slow-Motion-Stunden später fallen vor Maasholm die Segel, der Bug schiebt sich nach 105 Seemeilen wieder zwischen die festgemachten Folkeboote.

Mike steht am Steg. „Ich dachte schon … ihr hättet euch verfahren.“ Stimmt irgendwie auch. Eigentlich waren wir nur deswegen losgefahren.

Gesamte Runde um Ærø mit 105 Seemeilen (knapp 200 km)

Sailing-Sounds recorden

Recording better sailing soundsDetlef Hoepfner

[ english version]

Vorbeirauschende Luft sorgt nicht nur für unsere Fortbewegung auf dem Wasser, sondern auch für eine wunderbare Sound-Kulisse. Diese Eindrücke auf einer Audio-/Videoaufnahme einzufangen, ist schwierig – der Windzug sorgt im Mikrofon für Artefakte, die viele Aufnahmen unbrauchbar machen können. Das muss doch besser gehen? Erste Versuche mit einem Immersive-Sound-Headset – hier im Video, unten beschrieben.

Ohne Luft kein Klangtransport zu unseren Ohren. Nur dumm, dass Mikrofone nicht unterscheiden können zwischen gewünschtem Wohl- oder Dramaklang und einer Böe, die es in der Aufnahme einfach nur poltern und krachen lässt. Und wenn man sich einmal zwingt, die ständige Audiokomensation des Gehirns auszuschalten, hört auch ohne Mikrofon im Wind: Schon der reine Windkontakt mit den Ohrmuscheln sorgt für eine zusätzliche Geräuschkulisse. Bis dahin, dass es Radfahrern deswegen schwerfällt, herannahende Autos rechtzeitig zu hören. Als Segler macht man sich dies sogar unwillkürlich zunutze: Eine scheinbare Windrichtung spüre ich einfacher, wenn ich ein wenig mit dem Kopf pendele und an den Ohren sowohl die Temperatur des Windzugs spüre als auch das leichte Rauschen an der Ohrkante.

Mikrofone und ihr Gegner „Wind“

(Mikrofon-)Katzen kommen mir nicht an Bord – schon gar nicht tot

Ausprobiert: Recordend rund um Ærø

In-Ear-Mikrofone – eine Lösung?

Segelpraxis mit dem Ambeo-Mikrofon

Segler-Kunstkopf unter der Kapuze

Aufnahmepositionen: man kann ja nicht weit weg auf dem Boot

Audio-Nachbearbeitung der Segelfilme: funktioniert De-Wind?

Windschutzideen

Kurzfassung: Tipps gegen Windstörungen in Segelvideos

  • Windeinflüsse müssen (auch vom internen)  Mikrofon ferngehalten werden
  • besser ein provisorischer Schutz (Socke ums Smartphone!), als gar keiner
  • nachträglich lassen sich Störungen nur mäßig entfernen, Hochpassfilter nutzen
  • externe In-Ear-Mikrofone liefert drastisch besseren Sound, das Set ist vertretbarer Zusatzaufwand, muss aber auch vor Wind geschützt werden. Und sei es durch die zugezogene Kapuze!

Den kratzigen Audioeffekt kennt jeder, der einmal bei etwas Wind mit seinem Smartphone eine kurze Aufnahme gestartet hat: Es krächzt einfach nur furchtbar. Mikrofone sollen zwar die feinste Luftbewegung im Schall registrieren, der kräftige Luftzug aber, der das Signal poltern oder gar clippen/übersteuern lässt, ausgeblendet sein. Dabei handelt es sich ja um die jeweils gleichen „Luftpartikel“!

Umso schlimmer trifft es uns, die wir ja bevorzugt auf dem Wasser herumzischen. Und die den Wind generell eher positiv bewerten. An Bord sitzend und rundum eine Fülle positiver Eindrücke mit allen Sinnen aufnehmend bleibt dann auf dem Video oft nur ein wackeliger Horizont und ein lautes CHRRRRRRRRRRRR. Das nervt.

NDR-DreharbeitenMike Peuker
Richtig mikrofoniert gegen den Wind: NDR-Dreh bei „Klassisch am Wind“. So eine „tote Katze“ gilt es praktikabel nachzubilden

In der Recording-Technik gibt es bewährte Gegenmittel. Am bekanntesten ist die „Tote Katze“: Um das gefederte Mikrofon wird ein großer Korb gebaut, der mit einem durchlässigen Fell ummantelt ist, sodass die Wucht des Luftzugs abgebremst wird. Besonders schnell setzen die tieffrequenten Attacken ein; kein Wunder, wenn man sich Frequenz und Wucht dieser böigen Windbewegungen vor Augen führt. Ist im Aufnahmeset kein Raum für große Körbe, behilft man sich mit direkt am Mikrofon befestigten, durchlässigen Fellstücken oder Schaumstoffbällen.

Produkte und Anleitungen dafür gibt es in den Fachmedien in Hülle und Fülle. Aber: Wenn man nicht als Reportage-Team an Bord, sondern nur zu zweit in der Nässe auf dem Boot unterwegs ist – wie soll man sich dann noch um eine Mordskonstruktion mit Tonangel usw. kümmern? Hinterher sieht man dann noch aus wie die Hobbyangler, die dem armen Fisch bis an die Zähne bewaffnet auf die Pelle rücken, als würde sich da gerade eine Marine-Elitetaucher-Einheit anschleichen. Eine weitere Möglichkeit wären nicht gerichtete und besonders abgestimmte Mikrofone. DPA in Dänemark hatte dazu mal ein Video gedreht, in dem die Windempfindlichkeit von Reportagemikrofonen verglichen wurde. Entscheidend scheint nicht nur die Ausführung des Windschutzes im Mikrofonkorb, sondern auch die Kapselabstimmung selbst.

Aber auch die nützen mir bei einem Spaß-Törn nix, wenn ich an der Pinne sitze und spontan denke: Wow, das muss ich schnell filmen! Denn dann habe ich nur mein Smartphone zur Hand, oder vielleicht die Kompaktkamera oder DSLR.

