Folkeboot-Segeltour „Schlei – Plan B“

Detlef und ArminDetlef Hoepfner

Nach zwei Jahren mit ein­er aus­ge­fal­l­enen Folke­boot-Tour und einem Törn von Testzen­trum zu Zah­narzt­prax­is 2022 endlich wieder eine ganze Woche auf dem Wass­er – beina­he: vor dem Vergnü­gen waren wieder ein paar Hür­den zu nehmen

Trööööööt …! Bin selb­st etwas erschrock­en, wie laut es über die Schlei nach einem kräfti­gen Lun­gen­zug in Rich­tung Camp­ing­platz schallt. Aber irgend­wann muss man dieses Mess­ing-Sig­nal­horn doch auch mal prak­tisch nutzen! Haaaaaa-loooooo-klaaaau­u­u­u­us?! Wir wis­sen nicht, ob unser Fre­und und Nach­bar sein Folke­boot „Panik“ pünk­tlich hier an die Schlei bekom­men hat. Am Steg, den wir auf unserem mehrstu­fi­gen Weg von Maasholm Rich­tung Schleswig passieren, sehen wir es nicht im Fer­n­glas. Auch der Camp­ing­platz scheint unbelebt. Wir haben den Platz schon halb passiert, da kommt seine Frau ans Ufer gelaufen. Jet­zt haben wir spon­tan gar nicht gecheckt, wie flach es da vorne ist. Aber mit ein paar Rufen und Arm­be­we­gun­gen ist auch über Ent­fer­nung klar: Die „Panik“ wird heute in Mis­sunde gekrant, zu Wass­er gelassen und der Mast gestellt. Da kom­men wir jet­zt eh vor­bei. Aber passt unser unvorherse­hbares Tim­ing zu den knap­pen Kran-Zeitslots?

Typ­is­che Schlei-Per­spek­tive, davor ist es flach – Kartenkonzentration …

Was ein Zufall! Dabei war vor ein paar Tagen noch gar nicht klar, ob wir über­haupt zu unser­er jährlichen Tour wür­den starten kön­nen. Eine Sor­gen bere­i­t­ende What­sApp „Kön­nen wir bitte tele­fonieren?“ ging schon vor zwei Jahren ein­mal zwis­chen uns hin und her. Damals hat­ten wir in gegen­seit­iger Abstim­mung beschlossen: Wir kön­nen dies­mal gar nicht los. 2022 nun eine ähn­liche Sit­u­a­tion. Aber wieder ist für uns klar: Wenn ein­er von uns in der Klemme ist, tra­gen wir nötige Entschei­dun­gen gemein­sam, gar keine Frage. Nach län­ger­er Krisen­sitzung per Videoschalte beschließen wir: Das Auto wird nicht wieder aus­gepackt, wir schaf­fen uns stattdessen unter­wegs aus­re­ichend Ausstiegs-Optio­nen. Und einen Plan B braucht man beim Segeln ja sowieso immer, min­destens. Vor allem, wenn die Lärche für den Boot­srumpf der dies­mal gechar­terten „Mumi“ schon 1968 auf die Eichenspan­ten gelegt wurde.

Ges­pan­nt sind wir dies­mal nicht nur auf diese gut sieben Meter Folke­boot, son­dern auch auf die Ver­char­ter­er Jean­nine und Sven Stein­bach. Ab dieser Sai­son führen sie die Pflege und Ver­mi­etung von Jacaran­da, Maj, Admi­ral Jacob und eben Mumi weit­er. Kon­takt und Über­gabe laufen super easy und sym­pa­thisch. Schnell haben wir das Gefühl: hier ist das Pro­jekt „Klas­sisch am Wind“ wieder in gute Hände weit­ergegeben. Mit Jacaran­da und Maj haben wir schon etliche Touren durch die „Dänis­che Süd­see“ gel­og­gt, auf Admi­ral Jacob immer­hin ein­mal über­nachtet und sind nun ges­pan­nt, wie „Mumi“ und wir uns miteinan­der anfreunden.

Her­aus­forderung Nr. 1 ist wie immer (nach­dem Armin sich endlich im Super­markt auf die richtige Sorte Kartof­feln geeinigt hat): Wie bekom­men wir mehrere Hand­kar­ren voller Klam­ot­ten und Lebens­mit­tel, zuvor von Armin schon nach unser­er Stan­dard-Cloud-Einkauf­s­liste eingekauft, in dieses Boot? Auto leer, aber Vordeck und Cock­pit kom­plett voll … Die „Maj“ hat­te noch Schwal­bennester über den bei­den Kojen. Hier stößt man sich zwar nicht den Kopf daran, aber es fehlt auch der Stau­raum für Zwiebeln, Brot, Nudeln, Kul­turbeu­tel, Kam­era, Navi-iPads, Ladegeräte … und und und. Also unter Deck erst mal Platz geschafft, Klapp­tisch oder Ret­tungsin­sel haben wir eh nicht vor zu nutzen, also alles in die Eck­en damit. Dann die ganzen Boden­bret­ter lock­ern und inspizieren, wo man was in der immer etwas nassen Bilge unter­brin­gen kön­nte. Gut ver­pack­te Lebens­mit­tel nach unten, den Käse lieber nach oben. Hält sich hier etwas küh­ler, weg­fut­tern sollte man ihn den­noch schnell. Sog­ar eine kleine Kühlbox würde man hier vielle­icht unter­bekom­men. Richtig am Vor­luk platziert, kommt man an manche Kisten später sog­ar bequem vom Vordeck aus. Wenn man nicht vorher vergessen hat, im engen Bug den Schnap­pver­schluss zu öffnen …

Kompass
Detlef Hoepfn­er

Hör auf zu heulen

Die erste kurze Nacht und den Ein­räum­tag liegen wir noch in Maasholm. Um Werft und durch die vorge­lagerten Yacht­en heult der Wind, die Flaggen zer­ren mächtig an ihren Leinen. Nicht der Sound, den man nach anstren­gen­den Arbeitswochen, Anreise und unklar­er Wochen­per­spek­tive hören will. Wir check­en die Wet­ter­mod­elle ECMWF und ICON. Schauen von der vorge­lagerten Hafen­spitze zu, wie andere Boote kleine Testrun­den vor Maasholm drehen und wie sich die von Kap­peln kom­menden Boote schla­gen. In Schleimünde wären wir bei dem Wind easy. Aber da fahren am Woch­enende alle hin, das sparen wir uns. Und die näch­sten Ziele via Ost­see liegen danach zu ent­fer­nt, zumal bei unser­er Pla­nungs-Unsicher­heit. Abends spät hält sich der Wind an die Vorher­sagen, wird etwas ruhiger. Ich habe auch schon nach nur einem Tag genug vom Schnack der „Hafen-Dauer­cam­per“ und wir müssen auch unser­er Psy­che zuliebe los. Kurz vor Jahresmitte ist es nun — zumal hier im Nor­den — eh ewig lange hell. Nächst erre­ich­bar liegt Kap­peln, da hät­ten wir auch bei Wet­ter­ver­schlechterung etwas zu tun. Der nun zwar angenehmere Wind ste­ht auf der Strecke jedoch genau gege­nan.
Jet­zt sind wir nicht für Angst vorm Kreuzen bekan­nt und so bere­its den kom­plet­ten Als-Sund hoch. Aber wir entschei­den uns für eine Kom­bi: Die Segel wer­den gegen 19.00 Uhr angeschla­gen und los gehts. Prompt fällt uns nach dem Able­gen auf, dass wir in den Schnüren doch noch was überkreuz haben. Also ein guter Test. Das ist die Her­aus­forderung Char­ter-Segeln: Mit dem eige­nen Boot ist man ewig ver­traut, was einem nicht gefällt, baut man um. Aber selb­st diese vier fast gle­ichen Folke­boote haben doch hier und da ihre kleinen Unter­schiede, und so ist man als Char­ter­er beson­ders gefordert, sich schnell zu adaptieren. 

Nach ein paar Wen­den geht der Kurs nach Nord­west, die Segel bei­de wieder runter und wir sind total begeis­tert von diesem 4‑PS-Außen­bor­der: Der Vier­tak­ter läuft ruhig und leise, springt immer verzögerungs­frei an, stinkt weniger und braucht kaum Sprit. Mehr kann man von der Prob­lem­stelle Nr. 1 eines Segel­bootes nicht ver­lan­gen. Einzig der Kraft­stoff­schlauch klemmt gerne mal an der Motorhal­terung, zum Manövri­eren mag man den Außen­bor­der ja gerne auch mal kom­plett um 90°quer stellen. Mit einem langsamen Seit­en­im­puls dreht man den Langkiel­er so gut. Am besten gefällt uns fast die lustige Beschilderung „Hase“ und „Schild­kröte“ am Gasgriff.

Gashebel
Detlef Hoepfn­er Ganz wichtiger Hin­weis für uns Segler

Die let­zte Brück­enöff­nung in Kap­peln ist abends kurz vor zehn, das schaf­fen wir lock­er. Beim ASC find­en wir einen schö­nen Platz mit dem Bug zur Schlei und Heck in die Abend­sonne. Dabei etwas weg vom Landleben und der den Muse­umshafen über­ra­gen­den Milch­fab­rik, deren Vorbe­sitzer bis 2019 dem Prom­e­naden­weg seinen Namen gab.

Hier gön­nen wir uns einen Tag drin­gend nötiger Ruhe. Wir dür­fen gelassen­er abwarten, wie sich daheim unsere Lagen entwick­eln und wären schnell zurück. Die Stadt lädt zum Bum­meln ein, das Hafen-Restau­rant ist mega (bester Veg­gie-Burg­er vonne Welt), die Muse­umss­chiffe lock­en gle­ich nebe­nan und wir liegen sich­er und ruhig. Einzig auf solche schlicht­en Wan­der­segler wie uns ist man hier nicht unbe­d­ingt opti­mal eingestellt. Und wir ler­nen: Für eine Mit­glied­schaft (zu unge­nan­nten Kosten) bräucht­en wir hier zwei Bür­gen — das bekom­men wir aber schnell hin, zählen wir uns bei­de an Bord kurz durch 🙂

Richtig raus aus der Schlei wer­den wir diese Woche nicht kom­men, das wird uns bei­den langsam klar. Unser Ziel Aver­nakø aber von unsere To-do-Liste kön­nen wir vergessen. Armin: „Durch Plan B stand fest, es gibt nur einen Weg: Schlei rauf und anschließend wieder abwärts, soweit wir wollen. Also alles entspan­nt.“
Sesshaft wollen wir hier in diesem Hafen nun jedoch auch nicht wer­den. Dagen spricht am näch­sten Tag in ger­adezu lehrbuch­mäßiges auftür­men von Gewit­ter­wolken über der Stadt. Flankiert wer­den sie von dun­klen Fron­ten am Hor­i­zont. Wir check­en das Wolken­radar, schauen in den Him­mel, prüfen Den Wet­ter­bericht und ergreifen eine Gele­gen­heit, die uns gün­stig scheint. Unter Motor wenig­stens schnell rüber nach Arnis, in Bewe­gung zu sein, und sei es nur so kurz, tut uns gut. Aber die Idee, der Front auszuwe­ichen, haut nicht ganz hin: auf dem Weg holt sie uns langsam ein und duscht ein­mal das Salz Wass­er von uns und dem Boot. Angekom­men in Arnis begrüßt uns dafür Son­nen­schein. dazu noch der beste Hafen­meis­ter weit und bre­it, der seinem Namen gerecht wird. Da fehlen nur noch Annette und Hildor, die uns hier im let­zten Jahr von Land aus sup­port­et haben.