In den letzten Jahren haben wir bei diversen Törns in der Dänischen Südsee einige provisorische Audioaufnahmen durchgetestet, denen eins gemein war: Unsere Aufmerksamkeit galt in der Linie dem Segeln, das Recording lief irgendwie nebenher. Im Zweifelsfall gucke ich lieber einmal mehr auf die Seekarte als auf die Kamera. Ich verpasse lieber eine schöne Aufnahme als die Hafeneinfahrt. Und immer berücksichtigend: Ja, wenn man ersthaft aufnimmt, weiß man sehr genau, was zu tun ist. Aber: Fieldrecorder, ein Stapel vernünftiger Mikrofone und und und – bleibt alles zu Hause, ich habe Urlaub! Dieses Sammelsurium für das Filmen beim Segeln kam zum Einsatz:

Schon mit einem einfachen Recorder (mit der Aussterung vertraut machen!) wird der Ton zwar deutlich besser. Muss aber danach zum Bild synchronisiert werden – und nicht vergessen, die Mikrofone vor Wind zu schützen!

Kleiner Digitalrecorder: Keine schlechte Idee, aber ich will nicht steuern, filmen und noch den Recorder bedienen! Etwas windgeschützt im Cockpit z.B. aber kann man schöne Basissounds einfangen, die man dann später unter „mißratene“ Videoclips mischt. Will man sicher gehen: Mindestens eine Socke über die Mikrofone ziehen.

Smartphone – na ja: Die meisten Videos nimmt man eh damit auf, also nutzt man auch dessen Mikrofon. Unser Smartphone steckt in einem wasserfesten, zum Modell genau passenden wasserdichten Case. Überraschung: Die Windgeräusche sind dadurch eher noch heftiger als ganz ohne Hülle. Aber zum Case gibt es keine Alternative, schon weil ich das Smartphone dadurch per Sicherungsband mal irgendwo sichern kann, damit es nicht herumfliegt.

DSLR – Schrottsound: Die eingebauten Mikrofone liefern immerhin ein Stereobild, sind bezüglich Windanfälligkeit aber das pure Grauen. Man könnte Fellschnipsel draufkleben, in einer Saison habe ich immer schnell ein Halstuch um die Optik (und damit vor die Mikrofone) gewickelt. In der aktuellen Saison bin ich diesbezüglich leider etwas vergesslich geworden. Resultat: Soundschrott! Ja, es gibt einfache Aufsteckmikrofone. Aber die Kamera (derzeit D750) rollt gelegentlich beim Segelmanöver zwischen Tauen und unseren Füßen auf dem Cockpitboden herum (denn tiefer kann sie dann ja kaum noch fallen) – da stecke ich doch keinen zerbrechlichen Klimbim oben an die Kamera dran.

Übrigens: Gimbal … Ja, theoretisch gute Idee. In der Praxis: Alles viel zu fummelig, empfindlich. Vielleicht eine Option, wenn man fest immer ein Smartphone „übrig“ hat, es eingespannt lässt und irgendwo trocken weglegt für bestimmte Momente. Aber auf einem kleinen Boot ist eh schon alles zu viel, was man extra mitnimmt. Zumindest, wenn man – wie wir – für so eine Tour allen Segelkrempel von verschiedenen Booten zusammensammelt und auf ein geliehenes Boot umsortiert.
Also trainiert der einarmige Kapitän besser weiter seinen Kameraarm und die Ausgleichsbewegungen in den Knien.

Es gibt schon länger eine kleine Szene von Nerds, die als Sonderanfertigungen  oder Kleinserien kompakte Mikrofone in der Form von In-Ear-Mikrofonen tragen und witzige Videos drehen, in denen sich ein sehr plastischer, immersiver Surround-Sound der Umgebungklänge erleben lässt. Soundman in Berlin ist einer dieser Pioniere. Sennheiser hat diese Idee 2017/2018 ebenfalls aufgegriffen und in ein Serienprodukt überführt. Superpraktisch: Es kann ohne externes Interface direkt an einem einigermaßen aktuellen iPhone betrieben werden, und es dient auch gleichzeitig als Hörer. Sport- oder Actionszenen stehen dabei aber derzeit wohl nicht an erster Stelle. Unter dem „Ambeo“-Label forciert Sennheiser darüber hinaus aber auch eine ganze Reihe professioneller Produkte rund um die Produktion immersiver Sounderlebnisse, die Kollegen von Sound&Recording stellen sie hier vor.

Meine eigenen Mehrkanalton-Installationen zu Hause habe ich zwar komplett abgebaut und weggepackt – aber könnte diese Hörer/Mikrofon-Kombination für Smartphones eine Lösung sein? Für meinen Immersive-Sound-Grundlagenartikel hatte ich sowieso ein Fotomuster von Sennheisers Ambeo-Hoffnungsträger im Büro, also einmal ab damit nach draußen. Die diversen Schalter und Knöpfe haben mich direkt überfordert, also doch besser mal fünf Minuten damit beschäftigen: Es gibt einige Funktionen, die auch das Wahrnehmen von Umgebungsgeräuschen verbessern, wenn man mit den Stöpseln im Ohr musikhörend herumläuft – was ich nie mache, schon weil ich einfach solche Dinger im Ohr nicht leiden kann. Plus dass ich wenig Bedarf haben, die meist schönen Klänge um mich herum durch Alternativbeschallung zu übertönen.

Sennheiser Ambeo Smart Headset mit Bedieneinheit, zwei Ohrbügeln incl. Hörern und Mikrofonen sowie Smartphone-Stecker

Die drei ersten Ergebnisse mit dem Sennheiser Ambeo vor dem Törn:

  • Das Sennheiser Ambeo liefert eine sehr schöne Raumabbildung. Da kann man jetzt lange nerdig über die Qualität der Vorne- oder Hinten-Ortung diskutieren – aber hey, das ist ein Consumer-Produkt. Und über die internen Wandler kann man aktiv mithören, man ist während der Aufnahme nicht isoliert. Gut!
  • Das Sennheiser Ambeo ist erst einmal nicht weniger windanfällig. Meine Hoffnung, dass Form, Abstimmung und Position der Mikrofone in den Ohren vielleicht besondere Vorteile bezüglich der Windanfälligkeit böten, hat sich leider nicht bestätigt. Dennoch sind später beim Segeln sehr coole Aufnahmen entstanden.
  • Die Handhabung ist eben wie sie so bei dieser Produktgattung ist (und mich auf die Palme bringt): Erst mal heißt es immer, die Kabel zu enttüddeln und den richtigen Stöpsel ins richtige Ohr zu bekommen. Auf Dauer würde ich mir jedenfalls rot/grüne Markierungen für Back- und Steuerbord-Ohr drankleben. Die Generation, die zusätzlich zur Nabelschnur mit zwei weiteren Strippen zur Welt gekommen ist, agiert da sicher geduldiger.

Gelegenheit zum Praxistest hatte ich sieben Tage lang auf dem Wasser und auf diversen dänischen Inseln – theoretisch. Tatsächlich mit dem Ambeo aufgenommen habe ich … vielleicht eine halbe Stunde in Summe, leider nur. Denn selbst bei einer ganzen Woche auf dem Folkeboot (einem über 70 Jahre alten Schmuckstück von www.klassisch-am-wind.de) ist man so viel mit wunderbaren Aufgaben wie Segelpraxis, Törnplanung, Wetterbeobachtung, Kartenarbeit, Kartoffelschälen oder Löcher-in-die-Luft-gucken beschäftigt, dass der ganze Elektronikkram in den Hintergrund rückt. Und sicheres Ankommen via attraktiver Routen steht bei den Touren ganz im Vordergrund. Alle Aufnahmen, die ich nun in einem Video zusammengeschnitten habe, entstanden daher zu nur zwei Gelegenheiten.

Die größte praktische Einschränkung: Man hat schon eine Segeljacke an – jedenfalls bei unseren fast durchgängig sehr stürmischen Tagen. Darüber eine mehr oder weniger martialische Rettungsweste. Da ist dann vorne manchmal noch ein Lifebelt eingehakt. Das Smartphone (mit zusätzlich laufender Seekarten-App) steckt wasserdicht verpackt in der Hosentasche. Jetzt noch zwei filigrane Kabel sortieren, Mikrofonstöpsel in die Ohren, das iPhone-Case öffnen und Mikrofon und Smartphone verbinden? Bei ruppigem Wetter eine Herausforderung.

Mit Kapuze segelnArmin Pech
Je nach Wetter ist man eher beschäftigt, die nächste Tonne nicht zu verpassen oder von Bord zu fliegen, als jetzt noch Recording-Equipment zu installieren

Und dann noch der Wind. Gegen die Windempfindlichkeit testete ich zuvor einige banale Tricks, wie ein über die Ohren hochgezogenes Halstuch (kein überzeugendes Ergebnis). Unterwegs griff ich dann mehr oder weniger aus Ratlosigkeit dazu, einfach die Kapuze der Regenjacke über die Mikrofone in den Ohren zu ziehen. Dem Audioprofi dreht sich da natürlich der Magen um: Nicht wegen der Schaukelei, sondern ein „Kunstkopfmikrofon am lebenden Subjekt“ mit drübergezogener Kapuze macht jetzt nicht so viel Sinn, oder? Die ganzen Reflexionen rund um die Ohrmuschel werden ja total gestört, erhalten bleiben immerhin die Laufzeitunterschiede zwischen den Ohren. Und für die Hochtonaufnahme ist das auch nicht erste Wahl. Dabei finde ich einen Audioeffekt besonders stark: Im Folkeboot sitzt man sehr tief direkt in der Nähe der Wasseroberfläche. Die vom geklinkerten Rumpf gebrochenen Wellen rauschen direkt neben einem vorbei. Milliarden von winzigen Bläschen zerplatzen und erzeugen einen ganz eigenen Sound. Alles da in der Realität: Bässe, Mitten, feine Höhen.

Ob das aufnahmetechnisch optimal ist, weiß ich noch nicht, aber super bewährt hat sich auch das aktive Mithören während der Aufnahme bei den Sennheisers: An Bord bei etwas Welle herumkletternd bekomme ich eigentlich direkt ein ungutes Gefühl, wenn ich mir die Ohren zustöpsele. In dem Moment merkt man erst, wieviel Orientierungssinn auch über das Gehör läuft. Aktiviert hört man eher so, als wären die Stöpsel nicht im Ohr – sozusagen das Gegenteil des (ebenfalls möglichen) Noise Canceling.

Aufgenommen habe ich mehrere Positionen: Tief über dem Wasser in Lee nach vorne sehen, dann nach hinten übers Heck blickend (und dadurch mehr von der Kapuze geschützt, da der Wind ja bei den meisten Kursen eher vorlich einfällt). Noch geschützter tiefer im Cockpit sitzend, wobei ein zweiter Sound immer stärker dominiert: Wenn der außen nicht glatte, sondern durch die Klinkerbauweise „stufige“ Holzrumpf in die Wellen taucht, produziert er recht fette, tieffrequente Klänge, die ich zuletzt noch im Bootsinneren aufnahm. Dort drinnen ohne Kapuze, wobei hier wenig Hochfrequenzanteile zu vernehmen sind, bis auf das diverse Geklapper von einigem Krempel (wie sicher und trocken man vorher auch alles verstaut haben mag).

Die Ergebnisse sind, nachdem ich noch einen jeweils angepassten Hochpass gegen die verbliebenen Wind-Rumpler angewendet habe, angesichts der Umstände verblüffend gut! Mein persönliche Favorit im Video: Der Blick auf den Kompass im Cockpit, der wenig Wind einfing, daher noch viel Tieftoninhalt behielt und eine Mischung aus donnerndem Holzrumpf, rauschenden Wellen und den diversen Bootsgeräuschen bietet. Auch ein seitlicher Blick in Lee zum Bug bietet mir Hörgenuss: An Backbord rauschen die Wellen von vorne seitlich nach hinten vorbei, an Steuerbord dominiert der Boots-Sound, und zwischendurch klappern Details wie der Schäkel, der am Großbaum irgendwo über/hinter einem für die herunterhängende Dirk angeschlagen ist. Schwierig zu unterscheiden ist manchmal, woher einige der „Crackles“ in den Aufnahmen stammen: Es kann sich um kleine Klappereien am Boot handeln, Wasserspritzer, das Schaben der Regenjacke am Mikrofon – oder kommen sich da Mikrofon und Haare in die Quere? Also direkt mal zum Friseur, Ohren freischneiden.

Verlockend ist die Perspektive, die ganzen Fehler und Audiostörungen eines Videoclips in der Nachbearbeitung mit ein, zwei Tricks schnell zu korrigieren. Das ist im Fall der Windgeräusche eine Illusion.