Ein Rundgang um die Hal­binsel durch die Gärten und Werft­gelände oder ein Flammkuchen in der Schleiper­le sind alle­mal einen Nach­mit­tag wert. direkt vor unseren Augen wird sog­ar ein kom­plettes Kümo ger­ade frisch geslippt.

Erdbeeren bunkern

Folkeboot vor Brücke
Jörg Lubs Unser Holz­boot vor viel altem Stahl

Next Stop Lin­dau­nis — übri­gens aus­ge­sprochen „Lin­dau-Nis“ wie mich meine nord­deutsche Fam­i­lie überzeugt. Let­ztes Jahr war hier für uns End­sta­tion. Die skurille Brücke ist allein einen Besuch wert, aber — wenn wieder mal verklemmt — für hohe Mas­ten nicht passier­bar. Wir sind mit den Infos der die beein­druck­ende Baustelle ver­ant­wor­tenden Bahn opti­mal ver­sorgt, müssen uns bei der Ans­teuerung der Mari­na direkt vor den gigan­tis­chen Baustellen-Pon­tons nur noch für einen Liege­platz entschei­den: eher Ost­seite mit Blick zurück in die Schlei oder gegenüber Rich­tung Brücke? Armin plädiert kurzfristig für die zweite Lösung und wir machen dort fest. Kurz danach geste­ht er, warum: ihn lock­te ein beson­ders kurz­er Weg zu den etwas ent­fer­nt liegen­den San­itäran­la­gen. Unser Video vom zugegeben­er­maßen idyl­lis­chen Lauf bis zum Aus­gang wurde dann zum Lach­er in unserem Vere­in: Lange Schlangen­lin­ien lief man von hier zum in Wirk­lichkeit max­i­mal weit ent­fer­n­ten Tor. Nur ganze zwei Boote in der gesamten Mari­na hat­ten einen noch weit­eren Weg zum Klo. Aber gutes Tim­ing ist beim Segeln ja essentiell.

Bedrohlich nur mein gefährlich zur Neige gehende Vor­rat an frischen Erd­beeren. Also ein­mal Ziel Obsthof und zu Fuß über die alte Brücke. Das ist schon ein Aben­teuer für sich. Zwis­chen Schienen und Gerüsten klet­tert man — oft mit Blick auf das Wass­er unter einem — über Bleche und und Bret­ter mit lose rum­liegen­den Nägeln. wirk­lich eine die Fan­tasie anre­gende Kon­struk­tion.
Abends lässt der Baulärm nach, der uns über­raschend wenig stört. Vielle­icht liegt es an der faszinieren­den Kom­bi­na­tion von alter und entste­hen­der neuer Brücke, für die sich riesige Bohrköpfe in den Boden drehen. Die selt­samen Seeze­ichen zwis­chen den Maschi­nen geben zusät­zliche Rät­sel auf. Man hat sie zulet­zt in der Segelschein-Prü­fung gesehen. 

Wellengluck­ern an dem gestuften Holzrumpf

Im schwinden­den Licht des Abends lässt sich noch ein Seeadler von ein­er Möwe attack­ieren und schwingt sich majestätisch davon. Jet­zt spürt man nur noch eine leichte, kalte Brise, die sich in Wellen durch das Schilf schwingt, das uns vom Ufer tren­nt. Dazu mis­cht sich das brutzeln und Knis­tern auf unserem Gaskocher. Deswe­gen sind wir unter­wegs. Nachts ein Gek­limper, wenn die let­zen Schlei­wellchen unseren gek­link­erten Rumpf erre­ichen. Jed­er Kon­takt eine leicht rhyth­mis­che Melodie mit zufäl­li­gen Ton­höhen — das alles in näch­ster Nähe drei­di­men­sion­al um den eige­nen Schlaf­sack herum. Schön­er kann man nicht liegen.

Folkeboot im Schilf
Jörg Lubs Idyl­lisch-kurviger Schleiver­lauf vor Mis­sunde, Armin an der Pinne
Brücke Lindaunis
Detlef Hoepfn­er Vorm Öff­nen rät­selt man kurz, wo genau hier die Durch­fahrt gelingt

Nicht ganz dicht – Sorgen auf der „Panik“

Ros­tige Stahlträger gleit­en am näch­sten Tag beim Passieren der hochgewuchteten Lin­dau­nis-Brücke über unseren hölz­er­nen Mast. Die Pas­sage ist tat­säch­lich so schmal, wie sie von weit­em zwis­chen den vie­len neuen Spund­wän­den für kün­ftige Fun­da­mente schon erschien. Der grobe Kurs ist durch den Fjord­ver­lauf ja vorgegeben. Aber so richtig lockt uns noch kein Ziel. Die Enge bei Mis­sunde ist immer­hin eine lustige Kurverei, die wer­den wir uns heute gön­nen. Und wir wis­sen ja nun, wo vielle­icht Klaus und seine Panik aufzufind­en sind. Die Kurverei aber ist nicht nur Spaß, son­dern auch von Wind mit ca. 0 bis 0,1 Bft geprägt. Aus wech­sel­nden Rich­tun­gen. Trotz Gewicht­strimm und allen unseren Bin­nensegler­tricks geht es nur in Super-Slo­Mo weit­er. Da wis­sen wir noch nicht, dass dies der Wet­ter­gott für unser Tim­ing für ein Tre­f­fen mit der „Panik“ steuert. Wir haben sog­ar etwas Mühe, mit der net­ten Crew des Folke­bootes Salty die Schlei-Seit­en zu wech­seln, um uns dichter an die Mari­na zu hal­ten. (Dank an Jörg und Jan­nik für Eure Fotos!) Als sich unser Bug endlich vor den Kran schiebt, taucht langsam das Heck der Panik auf. Her­aus schiesst ein hek­tis­ch­er Wasserstrahl.

Boot unter dem Kran
Detlef Hoepfn­er Klaus hat ger­ade gekrant, als wir passieren – und muss extrem viel pumpen

Also nun wieder tief Luft holen und … tröt! Armin lacht sich halb kaputt über meinen verunglück­ten Sig­nal­stoß. Aber Klaus fällt uns ja son­st vor Schreck aus dem Boot mit dem Pump­schwen­gel in der Hand, wenn wir ihn so erschreck­en. Und wir sehen gle­ich: das ist da drüben doch ger­ade ein zu nass­es Vergnügem. Freudig-angestrengt gestikuliert und ruft Klaus zu uns rüber: „Na ihr habt es gut! Euer Boot ist dicht!“ Das Wass­er ste­ht ihm zwar nicht zum Hals, aber er bekommt im Boot doch ziem­lich nasse Füße. Das hat man selb­st bei einem Folke­boot auf Dauer nicht so gern. Was dann später hören: Sein ehre­namtlich­es Flüchtlingsen­gage­ment hat alle Boot­sar­beit­en daheim verzögert. Der Holzrumpf stand auch viel zu lange trock­en. Nun kämpft er mit einem kräfti­gen Wassere­in­bruch, über den auch noch die Pumpe kol­la­biert. Nach unserem kurzen Schnack und Weit­er­fahrt legt auch er mit Voll­gas ab, bei unserem Aussen­bor­der hätte dies wohl der Gashebel­stel­lung „Hase mit angelegten Ohren im Tief­flug“ entsprochen. Was ist let­ztlich die beste Lenzpumpe? „Ein erschrock­en­er See­mann mit einem großen Eimer.“ Auf eine kleine Sand­bank vor seinem Liege­platz geset­zt, ließ sich dann in Ruhe am ver­ankerten Boot weiterarbeiten.

Wir haben uns zwis­chen­zeitlich für das Ziel Flecke­by entsch­ieden, denn Schleswig lockt uns nicht so sehr. Vorher drehen wir eine kleine Runde vor dem Schloss Louisen­lund, wir scheinen dort aber nicht erwartet zu wer­den. Unser Ziel im Fer­n­glas ist der Yachthafen Flecke­by, denn der östlich direkt daneben liegende WSF scheint uns etwas selt­sam auf der Seekarte: die Stege sind von unzugänglichen Pon­tons umgeben, wir wer­den nicht so richtig schlau daraus.

Die Schlei mit all der Natur drumherum: Felder, Wälder, Wiesen, Knicks, Fis­chadler, Rehe auf Trep­pen – und dann all die ganzen Kuck­ucks 😀 …Zusam­men mit dem Folke­boot durch die Natur zu reisen, es ein­fach so genießen zu kön­nen – super schöne Zeit!

Armin Pech

Für unsere Rollen an Bord entwick­eln sich über die Jahre gewisse Vor­lieben. Die ver­suchen wir daher immer wieder ein wenig aufzubrechen, damit wir bei­de in allen Auf­gaben geübt bleiben. Aber jet­zt hantiere ich mit Pinne und Motor zwis­chen den Beinen und bin dankbar, dass Armin einen Blick auf die Karte wirft: „Das Fahrwass­er da vorne hast du gese­hen, oder?“ Ähm ja … natür­lich

In der Schlei kön­nen ne Menge “Dinge“ im Weg sein

Nun kor­rekt eingeschwenkt ent­deckt er auch gle­ich noch einen gut ans­teuer­baren Platz hin­ter den Pon­tons, die wir ursprünglich mei­den woll­ten. Kurz entschlossen lan­den wir so doch im WSF — eine der besten Entschei­dun­gen der Woche. Schon beim Anle­gen ste­ht jemand geduldig am Steg, bis wir uns entsch­ieden (und zwei Ton­nen Langkiel­er sich passend platziert) haben. Unsere Heck­leinen (hal­lo Sven 😉 ) erweisen sich wieder so eben zu kurz, es sei denn, ich wollte die ganze Nacht mit ihren Enden in den Hän­den auf dem Heck ste­hen bleiben. Also alles retour, gemein­sam wird eine passendere Box gefun­den und dort hin ver­holt.
Um uns wuseln dabei die üblichen Graubärte. Aber auch viele Kinder und Jugendliche flitzen über die Stege, und das nicht nur fein ausstaffiert für den Yachtie-Aus­flug. Was für ein angenehmer Unter­schied zu manch ein­för­miger Hafen­struk­tur. Wir fühlen uns super wohl. Ein paar Ein­heimis­che drehen ihre Segel­run­den in den sen­sa­tionellen Son­nenun­ter­gang. Far­big leuchtet er über der sich hier bre­it in Rich­tung Sonne aus­bre­i­t­en­den Schlei. Danach sind wir offen­bar allein im Hafen und genießen die Stille.
Gegen die Kälte hil­ft unser „Bern­steinz­im­mer“, wie Armin mir immer wieder den Stoff gewor­de­nen geschmack­lichen Tief­punkt aller bekan­nter Segel­macherkun­st schmack­haft zu machen ver­sucht. Da friere ich doch lieber, als in der Nähe so eines das Boot verun­stal­tenden Zeltes gese­hen zu wer­den! Aber auch meinen Vorschlag, dann doch wenig­stens die Auf- und Abbauerei zu sparen, indem wir kon­se­quent mit geset­ztem Zelt segeln, stösst im Team auf Ablehnung.