So lange es sich um sehr tieffrequente  Störungen handelt, kann man diese – wie bei den Ambeo-Aufnahmen unter der Kapuze praktiziert – mit einem Hochpass dämpfen. Die Windrumpler verschwinden weitgehend, damit aber auch der „Rumms“, wenn die Welle den Bug trifft. Da kann man noch ein wenig pfuschen (wie im Intro meines Videos), indem man eine saubere Aufnahme im LF druntermischt. Zur Verdeutlichung ein Beispiel, aufgenommen m Hafen: Das wiederholte Muster aus senkrechten orangen Linien sind die schlagenden Fallen rundum, auf dem rechten Ohr (unten) besonders am Anfang Windstöße, und durchgängig „Winddruck“ im LF-/Tieftonbereich.

Sehr kräftige LF-Störung auf beiden Ohren, aufgenommen bei wenig Wind am Ufer

 

Hochpassfilter 200 Hz – das nimmt neben dem tiefen Rumpeln schon Grundton weg

 

Ergebnis mit HPF – das Schlagen der Fallen im Hafen ist weiter zu hören (orange Striche in Fenstermitte), der ganze tiefe Windanteil ist gedämpft

Besonders problematisch ist aber, wenn die Windstörungen im Frequenzspektrum sehr breit ausfallen. Und das ist meistens der Fall. Noch schlimmer: Es handelt sich nicht um einzelne, kleine Audioevents, sondern die Störung dauert mehrere Sekunden an. Meine Videoaufnahme in Luv stehen und zum Bug blickend zeigt, dass dann die Hilfe via Hochpassfilter schnell zu Frust führt: Die Aufnahme wird dann ziemlich „dünn“, weil man das Filter bis in den Mitteltonbereich hochschieben muss.

Der kräftige Windstoß anfangs auf dem rechten Ohr reicht im Spektrum bis über 1 kHz hinauf – per Hochpassfilterung würde hier schon viel von der Aufnahme verloren gehen

Aber können hier nicht moderne Features wie das De-Wind-Plugin von iZotope RX6 rettend eingreifen? Nach meiner Erfahrung: Schwierig. Die Tools sind dazu entwickelt, aus einer nicht idealen Aufnahme ein konkretes Nutzsignal – wie einen Dialog – sauber herauszuisolieren. Wir haben aber breitbandiges Meeresrauschen, lange brechende Wellen, Windheulen im Rigg – wie soll da ein Algorithmus unterscheiden, welches Rauschen gewollt und welches böse Windstörungen in der Mikrofonkapsel sind? Wie auch immer ich die Parameter gedreht habe: entweder es blieb die Windstörung, oder es gab viel Artefakte, oder beides.

Windstörungs/Wellen-Mix von Bord – das zu trennen, würde ewig dauern

Was dagegen möglich ist, ist das partielle Entfernen kurzer Störungen Schnipsel für Schnipsel, eventuell getrennt für L und R. Auch die Rettung via Spektral-Repair kann da erfolgreich sein. Aber wenn man sich oben einmal dieses Spektrum von Bord ansieht, aufgenommen mit einem durchschnittlichen Smartphone: Völlig übertrieben, hier jetzt nächtelang die einzelnen Windstörungen im Mikrofon (grün, hundertfach sich wiederholend) vom Wellenrauschen (blau) trennen zu wollen. Vermutlich bekäme man eher das gewünschte Nutzsignal – Wellen- und Wasserrauschen – weggerechnet …

Langer Rede kurzer Sinn: Mit den In-Ear-Mikrofonen bekommt man tolle Sounds hin, aber was auch immer man benutzt: es geht kein Weg an einem Windschutz vorbei. Und sei es eine schnell übers Mikrofon oder Smartphone gezogene Socke.

Nach einiger Grübelei entwickelte ich eine weitere Idee für die smarten In-Ear-Mikrofone: Man müsste doch eine Art Kopfhörer bauen, nur als Windschutz … das Material dafür ist auf dem Weg zu mir für eine simple und eine etwas aufwändigere Idee mit mehr (gut!) oder etwas weniger Abstand zum Mikrofon.

Um dann festzustellen, dass Rycote sowas bereits für die Soundman-Mikrofone baut und über die gängigen Musiker-Onlineshops anbietet. [Emoticon: flache Hand vor die Stirn schlagend …] Kann dann ja wohl nicht so abwegig sein; mehr dazu hier als Nachtrag nach erfolgter Bastel- und Erprobungsrunde!


Disclaimer: Boot gechartert bei Mike Peuker, zusätzliche Aufnahmen und Tests bei www.segeln.ruhr, kreative Diskussionen mit den Jungs von www.soundandrecording.de und www.kameramann.de in den Nebenbüros, Sennheiser Ambeo für ein anderes Thema geliehen bei Sennheiser.

Und an alle SEO-Freaks, die jetzt mit Blick auf das Material hier jammern „Das macht doch so alles keinen Sinn!“: Segeln macht auch gar keinen Sinn!

Folkeboottreffen Arnis

FolkebootDetlef Hoepfner

Muss man sich um jemanden, der mit seinem Boot spricht, ernsthaft Sorgen machen? Mit dieser Facebook-Diskussion im Kopf (und das auch noch ohne eigenes Boot) beim Folkeboottreffen Ende Mai 2018 in Arnis angekommen , ging es nach kurzer Einweisung durch die Organisatoren Mike Peuker und Nicolas Thon sowie einer Seekarten-Skizze auf einer sicherlich vom BSH zertifizierten Pappe raus aus dem Hafen der WSG Arnis in Richtung Arniser Breite. An Bootsgespräche war bei mir schon deshalb nicht zu denken, weil gleichzeitig Außenborder des von mir gemieteten Begleitkahns, Fotokamera für ein paar Bilder plus (als Ortsunkundiger) ein gelegentlicher Blick auf die Karte synchronisiert werden wollten. Auf einem – bevorzugt aus Holz gefertigten– Folkeboot zu sitzen ist sicher das anzustrebende Optimum, aber auch so war es ein tolles Erlebnis, sich zwischen den heranrauschenden Folkebooten – einige davon geführt von Vätern samt ihres sehr jungen Nachwuchses – zu positionieren.

Beim abendlichen Ausklang traf man sich dann an Land wieder und ich habe genossen, mit vielen sehr netten Seglerinnen und Seglern sprechen zu können: Einer begeisterten „Mitseglerin“, die den Charme eines Folkebootes den üppigeren Wohnangeboten mancher „schwimmender Caravans“ vorzieht, dem Kameratechniker aus Hamburg, dem jungen Segler, der 2017 spektakulär unterwegs den Kiel verlor und – noch immer staunend – von der hilfsbereiten dänisch-deutschen Rettungsaktion berichtete, dem Segler vom mir benachbarten Baldeneysee, der uns vorzüglich begrillte oder einem Folkeboot-Besitzer, der einhand angesegelt kam – und bei dem sich herausstellte, dass auch er fast direkter Nachbar von mir zu Hause ist.

Erst auf dem Weg zurück nach Hause, dachte ich dann weiter über den direkten Dialog mit den Booten nach – mancher findet es ja fast eher besorgniserregend, wenn man nicht mit ihnen redet:

Sagen wir mal so– ich gebe zu, man könnte dem Thema hier zumindest auch das Tag „Soul“ vergeben!

Immersive Sound – auch wieder nur Quadro?

Soundscape-DemohalleDetlef Hoepfner

Immersive Sound, 3D-Sound, Surround Sound, Wellenfeldsynthese … die professionelle Audiotechnik nimmt einen neuen Anlauf, mehrkanalige Wiedergabesysteme zu etablieren. Meiner – zugegeben – ersten Skepsis (die persönliche Surround-Intstallations-Begeisterung ist nach einem letzten Aufbäumen mit dem Verlegen von Kabelkanälen im neuen Estrich komplett eingeschlafen, ich höre jetzt zu Hause mono …) folgte dann doch 2017/2018 einige Aha-Effekte: Sicher, den Herstellern liegt am Herzen, angesichts der übermächtigen Dominanz visueller Event-Technik nicht ganz ins Abseits zu geraten. Womit weniger die gesellschaftliche Anerkennung, als vielmehr die Technik-Budgets gemeint sind. Und die Musik wird weiter vor dem Mikrofon gemacht, wie man hier in unserem Bericht „Ich mische 1.0“ zum Sound der Rolling Stones nachlesen kann.

Aber die aktuellen Workflows, mit denen sich auch komplexere Lautsprecher-Konstellationen super planen, umsetzen und steuern lassen – und die im „Vollausbau“ auch eine richtig fette Surround-Installation einfacher beherrschbar machen – sind auch geeignete Tools, sozusagen „Vorstufen“ eines Immersive-Sounds zu realisieren: Mit nur wenigen Quellen mehr an der Bühne gelingt beispielsweise  das Sound-Image schon drastisch besser, auch ganz ohne Hubschrauber-Herumflatterei.

In den letzten Monaten hatte ich etliche gute Gelegenheiten, mich darüber mit Experten auszutauschen, Meinungen und Tipps einzufangen, und natürlich etliche Beispielaufbauen zu hören. Diese aktuellen Trends und Tipps habe ich hier bei Production Partner zusammengefasst.

Design contra R&D?

Interview mit Ben und Kai zum Lautsprecher-DesignDetlef Hoepfner

Form follows function … gilt das ebenfalls für einen Design-Lautsprecher, der in anspruchsvollen Umgebungen eine gute Figur abgeben, aber auch verständlich und gut klingen soll? Entwicklungsleiter Ben Lampert und Designer Kai Jentsch von der Adam Hall Group diskutierten mit mir an Hand eines Säulenlautsprechers, wie sie den Entwicklungsprozess des Linienstrahlers abstimmten und begleiteten!

Rote Kisten an der A1

Detlef Hoepfner

Schon mal die großen roten Kisten an der A1 gesehen, am Rasthof bei Lohne? Das ist ein ehemaliger Pavillon der Expo 2000, umgebaut zum Firmensitz der pan-pro GmbH, bei der es alles vom Digitalmischpult bis zum maßgefertigten Bühnenvorhang gibt. Also ein Paradies (direkt nach einer Bootswerft, jedenfalls).

pan-pro hat auch 2018 wieder unser Kommunikations-Know-how genutzt, um auf die eigene „Hausmesse“ aufmerksam zu machen; entstanden ist dabei auch mein kurzes Video.

Wenn man bedenkt, dass viele ähnliche Veranstaltungen froh sind, 50 Leute zu ziehen, kann man pan-pro zu fast 300 Besuchern bei den PRO DAYS sicher gratulieren!

Weitere Infos zum Event hier bei PRODUCTION PARTNER.

Segelfoto „making of“

Herbst-AbenteuersegelnDetlef Hoepfner

Spielt sich das wahre Erleben vor oder hinter der Kamera ab – ich bin mir da nicht immer sicher: Was nicht den Weg durch meine Kameralinse fand, empfinde ich als gar nicht richtig erlebt – oder verankerte sich das Abenteuer tiefer, wenn ich mal die Knipse weglegen würde?

In unserer Jugendabteilung des SVWK (www.segeln.ruhr) wird daher jedenfalls viel fotografiert, und spätestens zum Jahresende stürzen sich auch alle Kinder begeistert auf die gemeinsam erarbeiteten Fotoergebnisse. Eins der Fotos hat es in die 2018-Endauscheidung des Verbandes SVNRW geschafft, und damit in die Segler Zeitung und auf die Messe boot.

Story zum Wettbewerb in der Segler Zeitung
Präsentation der Nominierungen auf der boot 2018

 

 

 

 

 

 

 

 

Die Kinder sind stolz wie Bolle! Und auf Facebook & Co gab es dazu eine Menge Traffic.

Daher hier mein „Segelfoto making of“!