Klaus hat uns schon mit seinem magis­chen Feld­stech­er erah­nt, als wir auf dem Rück­weg wieder die Insel Kieholm ans­teuern. Wir leg­en kurz bei ihm an, erfahren die neuesten Entwick­lun­gen bei sein­er Boots- und Pumpen­reparatur an seinem Folke­boot und machen uns auf den Weg, die näch­ste Brück­enöff­nung in Lin­dau­nis zu erwis­chen. Wir erre­ichen sie sog­ar ver­früht und nutzen die Zeit für einige Segelschläge hin und her. Wie offen­bar sowieso eigentlich — ohne das nun zu sehr zu verk­lären — vor allem die Folke­boote auf der Schlei zu segeln scheinen. Andere nutzen sie eher als schnell zu über­windende Tran­sit­strecke in Rich­tung Ost­see, auf der es vor allem die zwei Klapp­brück­en opti­mal zu timen gilt.


Plan B – aber richtig

Pött-pött-Pött — der Motor des wertvollen Old­timer-Flugzeugs geht mehrfach an und aus, bevor es in einem Feld eine etwas sub­op­ti­male Bruch­landung hin­legt. Das Video, in dem ein erfahren­er Profip­i­lot seine Fehler analysiert, hat mich sehr beschäftigt. Nun, als Armins Arme und ein Heckp­fahl unseren Bug vor Kon­takt mit dem vor uns liegen­den Boot bewahren, kommt mir dessen Ker­naus­sage wieder in den Sinn: ein ein­mal ein­geleit­eter Plan oder Manöver soll auch vol­len­det wer­den. Möglichst wenig hin und her. Wir woll­ten hier eigentlich paar Box­en weit­er anle­gen im Zwis­chen­stopp Lin­dau­nis. Schnell umentsch­ieden — oh, hier ist eben­falls frei und die Aus­sicht schön­er — habe ich die Kurve dann jedoch nicht mehr ganz geschafft. Sich­er nicht ver­gle­ich­bar mit einem Not­fallplan der Fliegerei, wo ständi­ges Umentschei­den („ach, das schaffe ich schon … oder doch nicht … ach klappt schon … ohhh …) das Gehirn über­fordere. Ein abge­sproch­enes Manöver klappt aber halt nur dann, wenn man es auch prak­tiziert. Also erst mal weit­er­gleit­en, anhal­ten, guck­en, dann in Ruhe zurück. Unsere Schä­den jedoch hal­ten sich seit Jahren — bis auf einen selt­samer­weise plöt­zlich gekürzten Flaggen­stock — sehr in Gren­zen. Zu Zweit zu reisen, hil­ft da natür­lich unge­mein. „Alles nicht so ein­fach, wenn man alleine segelt“, bedankt sich ein kurz danach ein­tr­e­f­fend­er weit­er­er Folke­boot­segler neben uns beim Annehmen sein­er Leinen: seine zer­split­terte Bugspitze zeugt von einem frischen Kon­takt mit dänis­chem Beton bei zu viel Wind.

Unter Segeln durch die Klappbrücke Kappeln
Detlef Hoepfn­er Auch bei schnellen, wendi­gen Seglern mag die Brück­en-Crew Kap­peln den Motor hören

Wir Glücklichen

Eine richtig gute Entschei­dung war dage­gen, unsere Star­tideen den Umstän­den entsprechend bald an den Hak­en zu hän­gen. Nach drei Jahren woll­ten wir 2022 ja endlich wieder Däne­mark erre­ichen. Nicht auszu­denken der Stress und die Stim­mung, wenn wir laufend umge­plant und über­legt hät­ten, ob wir in den let­zten Tagen doch noch auf Biegen und Brechen irgend­wie nach DK gelan­gen kön­nten. Für Segel-Spaß, eine gute Zeit zusam­men auf dem Wass­er oder inspiri­erende Begeg­nun­gen ist dann auch egal, ob man fünf, 50 oder 100 Seemeilen gesegelt ist.
Und den Beu­tel mit dänis­chen Kro­nen wer­den wir auch so noch in Eis und Hot-Dogs getauscht bekommen!


Strömungs-Künstler: Paragliding in Wuppertal

Detlef Hoepfner

Grüne Hügel, dichte Wälder, durch­zo­gen von Bächen – die nur wenige Minuten von unserem Zuhause gele­gene Land­schaft zwis­chen Wup­per­tal und Hat­tin­gen ist ab 2020 unser „Pan­demie-Rück­zugs­ge­bi­et“. Segelfrei. 

Dem Elfring­hauser Warn­hin­weis „Flugfeld“ hat­ten wir bish­er wenig Beach­tung geschenkt, in Rich­tung Rei­tan­lage Ober­ste-Lehn fes­selt einen eher der weite Blick auf eine Miniatur­land­schaft, in der winzige Pferde, Spielzeug-kleine Trak­toren und schot­tis­che Hochlandrinder tief unten ihre Run­den drehen. Vor deren Hörn­ern warnt ein weit­eres Schild – gehal­ten wer­den sie hier nicht zur Vertei­di­gung, son­dern um das am Hang gele­gene Flugfeld im Win­ter zu bewei­den und von Gestrüpp frei zu hal­ten. „Ein Treib­gang“, über den die Tiere zu ein­er Wasser­stelle gelan­gen, „muss über­flo­gen wer­den“, klärt eine Paraglid­er-Web­site zu diesem Start­platz Mell­beck auf.

Nach vie­len Wan­derun­gen trafen wir eines Fre­itags tat­säch­lich ein paar Gleitschirm­flieger an. Wenn auch nur als, Segler ist man schnell im Gespräch: an den Zäunen sig­nal­isieren kurze Bän­der die herrschende Strö­mung, mir wird erk­lärt, welch­es Flat­ter­band welche Bedeu­tung hat. Wie auch auf der Segeljolle scheint der gelun­gene Start die größte Her­aus­forderung. Lange ste­hen die Piloten im Wind, spüren ihn im Gesicht und an den Ohren, beobacht­en Wolken und denken sich in die Sit­u­a­tion hinein. „Man hat ja keine Eile.“ Klingt auch nach Segeln, während mir der Wind durch die Coro­na-Friseur weht. 

In Gedanken ste­he ich mit Armin noch ein­mal an der Nord­spitze der kleinen Insel Lyø, bei zu viel Wind und aus­ge­fal­l­en­em Motor, den Blick weit übers Wass­er: „Wie kom­men wir hier wieder weg?“

Ratzeburg-Uhus

Uhu RatzeburgDetlef Hoepfner

“Eigentlich” woll­ten wir Him­melfahrt 2020 mit unserem Segelvere­in nach Ratze­burg, um dort ein langes Woch­enende segeln zu ver­brin­gen. Das Chaos rund um die Viren-Pan­demie machte uns dort nach langem Hin und Her schließlich doch einen Strich durch die Rechnung.

Als Fam­i­lie waren wir den­noch ein paar Tage in der Stadt, um ein paar famil­iäre Dinge zu erledi­gen – das ver­waiste Segelzen­trum dort zu sehen ohne unsere Segel­gruppe trübte den­noch die Stim­mung. Zur Ablenkung sind wir abends um den (noch immer eingerüsteten) Dom geschlichen und haben den im Turm nis­ten­den Uhus aufge­lauert: Die Jun­gen übten sich ger­ade in ihren ersten Flugver­suche. Wenn man mit etwas Geduld genau die Zeit zwis­chen Aktiv­itäts­be­ginn und der stock­fin­steren Nacht erwis­chte, kon­nte man sie gele­gentlich vor die Linse bekommen.

Panik im Folkeboot-Mastkopf – Attacke mit dem Stecheisen

HolzspäneDetlef Hoepfner

Angst und Schreck­en soll das Folke­boot „Die Panik“ ja eher auf den Welt­meeren ver­bre­it­en – im Früh­jahr 2020 gibt es stattdessen etwas Streß im Mastkopf

Eigentlich sollte auch „Die Panik“ von Klaus Wer­mann schon längst wieder schwim­men. Aber statt sich Ostern 2020 auf den Landweg von Klaus’ heimis­chem Betrieb in NRW zu ihrem Liege­platz an der Schlei zu machen, stand sie immer noch unter ihrer Plane. Dort wartete sie auf ihre ersten Duschen aus dem Wasser­schlauch, um nicht zu sehr auszutrock­nen und um später schneller dicht zu quellen. Aber vorher waren noch ein paar Repara­turen auszuführen: Klaus’ Philoso­phie ist: lieber eine kleine Aus­besserung nach der anderen, statt ein­mal alles kom­plett auseinan­der zu bauen – um dann wom­öglich nie wieder zu segeln.

Detlef Hoepfn­er Neuauf­bau des Mastkopfs

Bei der Inspek­tion des Mas­tkopfes dann eine unver­hoffte Über­raschung: Ein Vorbe­sitzer hat­te nicht nur die Mast­göhl, in dem mit dem Vor­liek die vordere Kante des Großsegels am elf Meter messenden Mast hochge­führt wird, ver­schlossen und dort eine Mastsch­iene aus Met­all aufge­set­zt (zu Klaus Miß­fall­en auch noch mit Spax-Schrauben …). Es war auch noch der Mas­tkopf durch eine Glas­faser­man­schette umman­telt wor­den. Wie so oft bei ein­er der­ar­ti­gen Kom­bi­na­tion „Holz plus Umman­telung“ hat­te sich – wohl seit Jahren – Feuchtigkeit fest­ge­set­zt: Den ganzen Win­ter in ein­er knochen­trock­e­nen Werk­statt gelagert war es darunter auch Mitte April immer noch nass. Und zwar so sehr, dass nicht nur das als Folge morsch gewor­dene Holz Wass­er gezo­gen hat­te, son­dern sich auch nach der Ent­fer­nung des schad­haften Mate­ri­als selb­st aus dem gesun­den Holz Feuchtigkeit her­aus­drück­en ließ.

Nach Ent­fer­nen des beschädigten Mate­ri­als ging es an die Mate­ri­al­suche für die Aus­besserung – fündig wurde Klaus ganz fachgerecht bei einem Zaunpfahl sowie ein­er eben­falls geplün­derten („Die 9 Euro investiere ich!“) Holzpalette. 

Sieht bish­er doch schon gut aus, oder?

Runter mit dem Lack 

Detlef Hoepfn­er Klaus wird Teile des laufend­en Guts durch Kun­st­fasern ersetzen

Das erste Mai­woch­enende hat Klaus dazu genutzt, den Mast von seinen alten Lackschicht­en zu befreien. Der Mas­tkopf sieht nun schon top aus, etwas verdächtig ist ihm aber ein auflaminiert­er Scheuer­schutz auf Höhe der Decks­durch­führung: Wom­öglich hat sich auch dort unbe­merkt Nässe kon­serviert? In Absprache mit Toplicht ist nun auch klar, dass der Mast gut geölt wird und danach erste Lackschicht­en mit 50% Verdün­nung erhält, die mögliche tief ins Holz ein­drin­gen sollen. Außer­dem wurde geplant, aus dem laufend­en Gut die Drah­tan­teile zu ver­ban­nen und durch Kun­st­fasern zu erset­zen, die bei ver­gle­ich­baren Durchmessern sog­ar höhere Bruch­las­ten bieten.