Abenteuersegeln in der Dämmerung: wo man selbst noch gut sieht, ist für die Kamera längst Schicht – Nikon D750, 30 mm, 1/125 s, f 4,5 und ISO 12.800

1. How to: So ein Bild braucht 1/25 Sekunde. Plus ein paar Jahre.

„Ist Fotografie Kunst?“ fragte man sich in deren Anfangszeit. wenn wr uns darauf einigen, dass Kunst nicht nur von „Können“ (s. u.), sondern auch von „Künden“ abgeleitet werden kann, bedeutet dies: Um etwas erzählen zu können, muss man es erst erlebt haben. Ein Bild wie unser Beitrag zum SVNRW Fotowettbewerb (und sicher viele der anderen Motive ebenso) wird daher nur möglich, wenn man selbst ins Thema eintaucht. Wenn man mitsegelt, mitstaunt, mitfriert.  Dass man sich wie alle anderen die Finger klemmt, nasse Füße holt, gemeinsam die Hände am Teebecher wärmt – das wunderbare Erleben ganz besonderer Momente teilt. Dazu eine gemeinsame Beziehung baut und lebt, und nicht als knipsend-polternder Fremdkörper im Wege steht. Nach ein paar Jahren – schon hat man den Dreh raus. Daher gilt auch: Die Fotos (hier größtenteils aussortiert, weil unsere Kinderfotos nix im WWW zu suchen haben) dienen nicht dem Fotografen-Ego, sie sind lediglich ein „Nebenprodukt“ unseres Segelvergnügens, und verlängern dieses ein wenig in die Zeit, während der wir an Land verbannt sind.

Segeln dürfen wir auf dem Kemnader See** nur bis Mitte November.** Aber warum im November noch aufs Wasser? Im Winter dürfen wir nicht, im Sommer dagegen wächst uns der See zu. Bleiben die Zeitfester dazwischen. Seitdem wir endlich die Sicherheit auf dem Wasser vernünftig gewährleisten können,*** dehnen wir also die Segelzeit aus, so weit es geht. Natürlich bei vertretbaren Sichtverhältnissen spätnachmittags, die Fotos sehen viel dunkler aus, als die Umgebung für das menschliche Auge tatsächlich ist. Überreden muss man dazu niemanden: Schlechtes Wetter finden die Kinder, wenn kein Wind ist. Nach einem ersten Versuch vor ein paar Jahren, bei dem dann tatsächlich hinterher im Taschenlampenlicht der letzte Kram in die Schapps verpackt wurde, erlebten wir im Folgejahr eine Überraschung: Kaum begann die dämmrige Segelzeit, standen die Kinder unaufgefordert mit der Stirnlampe auf der Mütze und warm angezogen am Steg parat. An die Affenschaukel kam noch eine LED-Campingleuchte, und auch auf dem Optisteg (na gut, er ist eigentlich eh beleuchtet) wurde eine Lampe postiert – „damit wir zurück in den Hafen finden“. Wer einigermaßen gut am Sicherungsboot auf dem See anlegt, verdient sich ein paar Kekse, eine Tasse warmen Tees gibt es sowieso über die Bordwand gereicht. Was ganz neue Herausforderungen in den Optis schafft: „Moment, ich muss erst den Tee aus dem Boot lenzen, hier schwimmt gerade alles …“

Außenborder aufstoppen, dennoch Kurs halten, dann schnell wieder aus dem Weg Nikon D750, 120 mm, 1/125 s, F 4,5 und ISO 8000

2.  Welche Kamera gewinnt auf dem Wasser?

Beim Scrollen durch meine Bibliothek kann ich oft nicht mehr spontan sagen: Smartphone oder Spiegelreflex? Aber bestimmte Fotos lassen sich nur mit der einen oder anderen Kamera (einigermaßen gut) erzielen. Und die absolute Bildqualität macht ebenfalls einen Unterschied: Bedingt durch meine etwas unorthodoxe Lesestrategie des Magazins „Yacht“ (und bedingt durch deren für mich viel zu hohe Schlagzahl) kann es vorkommen, dass ich nacheinander eine Ausgabe von 2014 oder älter und dann eine aktuelle 2018er durchblättere und genieße. Der Unterschied in der Bildqualität, bedingt durch den technischen Kamerafortschritt, ist gewaltig!

Das Smartphone ist jedenfalls immer dabei, bei mir meist in einer wasserfesten Hülle. Dadurch ermöglicht es ganz oft Bilder, die sonst nicht möglich wären. Denn am wichtigsten ist Tipp Nr. 1 – mit ganzem Einsatz regelmäßig dabei sein.

Jahrelang war als Spiegelreflex eine robuste Nikon D300 mein Begleiter, zusätzlich gummiarmiert. Ersetzt wurde sie 2017 durch eine Nikon D750. Mit einem einzigen Objektiv (24-120mm), denn wer will auf dem Wasser auch noch Objektive wechseln? Die 24 mm sind machmal noch fast zu viel (nicht „weit“ genug), wenn Kinder und Boote auf Armlänge bei mir anlegen. Die 120mm helfen, wenn sie mit einer frischen Brise davonzischen. Diese Brennweitenwahl ist mit dem Smartphone nicht möglich, auch nicht die Qualität bei den wechselnden Lichtverhältnissen. Erst recht nicht, wenn die Sonne direkt auf die Schutzscheibe der Smartphone-Hülle brennt.

Eine vernünftige Armierung für die D750 habe ich noch nicht gefunden, stattdessen liegt ein knallgelbes Peli-Case im Boot: Ganz ohne Innenausstattung: Case-Schloss auf, fotografieren, Kamera wieder reinwerfen, Deckel mit dem Fuß zutreten. Bisher ist es gut gegangen, und den gelben Kasten hat man auch immer gut im Augenwinkel. Das Objektiv schützt zudem ein UV-Filter gegen Beschädigungen, der Deckel hingegen führt ein reiselustiges Eigenleben und wird mir von verschiedenen orten immer wieder zurückgebracht: „Der ist doch sicher von dir …?“ Den Kameragurt habe ich an die D750 erst gar nicht dranmontiert, der verheddert sich eh nur überall oder verklemmt beim Schließen unterm Case-Deckel.

Das eigene Sicherungsboot dreht, der Segler ebenfalls – längere Belichtungszeiten funktionieren nicht Nikon D750, f 120 mm, 1/160 s, f 4,5 und ISO 12.800

2. Mit der Kamera vertraut machen

Auch die D750 wandert hier oft durch Kinderhände. Hat man sich als Besitzer an den leicht erhöhten Adrenalinpegel gewöhnt, entstehen oft ganz unverhoffte Motive: Einige der schönsten Bilder stammen nicht von mir, sondern den Kindern aus ihrer eigenen Perspektive. Was aber eine Hürde ist: Sie sind vom Smartphone gewohnt, dass die Kamera alles alleine macht. Überhaupt durch den Sucher zu sehen (wodurch man auf dem Wasser optimale Kontrolle hat, statt auf dem Screen nur den Himmels zu spiegeln) ist für sie eine Herausforderung. Zumal  eine Vollformat-DSLR ein völlig anderes (anspruchsvolleres) Schärfeverhalten hat: Leicht vorbei ist hier dann voll daneben. Hier hilft nur: Fotografieren, fotografieren, fotografieren, bis man die Bedienung wie im Schlaf beherrscht. Und am wichtigsten ist Tipp Nr. 1.

Ausrechend Licht vorausgesetzt, klappt auch ein Smartphone – iPhone 6s, 1/390 s, f 2,2 bei ISO 25 und -1 EV

3. Einstellungen: Segelfoto-Parameter

Am einfachsten wäre ja ein Nikon-Segelfoto-Gewinner-Preset. Reindrehen, fertig. Aber ich benutze nicht einmal die Standards, von den Spezialprogrammen ganz abgesehen. Denn soll ich jetzt ernsthaft auswendig lernen, welches Programm in welcher Situation was macht? Für mich gehören die in solchen Kameras aus der Firmware gelöscht, den Speicher kann man sicher anders besser nutzen. Wenn ich schnell ein cooles Instagram-Foto möchte, nehme ich eh das Smartphone und bin in drei Klicks fertig.

Die D750 läuft bei mir nur noch im manuellen Modus, Ausnahme ISO: Ich wähle Blende/Zeit, ISO passt sich dann an. Anpassung dann ggf. durch die Belichtungskorrektur. Dadurch bin ich sicher, dass die Zeiten zum Motiv passen, und die Blende den gewünschten Bildeffekt gibt. Tendenziell geht es immer in Richtung kürzerer Zeiten, ich bin da oft zu „langsam“ und unterschätze noch immer, wie sehr man sich selbst und das Motiv bewegt, Stabilisation im Objektiv hin oder her. Wenn es arg hektisch ist, macht auch eine mehr als 5,6 geschlossene Blende Sinn, um etwas mehr Headroom in der Schärfe zu haben. Das, nebenbei, macht für mich ein wenig die Vorteile eines Vollformatsensors zunichte, der bedingt durch die Geometrie von Sensor/Objektiv zu einer deutlich verringerten Schärfezone führt. Wenn man etwas Ruhe hat, öffnet dieses Schärfeverhalten zwar tolle Möglichkeiten der optischen Isolation von Motiven, aber probier das mal bei Lage auf der Jolle, womöglich noch mit einer Hand an der Pinne … Kurze Zeiten plus geschlossene Blenden führen dann leider oft zu höheren ISOs, als mir lieb ist.

Lieber extremer ISO als gar kein Bild – Nikon D750, 1/60 s, 30 mm, f 4,0 bei ISO 20.000 und – 1/3 EV

4. Fokus auf dem Wasser

In mindestens den ersten 15 Jahren meines Fotografierens musste ich ohne Autofokus auskommen, was jetzt auch nicht immer so ganz ideal war. In den letzten 25 Jahren versuche ich nun, den Autofokus zu bändigen, mit ebenfalls gemischten Ergebnissen. Continuous ist meist eine gute Wahl, aber die Herausforderung lautet: Wie bekomme ich das Messfeld schnell und perfekt aufs Motiv. Da man ja beschäftigt ist, wäre ein automatisches Tracking hilfreich, aber eigentlich sind die Situationen dafür immer zu chaotisch. Am Besten fahre ich mit einem einzelnen Messfeld. Entweder per Daumen immer schnell hin und her geschoben, oder einmal „gelockt“ und dann hoffend, dass es automatisch mitgezogen wird. Größter Nachteil an der D750 (wie auch der D300 und ganz vielen anderen Kameras): Die Messfelder lassen sich einfach nicht weit genug aus der Bildmitte seitlich verschieben. Das führt oft zu total unglücklichen Bildausschnitten (im Extremfall Anfängerfehler: Kopf genau in der Bildmitte, Beine und Füße abgeschnitten). Gelegentlich funktioniert auch eine vollautomatische Messfeldauswahl (besonders, wenn die Kamera in ungeübte Hände geht), aber zu oft springt der Fokus dann auf Objekte, die man zwecks Bildgestaltung im Frame haben, aber nicht scharf sehen will. Und wenn es nur ein Bändsel ist, das plötzlich in den Bildausschnitt flattert.

Man muss jetzt nicht zum totalen Pixel-Pedanten werden, aber: Ein perfekter Fokus lässt ein Foto richtig rocken.

Das ging wohl daneben mit dem Messfeld mit AF-C und 3D-Tracking … aber mit 5,96 m passte der Fokus dennoch so ungefähr

5. Motivgestaltung beim Segeln

Bin ich ein paar Tage mit einem kleineren Boot unterwegs, dann geht mir irgendwann – spätestens beim Durchsehen der Fotos – die eingeschränkte Sicht nach vorne auf den Keks. Auch wenn wir uns jetzt alle auf die Idee stürzen, sich für erweiterte Bildperspektiven ein wenig per Drohne von Bord zu entfernen: Dauernd glotzt man nach vorne nur auf den Niedergang! Plus die typischen Fußbilder. Schaut man dagegen in Richtung Horizont, besteht das Bild aus Wasser, Wasser – und weit hinten ist irgendwas. Da hilft ein wenig Geselligkeit (siehe wieder Tipp 1!), mit mehreren Booten bekommt man etwas mehr Tiefe ins Bild, und vor allem der einfache, alte Vordergrund/Hintergrund-Trick: Ein markantes Bootsdetail im Vordergrund, daneben das eigentlich Motiv weiter weg auf dem Wasser – schon bekommt man eine viel plastischere Räumlichkeit. Besonders gut mit einer Spiegelreflex, aber dran denken: Sichtbar auf der Datei ist der Eindruck, wenn man testweise die Abblendtaste drückt, der Sucher zeigt ja immer den Eindruck „Blende ganz offen“. Steht die Blende auf 16 oder mehr, tendiert das Bild wieder in Richtung „Smartphone-Look“.

Bei Schräglage und Seegang muss man Objekte im Sucher überhaupt erst mal sortiert bekommen, ohne dass einem die Winsch bei der nächsten Welle ins Objektiv (oder die Zähne) haut) – Nikon D750, 1/320 s, 120 mm, f 4,0 bei ISO 100

Sortieren, bearbeiten, wegwerfen!