Und tat­säch­lich bewahrheit­ete sich die Befürch­tung, dass sich auch unter dem auflaminierten Scheuer­schutz Rott gebildet hat­te. Also runter damit, die beschädigten Bere­iche aussä­gen, einen Ersatzkeil her­stellen und einkleben.

Folkeboot-Törn mit der “Panik” auf der Schlei

Das neue Rig von Toplicht aus Ham­burg war irgend­wann auch pünk­tlich angekom­men, die Pan­demie-bed­ingten Verzögerun­gen ver­halfen zudem unge­wollt zu etwas mehr Zeit für Repara­turen. Im Som­mer 2020 ging es dann endlich ver­spätet zum Liege­platz an der Schlei. 

Bei einem Kurzbe­such von mir bei Klaus ging es dann auch endlich ein­mal gemein­sam auf die Schlei … und wenn man schon unter­wegs ist, gle­ich bis Schleswig und zurück: Hat sich doch wirk­lich gelohnt, die Arbeit! Vor allem die neuen Fall­en haben mir unglaublich gut gefall­en: Oben im Mast sparen sie Gewicht, über Deck sind sie sehr angenehm griffig.

Wie man im Video übri­gens sieht, habe ich im iPad-Case unbe­merkt den Stopfen auf der Ladeöff­nung vergessen. Das hat­te hier noch keine Fol­gen: Aber ein paar Tage später habe ich mir dadurch eine Ladung Salzwass­er ins iPad getankt. Mehrere Tage in 4 kg Reis gelagert war es dann zum Glück wieder startklar …

Nix geht – everything flows

Detlef Hoepfner

16 leicht verschiedene 3d-Sounds vom Felderbachtal am Stadtrand Wuppertals.

Nix geht mehr im Lock­down nach der Arbeit. Statt Heimweg und Stau jet­zt abends Runde durch den Wald. Mal eine halbe Stunde ein­fach unter einen Baum set­zen. Frische Luft, als hät­ten wir alle schon Elek­troau­tos. Aber vor allem: total leise hier neuerd­ings, ohne den ent­fer­n­ten Fluglärm nach Düs­sel­dorf. Bekommt man die weni­gen verbliebe­nen Mini-Sounds einge­fan­gen? Also Kopfhör­er auf und Augen schließen. 

Aufgenom­men mit Sennheis­er Ambeo Smart (also Im-Ohr-Mikro­fo­nen), diversem pro­vi­sorischem Wind­schutz – tex­til­er Ohrschutz statt Mund­schutz. Hof­fentlich hat mich im Wald nie­mand beobachtet. Let­zte Störun­gen mit iZo­tope RX ent­fer­nt. Anson­sten total unbearbeitet. 

Vor­läu­fige Erken­nt­nis: Die akustis­che Hin­ten-Ortung ist trotz aller Bemühun­gen, sich geschickt vor Ort am/im Bach zu platzieren (ohne reinz­u­fall­en), etwas ernüchternd. Vor allem genau von hin­ten – aber wenn man ehrlich ist, klappt das auch in der Wirk­lichkeit schon ohne Auf­nahme nicht so wahnsin­nig toll. Ver­such­sweise habe ich die Umge­bungs­geräusche daher nicht genau nach hin­ten auf 180 Grad posi­tion­iert, son­dern vor Ort so aufgenom­men, dass sie eher leicht schräg von hin­ten auf die Mikro­fone trafen. 

Man ist doch ganz schön ver­wöh­nt vom Hyper­re­al­is­mus der per Post­pro­duc­tion mas­siv gepimpten Recordings.

(inspired by Doug Rifes Cat­fish Trail)

Elektroauto laden – mein Learning

Stecker im SchneeDetlef Hoepfner

Kurzfristig und vorüberge­hend ein Elek­troau­to – und das noch im Win­ter. Geht das gut? Unver­hoffte Cus­tomer Expe­ri­ence mit einem BMW i3 von Starcar

„Ach ist das alles kom­pliziert“? Aber wir ver­ste­hen in Deutsch­land doch selb­st Abseits-Regeln und ken­nen 15 Sorten Katzen­fut­ter, da wird man wohl auch den Steck­er ins Auto bekom­men. Los geht’s!

Ein aus Frust über die man­gel­nde Dynamik im Automarkt und eigen­em, etwas vor­eilig posi­tion­iertem Elek­tro-Inter­esse gemieteter BMW i3 sollte nur zwei Tage eine Mobil­ität­slücke schließen. Aufladen war angesichts kurz­er Streck­en eher nicht geplant, aber mit dem – ver­meintlich serien­mäßi­gen – Schuko-Kabel des i3 wollte ich zumin­d­est mal die Rasen­mäher-Steck­dose testen (extra vorher nochmal über deren Verk­a­belung nachgedacht). Aus den 2 mussten 9 Tage wer­den mit 1400 km unter widri­gen Bedin­gun­gen – jet­zt kenne ich mich grob aus 🙂

Detlef Hoepfn­er Im geheizten Elek­troau­to durch Win­ter-Stau: geht

Erster Tipp für Elek­tro-Anfänger: Nehmt jeman­den auf den ersten Run­den mit, der schon mal geladen hat usw., das ist dann am schnell­sten erk­lärt und aus­pro­biert. Und auch gesel­liger sowieso.

Wer es ver­passt hat, ein Beitrag zu mein­er „Radikalisierung“:

Ladevoraussetzungen

Der BMW i3 kon­nte entwed­er über ein Typ-2-Kabel geladen wer­den oder die Erweiterung namens CCS. Das blaue Typ-2-Kabel mit dem run­den Steck­er lag bei, damit kommt man an die aller­meis­ten „richti­gen“ Ladepunk­te. Im Gegen­satz zur Haushaltssteck­dose liefern die richtig Wumms, aber: Auch wenn an der Säule „22 kW“ ste­ht, kann der i3 davon nur bis 11 kW ent­ge­gen­nehmen. Also nicht (wie ich) wun­dern. Und: Das ist bei jedem Pkw anders, eine fette Schnel­l­lade­fähigkeit des Pkw sehe ich heute als zwin­gend nötig an, wenn man auch andere Dis­tanzen bewälti­gen will als nur Kurzstreck­en. Also Augen auf beim Neukauf!

Öffnet man bei­de Ladekap­pen unter dem Tankdeck­el des i3, passt auch ein CCS-Steck­er rein. Durch weit­ere Kon­tak­te kann er statt Wech­sel­strom (AC) auch Gle­ich­strom (DC) ein­speisen. Da dieser dann nicht mehr im Auto gewan­delt wer­den muss, funk­tion­iert das mit noch mehr Rumms: beim i3 bis 50 kW. Diese Leis­tung bieten meist die Ladesäulen an den Auto­bah­nen. Von denen es mehr gibt, als man denkt, weil derzeit an den Aus­fahrten ja eher die Kaf­feemarke und der Burg­er-Typ aus­geschildert als die Lademöglichkeit. 

Einen Adapter auf Schuko lieferte Star­car derzeit nicht stan­dard­mäßig mit, das finde ich nicht gut. Durch den tröpfeln zwar eher ein, zwei kW pro Stunde (nicht genau recher­chiert), aber einen Schuko hat man über­all. Und so langsames Laden ist viel bess­er für die Akkulebens­dauer neben­bei.
Rück­mel­dung von Star­car: Man denkt drüber nach!

Wo kann ich laden?

Das Netz an Ladesäulen wächst derzeit ständig; an den Auto­bahn­streck­en sowieso, und dort mit Schnel­l­ladern mit 50 kW und mehr. Strom gibt es in Europa davon abge­se­hen über­all. Genial ist natür­lich, wenn man beim Super­markt oder Bäck­er (http://www.ladepark-kreuz-hilden.de) gratis oder zumin­d­est beson­ders ökol­o­gisch lädt.

Diverse Apps zeigen die Ladepunk­te in der Umge­bung, lassen aber manch­mal die kosten­losen Säulen weg. Eine sehr gute, auch Com­mu­ni­ty-gepflegte Strom­tankstellen-Über­sicht: https://www.goingelectric.de/stromtankstellen/

Ladegeschwindigkeit

Wenn man von 17 kW Ver­brauch pro 100 km aus­ge­ht, kann man über­schla­gen, was man in 10 Minuten je nach Ladean­schluss an Strecke lädt. Dank der E‑Mo­bil­itäts-Face­book­gruppe in Wup­per­tal und der Fir­ma Malte Reit­er Fotografie  kon­nte ich später auch mehrere Tage das Laden mit einem „Not­ladek­a­bel“ an der Rasen­mäher­buchse testen. Ergebnis:

  • das Garten­haus bren­nt nicht ab
  • die Ladung läuft sauber die Nacht durch und kann in der Smart­phone-App des i3 überwacht wer­den – über­haupt scheint Soft­ware kün­ftig das A und O zu sein
  • ich kann in ein­er Nacht neben­bei das nach­laden, was ich am Vortag für die Heim­fahrt Köln-Wup­per­tal (ca. 75 km) ver­braucht habe
  • der Hin­weg zur Arbeit ließ sich am Büro wieder über eine Schuko aufbessern
  • richtig cool: den Wagen auf dem Park­platz per App und rein elek­trisch ohne Abgase vorheizen
ENBW-App
Detlef Hoepfn­er Ladesäulen-Suche in der ENBW-App

Ladevorgang

Meine erste nächtliche Ladeer­fahrung in Sprock­höv­el, noch nie so ein Kabel in der Hand gehal­ten: Schwupp ste­ht ein Ehep­aar neben mir, „kön­nen Sie uns mal zeigen, wie das geht?“ Äh … sel­ber keine Ahnung! Learn­ing by doing:

Bezahlung: Über RFID kön­nen sich die Karten oder Chips (oder Apps) an den Säulen anmelden, die Steck­er entriegeln und den Lade­vor­gang starten/stoppen. Das Durcheinan­der der Ver­gan­gen­heit lichtet sich, und an vie­len Säulen kann man per EC-/Kred­itkarte zahlen. Ich habe mir stattdessen drei Ladekarten besorgt: Von Shell (etwas unklare Preis­gestal­tung), ENBW (super) und den Stadtwerken Bochum. 2020 empfehlenswert ist auch die von Main­gau. Die Karten (oder Apps) bieten je nach Ver­trag ein Roam­ing zu anderen Anbi­etern, aber eben mit manch­mal selt­samen Preis­mod­ellen. Wenn, dann habe ich meist die ENBW-Karte benutzt. (ENBW hat auch z.B. an der A1 Rast­platz Ehrenberg/Richtung Süden die cool­sten Säulen.) Eine Lade­preis-Über­sicht gibt es hier: https://emobly.com/de/laden/der-emobly-ladekarten-kompass-marz-2020/

Kosten­los laden: Angenehme Beson­der­heit bei Star­car: 2020 sollen die Elek­tro­fahrzeuge mit einem Lade-Chip ver­mi­etet wer­den, der ein kosten­los­es Laden mit dessen RFID-Funk­tion ermöglicht. Das ist natür­lich max­i­male Con­ve­nience: Nicht nach­denken oder rech­nen – ein­fach Lade­vor­gang starten. Ähn­lich ein­fach und kosten­los funk­tion­iert dies sowieso an vie­len anderen Ladesäulen wie bei Ikea, Aldi, Lidl (2020 Aus­bau von 100 auf 400 Ladepunk­te) – Dauer­lö­sung ist das natür­lich nicht. Bei der Fer­tighausausstel­lung Wup­per­tal allerd­ings braucht man offen­bar eine der Ladekarte zum Starten des kosten­losen Ladevorgangs.