„Deine Bilder waren wieder die besten“ – dem kann ich oft nur entgegnen: „Ehrlich gesagt habe ich einfach nur die vielen schlechten Dateien alle weggeworfen und euch lediglich die zehn schönsten Motive gezeigt.“ Dazu muss man aber eine Sortier-Strategie einführen – und dann am besten lebenslang durchhalten. Und sich einer Software bedienen, die ein Sichten und Sortieren unterstützt. Wer einzeln Bilder speichert, in Ordner legt, bearbeitet, die Versionen plus Variante _neu sowie _neu_neu_neu wieder woanders ablegt, hat in kürzester Zeit Chaos.

Fast jedes Bild profitiert von ein wenig Post-Processing: Den Horizont ein wenig richten, den Bildausschnitt optimieren – in drei Handgriffen  macht fast jedes Bild einen Sprung nach vorne und kommt mehr auf den Punkt. Farbtemperatur und Helligkeit sind besonders gut zu korrigieren, wenn man in einem Raw-Format fotografiert, das machen mittlerweile sogar viele Smartphone-Apps. Ein JPG kann nicht vernünftig korrigiert werden, Punkt, isso! Ein perfekt fotografiertes JPG ergibt zwar ein perfektes Bild – aber das setzt voraus, dass man alle Parameter vorm Auslösen perfekt gesetzt hat. Ich kann das nicht. Alternativlos ist realistisch betrachtet auch eine nondestruktive Bearbeitung, wie bei Lightroom oder iPhoto & Co: Die Kameradatei wird importiert und abgespeichert, aber nicht verändert, sondern nur mit den Bearbeitungsparametern überlagert. Im Ausschnitt vertan? Kein Problem, ist jederzeit rückgängig zu machen. Wenn man dagegen jedes Bild einzeln in Photoshop öffnet, ändert speichert, das nächste Bild …

Entweder ist man dann Fine-Arts-Künstler und verkauft die Motive ab 1000 Euro aufwärts, oder man hat mehr Spaß an Photoshop als am Fotografieren und den Bildern.

Aber eigentlich wollen wir ja – segeln!

Material von der wöchentlichen Segelrunde – da ist zügiges Sortieren angesagt

 

* Viel Trara um ein zu genehmigendes Sicherungsboot, dessen Kosten uns nun zu schaffen machen

** von Land aus gesehen ein Tümpel, von Bord eines Kinderboots aus erlebt nahezu ozeangleich!

*** Warum stinkende Motorboote und Ruderer dagegen ganzjährig unterwegs sind – das fragt bitte nicht uns

Beschallungs-Spurt mit Michael Häck durch die Lanxess-Arena

Michael HaeckDetlef Hoepfner

Zügig läuft Michael Häck den Rang hinauf. Als wir in dessen oberer Sitzreihe angelangt sind, bin ich doch ganz beruhigt, dass auch er ein wenig außer Atem ist. Michael ist hier, in der Lanxess-Arena (für mich eigentlich weiter: Köln-Arena), als Verantwortlicher für die Audiotechnik, praktisch zuhause. Offenbar zu jedem einzelnen Sitzplatz kann er eine Geschichte erzählen: Wie es hier früher klang, welche Maßnahmen in den letzten Jahren drumherum ergriffen wurden, welche Verbesserungen sich dadurch haben erreichen lassen. Dabei bleibt er nicht abstrakt-technisch: Offenbar ist für ihn die ganze Arena angefüllt mit Soundpartikeln, deren Wege er ständig vor Augen hat, wie sich in allen denkbaren Strahlen durch die Halle fliegen – und die er so zu lenken gedenkt, dass sie dem Besucher ein perfektes Erlebnis bescheren. Denn dafür hat dieser ein mehr oder weniger teures Ticket erworben.

Wenn Ihr Michael – und Euch – also einen besonderen Gefallen tun möchtet: Spurtet ebenfalls mit ihm die Ränge hoch, checkt mit ihm zusammen Euren Sound, lasst Euch auf eine optimierte Synergie von Tour- und Hallentechnik ein. Michaels Ziel: »Es sind natürlich die ganzen Normen zu erfüllen, aber danach steht an erster Stelle: Es muss klingen.«

Welche Vorarbeiten dazu Michael, TW-Audio, Biamp und Hallenmanagement geleistet haben (und welches Telefon klingelt, wenn sich die Zuschauer beschweren …), lest ihr in meinem Gespräch mit Michael Häck hier bei Production Partner.

Update vom 16. Mai 2018: Video mit Michael Häck

… und wir haben noch ein Video gedreht, das Ihr hier findet!

https://youtu.be/DWmW41trK2M
 

Ebner-Bootcamp

Detlef Hoepfner

Auf ins Ebner-Boot-Camp 2018 – und dafür soll ich vorher ein Video drehen. Dabei habe ich doch vor dem Jahreswechsel gelesen

  • Videos sind out
  • Influenzier sind out
  • Facebook ist out …

… und außerdem haben die angesagten YouTube-Werbeclips derzeit 6 Sekunden.

Das ist wenig Zeit für eine Story. Und daher viel Arbeit.

Daher schnell diese Website gebaut – und wenn ich Lust habe, blogge ich vom Camp.

 

Behringers Evergreen: X32

Behringer X32Detlef Hoepfner

Digitale Mischpulte – erst mißtrauisch beäugt, anfangs von einigen Kinderkrankheiten geplagt, dadurch von der analogen Audiowelt fahrlässig unterschätzt, heute absoluter Standard. Nicht nur in hochpreisigen Studios und A-Produktionen, sondern bis zu kleinsten Budget-Tournee. Nach Jahren der Orientierung und Konsolidierung ist der Markt gegenwärtig aufgeteilt: Player wie Yamaha, Harman, Stage Tec, Avid einerseits, Audiotonix mit den Marken Digico, Allen&Heath, SSL.

Und dann Behringer/Midas andererseits: Vermutlich mit den weltweit höchsten Stückzahlen, einer sehr hohen Marktdurchdringung, und einer über das Behringer X32 eingeführten Plattform, die in unzähligen Varianten ausgespielt wurde.

Das X32 habe ich ab der ersten Studie beobachten können, die Story dazu (und einen Test des Behringer X32) gibt es hier bei Production Partner.