Also kein „das ist mir zu kom­pliziert“ – und wir sind alle erwach­sen, jet­zt nicht krampfhaft Ausre­den kon­stru­ieren 🙂 Beim Sprit blicke ich auch nicht mehr durch, welch­er Rüs­sel nun welche Geschmack­srich­tung führt. 

Ver­riegelung: Die Steck­er ver­riegeln sowohl an der Säule, als auch am Pkw. Entriegeln z.B. über die Fernbe­di­enung des Pkw (Tür auf/zu) oder Been­den des Lade­vor­gangs am Dis­play der Ladesäule. Man kann nicht verse­hentlich los­fahren trotz Kabelverbindung! Auch lässt sich ein festes Ladek­a­bel an der Säule manch­mal erst ent­nehmen, wenn die Säule selb­st freigeschal­tet wurde. 

Ladesäule und Auto quatschen erst kurz miteinan­der vor der Ladung (blau)

Lade­vor­gang starten: Wenn es mehr als einen Anschluss an der Säule gibt, am Dis­play den Anschluss auswählen. Bei vie­len kosten­losen Ladesäulen (Aldi, Ikea …) kann das Ladek­a­bel dann eingesteckt wer­den. Auto und Säule kom­mu­nizieren kurz (wird am Pkw angezeigt) und der Lade­vor­gang startet. Klappt das nicht, evtl. wieder­holen. Es gibt auch den Fall, dass ein­er der Anschlüsse gestört ist, dann auf den näch­sten Anschluss auswe­ichen. Bei einem defek­ten Aldi-Anschluss habe ich mir auch den Spaß gemacht, die aufge­druck­te Hot­line anzu­rufen, die dann vor meinen Augen die Säule gebootet hat. In dem Fall kon­nte ich aber statt des defek­ten CCS-Steck­ers den Typ-2-Anschluss nutzen.

300 kw High Pow­er Charg­er der EnBW (* finde den Fehler)

* Bei fast vollem Akku (91%) natür­lich nicht so sin­nvoll, ihn jet­zt anzuschließen, um 63 Minuten auf die let­zten paar Prozent zu warten – aber der Hyper­charg­er sah so cool aus und ich musste ihn mal ausprobieren 🙂

Reichweite des i3

Man muss sich von der Panik befreien, ohne 1000 km Reich­weite mit dem BMW i3 dauern liegen zu bleiben. Dieses Liegen­bleiben habe ich bish­er eher in mutwilli­gen Tests auf Null (und darunter) doku­men­tiert gese­hen. In allen meinen ersten Pkw lag (mit mul­migem Gefühl …) auch hin­ten ein 5‑Liter-Kanis­ter drin. Das wird im E‑Auto durch einen vorgeschriebe­nen Kriech­gang nachge­bildet — und den Schuko­lad­er, den man als Back­up hätte. Meine 2 x 75 km täglich waren kein Prob­lem, real­is­tisch sind mit ein­er Ladung im Win­ter über 200 km mit dem i3. Län­gere Streck­en por­tion­iert man in Abschnitte mit Schnel­ladesäulen. 2 x täglich 400 km sind für den i3 sich­er nicht die Anwen­dung, dafür gibt es andere E‑Autos.

Detlef Hoepfn­er Ankun­ft in Köln nach win­ter­lichen 75 km, incl. Heizung/Sitzheizung. Elek­trisch und per App zu Hause vorgewärmt würde noch mehr Akku sparen

i3 Fahreigenschaften

Kurzge­fasst: Sen­sa­tionell. Extrem fein dosier­bar, super spurt­stark, total leise. Ser­v­olenkung etwas schw­ergängiger. Leichte Umgewöh­nung, dass der Wagen extrem „am Gaspedal hängt“, er wird sofort schneller oder langsamer. Die Bremse braucht man eigentlich nie (ver­nichtet ja eh nur Energie). Auch hier gilt „wer bremst, ver­liert“, näm­lich Reich­weite. Ein­fach Gaspedal zurück­nehmen, dann ver­langsamter er eben­falls sehr kräftig durch Reku­per­a­tion / Aufladen des Akkus. Selb­st bei viel Regen kon­nte man eine Stei­gung hochspurten, ohne dass irgend­was rutscht. Auch ohne s‑Version ist der i3 super­dy­namisch unter­wegs. Bei ein­er unfrei­willi­gen Voll­brem­sung stand der Wagen auch sofort, von wegen man braucht unbe­d­ingt bre­ite Reifen …

Detlef Hoepfn­er Was für ein Fahrspaß – i3 läuft super im Schnee

An zwei Tagen hat­te ich dann noch richtig viel Schnee, wegen ver­stopfter Innen­stadt und Ter­min­druck ging es etwas nervös bergauf und bergab durch engere ver­schneite Neben­streck­en, auch hier absolute Win­ter­tauglichkeit. Durch das weiche Mit­brem­sen der Reku­per­a­tion waren auch ver­schneite Gefälle easy zu befahren

i3 Bedienung voll im 90er-Style

Auf absolutem Kriegs­fuß ste­he ich mit den ganze Schal­tern und Knöpfen des i3. Im Prinzip finde ich es super, wenn Funk­tio­nen auf eige­nen Tastern liegen. Aber bis man die hier mal alle gefun­den hat, verteilt im ganzen Auto. Und dann noch die end­los vie­len Darstel­lun­gen im Dis­play. Gab es die ganzen Schal­ter und Knöpfe im Ange­bot, waren die irgend­wo über? Die Idee des Tes­la Mod­el 3 mit einem zen­tralen Screen fand ich früher … komisch. Mit­tler­weile stellt sich ja wohl her­aus, dass er weniger eine Spar­maß­nahme ist, als eher Aus­druck eines Konzeptes, das streng auf einem zen­tralen Steuerg­erät basiert. Dage­gen kommt mir das hier vor wie Rud­is Rester­ampe an Zulief­er­er-Klim­bim. Auch nach 1400 km hat­te ich nicht die Funk­tion gefun­den, eine Nav­i­ga­tion abzubrechen (hab sog­ar den Wagen aus­geschal­tet) und ein Radiosender­wech­sel gelang auch nie auf Anhieb. Also BMWler, guckt Euch mal ein Smart­phone an.

Ob die Nav­i­ga­tion auch Infos an das Energie­m­an­age­ment weit­ergibt (der E‑Golf passt es wohl z. B. karten­basiert vorauss­chauend an Stei­gun­gen und Kur­ven an), habe ich nicht her­aus­ge­fun­den. Etwas irri­tierend ist auch, dass ich nicht gefun­den habe, wie der BMW die zu erwartende Restka­paz­ität am Ziel anzeigt. Dafür blendet er Diesel-Tankstellen in die Karte ein …

Das war vielle­icht nicht so schlau – aber ohne Carport …

Fazit: Echt der Knaller

Zurück in einem Toy­ota Hybrid komme ich mir plöt­zlich vor wie im Old­timer. Auto mit Ver­bren­nungsmo­tor fühlt sich so irra­tional an – wo ist da der Sinn? Dop­pelt gemop­pelt mit Ver­bren­nungsmo­tor plus nochmal Elek­tro­mo­tor macht es auch nicht wirk­lich bess­er auf lange Sicht: Ein Auto rein mit E‑Antrieb ist nicht nur ein Erleb­nis. Son­dern auch vernün­ftig, und ab 2020 eigentlich ohne Alternative. 

Aus­pro­bieren!


Dis­claimer: Auto nor­mal gemietet, Strom und Bäck­er selb­st bezahlt, keine Tiere zu Schaden gekommen

Mobilität: ich kkkkkkkann auch anders!

Detlef Hoepfner
Detlef Hoepfn­er Son­nen­strom laden beim Bäcker

Dass es nicht länger trag­bar ist, wenn ich weit­er jährlich über 50.000 km wertvolle Rohstoffe unwieder­bringlich ver­ballere, däm­mert mir schon länger

Dass es nicht länger trag­bar ist, wenn ich weit­er jährlich über 50.000 km wertvolle Rohstoffe unwieder­bringlich ver­ballere, däm­mert mir schon länger. Und bevor man sich in der Selb­st­ge­fäl­ligkeit ein­richtet, wächst die Erkenntnis: 

„Ich muss hier raus!“

Und zwar eigentlich sofort. Wenn auch beru­flich gekop­pelt an einen Flot­ten­ver­bund, so habe ich doch Jahr um Jahr behar­rlich bei jedem Inspek­tion­ster­min den Meis­ter gefragt: 

„Jungs, wie sieht es bei Euch aus mit alter­na­tiv­en Antrieben?“

Die Antwort leierte immer gle­ich über den Meis­ter-Schreibtisch mit deko­ra­tiv­en Öl-Reagen­zgläsern als Brief­beschw­er­er: „Herr Hoepfn­er. Die Tech­nik ist noch nicht soweit. Und bei ihren Streck­en. Das ist doch nur was für den Stadtverkehr.“ Dann noch die beschwörerische Andeu­tung, da komme bes­timmt noch irgen­deine Wun­dertech­nik, irgend­wann. Ja auf eine Geheimwaffe hat Deutsch­land schon ein­mal gewartet, in unseli­gen Zeit­en. Und so lange kann man weit­er Sel­tene Erden in den Raf­fine­r­ien bei der Spriterzeu­gung ver­brat­en, mit den Abgasen den Hitzschutzschild der Erde löch­ern und uns Kun­den mit Betrugssoft­ware und aero­dy­namis­chem Fine­tu­nig an der Dachrel­ing beschwichti­gen. Wir woll­ten es ja eigentlich nicht anders. 

Aber jet­zt habe ich die Nase voll. Von den Ausre­den, den Ammen­märchen der Petrol­heads, dem selb­st­gerecht­en Ver­drehen der Fak­ten und dem „immer weit­er so“. Wir haben 2020, und ich will sich­er nicht erst bis zum Alter von 150 Jahren durch­hal­ten müssen, bis sich mal was ändert. 

Schon Anfang 2020 dann beru­flich in Ams­ter­dam trau ich meinen Augen nicht – der ganze Stadtverkehr voll E‑Mobilität. Ja ist klar, die fahren immer nur ne Fahrrad­strecke? Von wegen: zum Win­ter­sport zis­chen sie mit Kind und Kegel ins Sauer­land und nach Öster­re­ich. Aber wir kom­men damit ange­blich nicht von Köln nach Wup­per­tal? Wenn ich im Messep­a­rkhaus Düs­sel­dorf parke, ste­hen vorne direkt die Elek­troau­tos. Kennze­ichen: Nieder­lande. Öster­re­ich. Nor­we­gen. Ja sind die vielle­icht auf einem Tieflad­er hierhergekommen? 

Ich kkkkkkkann auch anders

Gesagt, getan. Nach einiger Überzeu­gungsar­beit war der Diesel-Leas­ing-Ver­trag gecan­celt. Find­et der Ver­tragspart­ner natür­lich nicht so erfreulich. Ich dik­tiere im ins Report­ing: Ich hab bei euch jahre­lang gebet­telt. Ihr habt nichts gebaut. Jet­zt bin ich weg.

Eine Woche später lese ich in der Zeitung: Der PSA-Chef in Frankre­ich ver­spüre eine ver­stärk­te Nach­frage nach alter­na­tiv­en Konzepten. Ach nee. Zehn Jahre habe ich gebohrt. Aber ich hat­te mich bish­er offen­bar unklar ausgedrückt.

Davon habe ich jet­zt aber noch keine neue Lösung, und als – irgend­wann auch struk­turell-ter­min­lich drän­gen­der – Kom­pro­miss wird ab 2020 erst mal ein Hybrid-Ben­zin­er mit sehr kleinem, ver­brauch­sar­men Motor geleast.

Das Wech­sel-Tim­ing drifte der­weil etwas auseinan­der, eine Lücke entste­ht und ich brauche noch einen Ersatzwa­gen dazwis­chen. Gut, wenn ich schon so die Klappe aufreiße, dann ist das jet­zt wohl Pflicht, erst­mals zwei Tage elek­trisch zu fahren. Schon vor­recher­chiert erkenne ich: Richtig die Nase vorn hat – als Inno­va­tor von außen – offen­bar nur Tes­la: um einen von null neu gedacht­en Antrieb wurde kon­se­quente Soft­ware entwick­elt und dann noch irgend­wann eine Karosserie draufge­set­zt. Ist in der Ver­mi­etung aber Pre­mi­um-Lev­el. Bei Star­car jedoch finde ich alter­na­tiv einen rein elek­trischen BMW i3 zu vertret­baren Kon­di­tio­nen. Nun bin ich beken­nen­der BMW-Hater („ich kann es erk­lären“), aber die radikale Form des i3 fand ich schon immer kon­se­quent (gut, vielle­icht bis auf die zwei blau umran­de­ten Nier­en­tis­che an der Front). Also gebucht, zum i3 scheint ja auch ein Schuko-Ladek­a­bel zu gehören, wird schon klap­pen, not­falls auch ohne Ladung für die paar km. Aber aus­pro­bieren am Garten­haus kann man das mit dem Strom ja mal. Löschwass­er ste­hen auch 1000 Liter daneben. Ach und sicher­heit­shal­ber ein­fach mal paar Ladekarten bestellen, vielle­icht kommt eine pünktlich.

Dann kam alles anders. Kaum war das Auto abge­holt, mussten aus den zwei Tagen neun wer­den, geplante 150 km wuch­sen sich auf 1400 aus, die anfangs noch sol­i­darisch elek­tro-ahnungslose Ver­mi­etung musste sich auch erst mal mit dem Wagen beschäfti­gen und statt Früh­lings-Cruisen gab es für mich Sturm, Hagel, Regen, richtig Schnee auf Stei­gun­gen. Und nicht nur ich fuhr noch nie in so einem Teil: Außer mir im Wagen dann nacheinan­der: nicht weniger als 18 inter­essierte Mit­fahrerin­nen und Mit­fahrer: Ey cool, lass mal mitfahren. 

So naiv ges­tartet, gab’s dann einige Über­raschun­gen und eine steile Lernkurve. Ein paar Tipps rund um die ersten Kilo­me­ter E habe ich daher hier zusammengefasst:

FAQ meiner Elektro-Auto-Praxis

Detlef Hoepfn­er Beste Ladesäule ever. Danach soll ich wieder so einen stink­enden Ben­zin­schlauch anfassen?!
  • Toll, du kon­ntest ja auch zu Hause und auf der Arbeit laden
    NEIN, ich musste die meiste Zeit die öffentliche Lade­struk­tur nutzen. Den Schuko-Adapter hat­te ich erst am Ende der Mietdauer.
  • Ich hab keinen Bock auf Ladekarten
    Come on, die sind schnell bestellt. (Nachträglich stellte sich bei mein­er Miete raus: die Star­car-Miet­wa­gen kön­nen sog­ar kosten­frei per Chip geladen werden!)
  • Ich habe noch immer keinen Bock auf Ladekarten
    Viele Säulen laufen mit EC- oder Kred­itkarte (habe ich aber nicht aus­pro­biert). Bei IKEA, Aldi, Lidl usw. geht es umson­st und teil­weise sog­ar mit 50-kW-Krawumm 
  • Bei mir gibts keine Ladesäulen
    Die Städte sind über­sät mit Ladepunk­ten, und die Anzahl steigt ger­ade drastisch an. Und selb­st in der Eifel gibt es ja grund­sät­zlich Strom (aber nicht an jed­er Ecke Ben­zin). Gug­gs Du hier: https://www.goingelectric.de/stromtankstellen/ Oder schlage für Deinen Stadt­teil Ladepunk­te in den Lat­er­nen­mas­ten vor; da gibts schon etliche Pilotprogramme.
  • Ich stelle mich doch nicht 2 Stun­den an die Ladesäule!
    Am schnell­sten laden die Autos bis ca. 80% Füll­grad. In zehn Minuten hat man schon genug Saft min­destens für mit­tlere Kurzstreck­en. Wenn man nicht das dümm­ste Fahrzeug und die lahm­ste Säule kop­pelt, geht das Laden zügig.
  • Das ist mir zu nerdig mit den Steck­ern
    Ich habe auch kurz irri­tiert aus der Wäsche geguckt, aber eigentlich ist’s ein­fach­er als Diesel und Super plus und Diesel minus und E‑irgendwas und dann noch Harn­stoff nach­füllen. Man kapiert ruck­zuck, welche Buchse da unter der Ladeklappe sitzt.
  • Ich warte auf besseren Diesel / Wasser­stoff / andere Tech­nik / E ist doch eh noch schädlich­er
    Fraun­hofer hat dazu ver­ständlich plus fundiert extrem viele Quellen aus­gew­ertet. Ähn­liche Analyse, aber als YouTube-State­ment von Prof. Quaschn­ing (HTW Berlin), bei­des ganz unten verlinkt. 
  • Bren­nen die nicht dauernd
    Nein, sog­ar sel­tener. Und sie lassen sich auch löschen, mit Wasser­lanzen in die Bat­terie, das Auto wird bei Crashs span­nungs­frei geschal­tet. Links s. u.
  • Was ist mit den Strom­net­zen? EBV brauchen im Ver­gle­ich nur den Bruchteil der Energie eines Benziners/Diesel, die Ver­sorg­er sind da entspan­nt (Fraun­hofer-Infos unten). Aktuelle Konzepte sehen sog­ar eine Sta­bil­isierungsmöglichkeit durch viele Elektroautos

Elektromobil: dynamisch, geräumig und clean

Wie fuhr es sich nun? Jed­er ist verblüfft, wenn sich das Fahrzeug zum ersten Mal laut­los in Bewe­gung set­zt. Eine Kol­le­gin sin­ngemäß: „So müssen sich früher die Men­schen gefühlt haben, als sie über­haupt zum ersten Mal in einem Auto­mo­bil saßen.“ Als Fahrer erlebt man die völ­lig ver­rück­te Dynamik, wenn der i3 mit Drehmo­ment-jet­zt-sofort prak­tisch verzögerungs­frei am „Gas“-Pedal hängt. Bei leichtem Druck schle­icht sich der i3 san­ft voran, bei kräftigem Tritt schießt die BMW-Kapsel nur so nach vorne. Und das alles mit vorher beim Bäck­er getank­ten Son­nen­strom. Aber auch umgekehrt – leicht vom Ped­al runter bremst er sofort wieder ab und lässt sich in den aller­meis­ten Fällen auch ganz ohne das Brem­spedal mil­lime­ter­ge­nau zum Ste­hen brin­gen. Die Energiebi­lanz dankt es einem hin­ter­her durch etliche kW in die Bat­terie zurück­ge­speis­ter Energie.

web­go-admin Hier entste­ht ein Lade­park — pro­vi­sorisch gibts schon Strom und Brötchen

Aber zwei weit­ere Erfahrun­gen sind nicht weniger ein­drück­lich: Der i3 ist nun außen wirk­lich kom­pakt, hin­ten sitzend möchte man als Erwach­sen­er auch nicht unbe­d­ingt bis zum Nord­kap fahren. Aber durch den Weg­fall der vie­len Antrieb­skom­po­nen­ten sind offen­bar alle elek­trischen Pkw innen deut­lich geräu­miger als die Ver­bren­ner. Als alter Kom­bi- und VW-Bus-Fahrer: Ja, der Kof­fer­raum macht keinen Umzug möglich. Zwei Stüh­le vom Möbel­haus abzu­holen war mit dem i3 aber kein Prob­lem. Und wenn ich meinen Kom­bi jet­zt gegen den i3 tauschen müsste: Sofort und bedenken­los. Nach Fahrzeu­grück­gabe im viel größeren (aber natür­lich auch niedrigeren) Kom­bi sitzend überkam mich ein fast bek­lem­mendes Gefühl: Alles so eng hier im Verbrenner? 

BMW i3
Detlef Hoepfn­er Selb­st ein i3 hat wegen des Weg­falls von Getriebe etc. innen viel mehr Platz (hier: Rück­lehnen umgelegt)

Und zulet­zt: Ich musste jet­zt zwei Wochen nicht mehr an ein­er Tankstelle in den Dieselpfützen ste­hen, was für eine Erle­ichterung. Ich musste über­haupt gar nicht mehr extra zur Tanke! Wo auch immer man ger­ade ist: Strom und eine Steck­dose find­en sich meist in der Nähe. Mobil­ität ist plöt­zlich ver­füg­bar, so wie der Staub­sauger ein­fach ein- und dann wieder aus­geschal­tet wird. Wenn län­gere Streck­en anste­hen, sind sowieso Pinkel­pausen ange­sagt. Dann kann man bei mod­er­nen EBV mit 50 kW – oder je nach Pkw auch einem Mehrfachen davon – schnell mal was in den Akku ballern. Ich (Jahresleis­tung 50.000) stelle fest: Ich brauche gar kein Auto mit 1000 km Reich­weite. Und ver­rech­net mit der übers Jahr ges­parten Tankzeit (weil ich mich zwis­chen­durch beim Super­markt, zu Hause, auf der Arbeit oder bei Kun­den eh neben­her an eine Leitung klem­men kann, wir leben ja nicht in der Sahara), komme ich eigentlich auf eine ver­gle­ich­bar lange Reisezeit. Mal von dem ganzen ges­parten Inspek­tions- und Wartungsaufwand abge­se­hen. Ja sor­ry, die Werk­stät­ten müssen sich umstellen, aber wir stop­pen auch nicht das Inter­net, obwohl in Wup­per­tal ganze Quante-Indus­trieflächen der Dig­i­tal­isierung zum Opfer fie­len. Erste Elek­tron­ikfach­märk­te machen es hier übri­gens vor: Sie errichteten bere­its eigene Ladepunk­te, boten dann Instal­la­tion­sser­vice für zu Hause – und begin­nen nun, eigene E‑Autos zu verkaufen. Obacht, geliebtes Automobilhaus.

Wenn man wie ich täglich 150 km fährt, macht natür­lich eins Sinn: Lademöglichkeit zu Hause oder bei der Arbeit. Wer diese 150 km nur in ein­er Woche fährt, muss aber defin­i­tiv nicht alle zwei Tage an die Dose.

Ladesäule Lidl
Detlef Hoepfn­er Kaum lade ich den Miet­wa­gen bei Aldi, zieht Lidl nach 😉 Von bish­er 100 Ladesäulen erweit­ert Lidl in 2020 auf 400 Stück

No way back

Es gibt nicht viele „Zum ersten Mal“-Mobilitätserlebnisse, die mich nach­haltig beein­druckt haben: Mit dem eige­nen Käfer zum ersten Mal nach Nord­deutsch­land. Mit einem 70 Jahre alten Holz­boot zu zweit über die Ost­see. Jet­zt 1400 km rein elek­trisch – das toppt noch fast die genan­nten Premieren. 

Meine Ver­bren­ner-Monate sind gezählt. Ein Neuwa­gen-Sparkon­to ist ein­gerichtet. Es gibt kein zurück. Und mit dem Öl kön­nen unsere Kinder später intel­li­gen­tere Dinge unternehmen, als es zu verbrennen.

Nützliche Links zu E‑Mobilität

Die ganzen YouTu­ber zum The­ma bewe­gen sich zwis­chen unter­halt­sam und irgend­wie-zusam­men­gereimt-merkt-schon-kein­er bis zum narzis­tisch-selb­stver­liebten Dauer-Wel­terk­lär­er (auch in Kom­bi­na­tion). Und es entste­ht so eine Video-Infla­tion, dass man kaum noch durch­blickt. Zwei solid­ere Kanäle:

Ove Kröger

… hat sein Leben lang geschraubt und arbeit­et als Pkw-Gutachter. Bei aller Elek­trobegeis­terung kommt da aber noch deut­lich mehr rüber als reine Elektroblasen-Nabelschau.

https://www.youtube.com/channel/UCqtBzOjVW0aLVZHaRYu7dpQ/

Nextmove

(Dis­claimer: wir sind eben­falls wed­er ver­wandt noch ver­schwägert, und selb­st gemietet hat­te ich bei Star­car) schöpft seine Infos eben­falls aus pro­fes­sioneller Basis — die Autover­mi­etung betreibt eine große E‑Flotte und ken­nt alle Hochs und Tiefs. Die Wochen­rück­blicke sind offen­bar von ein­er kleinen Redak­tion aufwändig recher­chiert und auf­bere­it­et, sehr auf den Punkt ohne „sind wir nicht alle so toll Blabla“.


Realitäts-Check 2020 von Shell

Shell-Studie

Wie sehen Wirk­lichkeit und Erwartun­gen in Europa Elek­troflotte heute aus? Shell hat dazu die üblichen Fra­gen von Fahr- bis Lade­v­er­hal­ten bei Fahrern abge­fragt und zugänglich auf­bere­it­et. Down­load der ver­ständlich gestal­teten Broschüre:
https://newmotion.com/de_DE/ev-driver-survey-report-2020-de/


Umweltbilanz

Ja, zu Fuß gehen ist zwar ökol­o­gis­ch­er. Eine in 2020 sehr fundiert zusam­menge­tra­gene Meta-Studie der Fraun­hofer bietet aber kri­tis­ches Mate­r­i­al zu vie­len Umweltaspek­ten – im Detail genau recher­chiert und doku­men­tiert, aber auch all­ge­mein­ver­ständlich im Überblick präsentiert:

https://www.isi.fraunhofer.de/content/dam/isi/dokumente/cct/2020/Faktencheck-Batterien-fuer-E-Autos.pdf


Quaschning2go

Prof. Quaschn­ing hat ver­gle­ich­bar viele Aspek­te zusam­menge­tra­gen, einge­flossen in diesen YouTube-Beitrag.


Disruption vom Bäcker

Ein Beispiel, dass man nicht ein mit­tel durchgek­nall­ter Elon Musk sein muss, um Geschäftsmod­elle dis­rup­tiv auf den Kopf zu stellen: Die Bäck­erei Schüren zeigt bere­its der tra­di­tionellen Auto­branche, wo der Ham­mer hängt und baut schon den näch­sten zeit­gemäßen Lade­park: https://www.facebook.com/SeedandGreet/


Fahrzeugbrände

Fahrzeug­brände gibts (lei­der) täglich – z.B. wegen Ben­zin­lecks. Elek­tro-Crasht­est-Rei­hen mit mas­siv­en Fahrzeugz­er­störun­gen hat dazu die DEKRA unter­nom­men. Bren­nt in einem Bat­terieau­to nach selb­st ver­schulde­tem Abgang in die Botanik der Dachhim­mel, ist das direkt eine Hor­rorsto­ry wert:

https://graslutscher.de/weil-ein-tesla-ausbrennt-warnt-der-spiegel-eindringlich-vor-brennenden-batterien-die-nicht-brennen

Folkeboot-Törn 2019: Rund Als – dem Wind trotzen

Detlef Hoepfner

„Bitte höflichst, an Bord kom­men zu dür­fen!“ Schwup­ps sitzt er nach geübten Schrit­ten längs des mittschiffs schmalen Holzdecks, wo sich unterm Fuß auch noch Schoten und Land­stromk­a­bel rollen, bei uns im noch mäßig sortierten Cock­pit. Streckt den Hals und schaut sich begeis­tert run­dum um im Folke­boot , das wir eben hier in der ver­steck­ten Mjelsvig fest­gemacht­en haben. Nun schaut er uns an: „Ward ihr das, die da den ganzen Als Sund hochgekreuzt sind? Ich hab Euch nach­mit­tags über­holt.“ „Ja, hat super Spaß gemacht!“ 

Er freut sich, hat er sich doch gedacht. Aber … „ich hat­te zwei Frauen an Bord, denen dauert das zu lange“, sucht er nach ein­er Erk­lärung für seinen eige­nen, ger­aden Motorkurs. Der inten­sive Blick auf Raps bei­d­seits des Sun­des – ist ihnen alles ent­gan­gen, denken wird. Knal­liges Gelb, leuch­t­en­des Grün, direkt vorm hölz­er­nen Bug. Nur im san­ften Zick­za­ck-Kurs – die Augen auf der Wasser­fär­bung, GPS und Tiefen­lin­ien, die Hand schon fast am Sen­klot – kommt man doch so nah an den liebevoll restau­ri­erten Anwe­sen im Schilf vor­bei. Oder dem Nach­bau eines Nydambå­den, der Vorstufe der Wikinger­boote: Neben wind­schief gekippten Ste­gresten liegt es dort in Sot­trup­skov, der Enge im Alssund, die den Dänen im Preußisch-Dänis­chen Krieg 1864 zum Ver­häng­nis wurde, als hier große Trup­pen­teile über­raschend über­set­zten. Mit großen Fol­gen: in Lauen­burg, Hol­stein und Schleswig, schon ewig gemis­cht bewohnt von Dänen, Deutschen und Friesen, weht seit­dem nicht länger Däne­marks Dan­nebrog als Landesflagge.

Unser Track sieht aus, als woll­ten wir die bei­den Ufer des Sun­des mit ein­er Zick­za­ck-Naht wieder verbinden, aber am nördlichen Ende geht es nach Querung des  Augusten­borg Fjords rechts ab tief in die Dyvig, und nochmal reingeschlän­gelt in die hin­ter­ste Ecke der Mjelsvig. Die Ans­teuerung ist sehenswert, wenn auch nicht beson­ders schwierig: Wenn man sich denn an die Bojen hält, und nicht wie der Show-your-mon­ey-Segler, der mich über­holend mit seinem Schwell fast vom Heck und die baden­den Kühe ans Ufer wirft, kraft seines Sta­tus’ eine Abkürzung genehmigt. (Ich denke, er hat sich mit­tler­weile run­tergear­beit­et vom Schlick.)

„Und das ist also Euer Boot?,“ staunt unser Gast, und schaut den Mast hin­auf, wo er nach­mit­tags die frühe Segel­num­mer ent­deckt hat­te, die nah an seinem eige­nen Klas­sik­er einzuord­nen ist. „Nein“ – wir erk­lären nach mit­tler­weile etlichen Jahren und Touren mit „Jacaran­da“ rou­tiniert, dass wir dieses 1946 gebaute, damit älteste noch segel­nde dänis­che Folke­boot wie immer bei Mike Peuk­er gechar­tert haben. 

„Ach so.“ Pause. „Na, ich kann mich ja trotz­dem weit­er mit Euch unter­hal­ten!“ Und mit­ten­drin sind wir in ein­er weit­eren Unter­hal­tung über diesen uri­gen Boot­styp. Der Aus­bau­s­tand wird begeis­tert unter­sucht, Erfahrun­gen mit seinem eige­nen Folke zum Besten gegeben, der Reiz des ein­fachen Reisens mit so einem reduzierten Boot ohne allen Schnickschnack diskutiert. 

Nebel über der Schlei
Armin Pech

Ein spooky Start

Wir waren vor drei Tagen in Maasholm ges­tartet. Die Strecke zur Mjelsvig schafft man je nach Wind auch in einem Tag, und ger­ade frage ich mich, ob ich jet­zt mal ehrlich nicht lieber mit dem nebe­nan liegen­den Schiff unseres Besuch­ers weit­er­fahren würde: Platz, Kom­fort, Heizung, kräftiger Motor. Denn statt schon an Tag 1 unseres Wochen­törns hier hochzu­flitzen, ist bere­its nach der allerersten Seemeile klar: Auf den Tourstart fol­gt direkt ein Zwis­chen­stopp: Nebel zieht über die Schlei, man sieht die Hand vor Augen kaum. Wenn wir die näch­ste Fahrwasser­tonne gefun­den haben, hängt da manch­mal schon ein ander­er Segler mit einem Stück Leine dran, um nicht vor einen größeren Bug zu ger­at­en: Null Sicht ist jet­zt irgend­wie uncool. Wir sind nicht lebens­müde, müssen uns auch nichts mehr beweisen, ein Radar wer­den wir kurzfristig nicht nachrüsten – also direkt wieder abge­bo­gen nach Schleimünde rein. Hier teilt sich das Segler­feld: Die einen machen es uns gle­ich, der idyl­lis­che Naturhafen füllt sich zügig, in alle engen Lück­en wird ein Boot nach dem anderen reinge­quetscht. Andere tas­ten sich doch weit­er durch den Nebel auf die Ost­see raus. Aber selb­st von der Gift­bude aus ist der Leucht­turm, der dort ein paar Schritte weit­er im Nebel hängt, nicht zu sehen. Von See hört man es gespen­stisch tuten, wie aus dem Nichts tauchen hier und da die Rig­gs der Tra­di­tion­ssegler vor Schleimünde auf. Das sind schon beein­druck­ende Spe­cial Effects, aber völ­lig illu­sorisch, dass uns jemand mit unser­er – sich­er orig­i­nal­ge­treuen, aber nur kläglich hupen­den – Mundtröte auf dem Wass­er wahrnehmen würde. Wir bleiben also über Nacht. Auch übers Früh­stück und den Vor­mit­tag bleibt nebe­lig. Mit Wind­vorher­sagen ist man unter­wegs eh dauernd busy, aber so ein zäher Nebel als Stören­fried ist uns neu. Also nutzen wir die Zeit, unsere etwas kurzen Heck­leinen zu check­en. Oder uns mal mit dem Taupunkt zu befassen. Wir find­en sog­ar eine App, aus der wir ihn ausle­sen und für eine Abschätzung des Nebelver­laufs nutzen kön­nen; wieder etwas Wis­sen aufge­frischt. Mit­tags endlich steigt die Luft­tem­per­a­turen über diese Schwelle, es klart  auf. Raus aus der Schlei und bei jet­zt bestem Segel­wet­ter auf den Weg nach Søn­der­borg, immer­hin. Drei Jahre schon haben wir bish­er wet­terbe­d­ingt einen Bogen drum gemacht. Meine nord­deutsche Fam­i­lie what­sappt mir unter­wegs Zeitungss­chipsel: Noti­zen zu den Seglern, die am Vortag von der DGZRS wegen man­gel­nder Sicht von Untiefen geschleppt wer­den mussten. Dann doch lieber auf der Lot­s­enin­sel rumdösen und in den Nebel starren.

Ent­lang der Küste ist nun viel Betrieb, aber nicht jed­er scheint die Auswe­ichregeln zu beherrschen: Ein ent­ge­genk­om­mendes Plas­te­boot macht auf Kol­li­sion­skurs komis­che Manöver. Wir kön­nen uns nicht recht frei­hal­ten, nun dreht es auch noch einen Kreis um uns: Über­raschung, Boot­seigen­tümer Mike hat uns aufge­spürt! Wir näh­ern uns auf Rufweite an, schon gut Wind und einige Welle, man muss sich jet­zt hier nicht die Rig­gs ver­hak­en. Mit einem kräfti­gen Wurf lan­den zusät­zliche Heck­leinen bei uns an Bord. Wenn das mal kein Kun­denser­vice ist! Unseren dafür überzäh­li­gen zweit­en Hand­kom­pass schick­en wir aber lieber nicht in Gegen­rich­tung zurück. Wir disku­tieren noch kurz gemein­sam, wo wohl der Rest sein­er Folke­boot-Flotte sei – da kom­men sie schon eben­falls vor­beigezis­cht und Mike sagt auch dort noch schnell hallo.

Endlich Kurs Nord

Ab jet­zt bestes Segel­wet­ter, um nördlich weit­erzukom­men. Im Yachthafen Søn­der­borg waren Armin und ich zusam­men noch nie, wir ori­en­tieren uns über die ver­schachtel­ten Molen und haben ein etwas mul­miges Gefühl angesichts eines regel­recht­en Mas­ten­waldes, der vor uns liegt. Søn­der­borg bleibt aber unser einzig voller Hafen jet­zt Mitte Mai, zudem unser teuer­ster Stopp. Vielle­icht hät­ten wir mit mehr Geduld doch noch die eine Hand­bre­it schmalere Box gefun­den – berech­net wird hier ja nach Liege­platzbre­ite. Aber es pfeift zu sehr im Hafen, als dass man unnötig viele Run­den drehen möchte. Auch wenn Armin ganz beein­druckt ist, wie wir trotz des Windes das Boot in ein­er der Gassen wen­den. Dass dieser Move gar nicht geplant war, geste­he ich erst später – aber so ist das beim Segeln: Auf Plan B fol­gt häu­fig noch Plan C. 

Abends laufen wir über die erst aufwändig neu gepflasterte und dann wieder durch Über­flu­tung zer­störte und wieder repari­erte Prom­e­nade in die Stadt. Vor­bei am Søn­der­borg Vikingek­lub („Win­ter­bade­v­ere­in mit Sauna“) und dem Schloss Søn­der­borg, um dem „Butt im Griff“ von Gün­ter Grass am Alt­stadtkai mit dessen fre­undlich gestrich­enen Haus­fas­saden einen Besuch abzus­tat­ten. Der in Bronze gegossene Fisch schaut in Rich­tung Nord zur  „Kong Chris­t­ian den X’s Bro“. Diese nach König Chrs­t­ian dem X. benan­nte Brücke wird sich am näch­sten Tag – immer um „38“ – für uns öff­nen und den Weg in den Als-Sund freigeben, nach­dem man noch am Ufer beein­druckt Uni­ver­sität und Bib­lio­thek passiert hat.

An der Nordspitze hängengeblieben

Auf hal­ber Strecke hän­gen wir nun also nach dem näch­sten Tag und wun­der­barem Alssund-Zick­za­ck in der Mjelsvig fest: es stürmt und pfeift. Im Hafen hat bere­its ein Schwein­sw­al spek­takulär direkt an unserem Steg neugierig die kleine „Vig“ (Bucht) erkun­dete. Was soll nun noch kom­men, wir haben langsam alles gese­hen. Man bringt uns die Namen der Schwäne bei, beim Haareschnei­den im Segler­haus reka­putal­ieren die Senioren ihre Ver­gan­gen­heit und man ahnt, dass Sitz­gruppe und Küchen­zeile die Geschicht­en nicht zum ersten Mal vernehmen. Man berichtet uns, dass die den Hafen betreibende Fam­i­lie noch eine Schweinezucht bewirtschaftet, auch Pferde hält. Reit­en ler­nen wollen wir kurzfristig aber nicht und ver­legen stattdessen endlich das Boot an einen anderen Liege­platz, wo uns der gedrehte Stark­wind nicht länger die Wellen aufs Heck (und damit nachts in die Wirbel­säule) trom­melt. Wir laufen los ent­lang des Ufers und über die Hügel durch Felder und knieho­hes Gras, bis Schuhe und Hosen vor Nässe triefen. Lüm­meln uns am Ufer der Dyvig auf weich geschwun­gene Holzbänke. Der Wind aus grauem Him­mel dreht die Anker­lieger langsam und syn­chron in der Bucht und soll uns etwas die Nässe aus den Hosen­beinen trock­nen. Der Blick reicht auf den ver­raucht­en Kiosk gegenüber, vor dem die Dauer­lieger ihre Bier­büch­sen lenzen. Wir trödeln rüber und genehmi­gen uns noch einen blau-schwarzen Plat­ten­bren­ner-Kaf­fee. Nach ein paar hügeli­gen Schlä­gen kreuz und quer, in von ein­samen Anwe­sen gestoppten Sack­gassen, durch eine aus­ge­büxte Schafherde und ent­lang ansteigen­der Kop­peln find­en wir doch noch die bekan­nte, auch vom Wass­er aus kaum sicht­bare Durch­fahrt in diese Bucht­en. Wie eng man sich zwis­chen den berühmtem his­torischen Stan­gen der „Steg Gaf“ in die Mjelsvig und Dyvig hinein­schle­icht, misst man eigentlich erst hier vom Ufer aus richtig. Fast kön­nte man diese Eng­stelle, auf deren Grund mit­te­lal­ter­liche Pfahlreste ruhen sollen, auch in ein paar Schrit­ten durch­wa­t­en. In der Sai­son ist hier Hochbe­trieb, heute baden nicht mal Kühe. Schließlich suchen wir noch den Bio­hof, der auf einem der typ­is­chen Aushangzettel vielver­sprechend an ein­er hölz­er­nen, ver­wit­terten Schup­pen­wand angeschla­gen war. Wir find­en die Straße, laufen diese auf und ab, aber der erhoffte Hof ent­pup­pt sich als typ­isch dänis­ch­er, vere­in­samter Verkauf­s­stand am Weges­rand: Aus ein­er Kühlbox kann man Eier greifen, wir entschei­den uns aber für ein paar Bech­er Honig als Mit­bringsel. Die gewün­schte Summe klimpern wir als Münzen mit und ohne Loch in die angeschraubte Spar­dose — denn mit dem eben­falls ange­bote­nen dänis­chen Smart­phone-Pay­ment ken­nen wir uns noch nicht aus.

Halbzeit-Marine-Knaller

Erst nach zwei Tagen kom­men wir weit­er, kur­ven oben um Als herum. Der Wind ste­ht gün­stig, aber so kräftig und leicht drehend, dass wir wegen der uns schräg schieben­den Welle trotz Bul­len­stander den tiefen Vor­wind-Kurs scheuen. Wir schla­gen stattdessen einen Hak­en weit­er auf die Ost­see und steuern leicht höher. So laufen wir sta­bil­er und sind zufrieden, als aus dem Nichts eine Explo­sion die Stille zer­reißt: Es rummst und bebt, aber nicht an Bord, son­dern schräg vor uns: Eine riesige, trotz ihrer Ent­fer­nung beein­druck­ende Wasser­fontäne erhebt sich. Es dauert eine Weile, bis sich der Pilz aus Wass­er und Dampf auf sein­er ganzen Bre­ite wieder abgereg­net hat. Vor Schreck vergessen wir, ein Bild zu machen, was ist das um Him­mels Willen? Schnell noch mal die Karte gecheckt: Das dänis­che Marine-Sper­rge­bi­et liegt in sicher­er Ent­fer­nung, aber doch in Ver­längerung genau vor uns. Was auch immer das für ein Böller war – wenn der neben einem hochge­ht, kann man die näch­sten Win­ter­lager­ar­beit­en wohl get­rost absagen. 

Wir cruisen zügig weit­er, erwä­gen immer wieder als weit­eres Zwis­chen­ziel Aver­nakø. Die Karten dazu haben wir längst mehrfach studiert und wollen die markante Dop­pelform nun auch noch ein­mal mit den Füßen im Inselkies statt nur dem Fin­ger auf der Karte erkun­den. Gehen aber doch auf Num­mer sich­er – wie gut kämen wir von dort beim erwarteten Wet­ter zur Flens­burg­er Förde raus? –  und nehmen Kurs nach Mom­mark vor uns. Nach Passieren sein­er markan­ten, leicht wind­schiefen Leucht­türme erschreckt uns zum ersten Mal in unserem Leben ein so leer­er Hafen, dass an Bord schla­gar­tig eine panis­che Ago­ra­pho­bie um sich greift: So viele leere Liege­plätze, man weiß ja gar nicht, wo man hin­s­teuern soll! Steg um Steg ist frei, an denen man sog­ar längs­seits liegen kann. Der gefühlte Raum an Bord ver­dop­pelt sich ger­adezu durch die Stell­fläche neben dem Boot, und wir bre­it­en uns gle­ich mal mit frisch gekochtem Kaf­fee, Tassen und viel zu viel Schoko­lade aus. Klein­er fotografis­ch­er Wer­mut­stropfen: Das einzige später noch ein­laufende, hässliche Motor-Angel­boot macht – genau neben uns fest. Grrrr. Eine schwere Prü­fung, nicht heim­lich dessen Leinen zu lösen und es zurück aufs Meer zu schieben … Umso voller ist es im Restau­rant des sin­gen­den Hafen­meis­ters. Wir haben noch Vor­räte für bes­timmt eine weit­ere Woche an Bord, waren aber nicht richtig kochwütig dieses Jahr und spendieren uns je einen der teuer­sten Burg­er unser­er Segelka­r­riere. Den­noch sehr leck­er, begleit­et von ein­er musikalis­chen Play­back-Showein­lage des Hafenchefs (die jedoch wiederum gegenüber seinem abendlichen Wald­horn­spiel, vor­ge­tra­gen auf einem Gar­ten­tisch ste­hend als Ein­schlaflied für alle Segler, in Sachen Orig­i­nal­ität etwas zurücksteht).

Rockin’ home

Als wenn wir nicht schon genug Wind gehabt hät­ten: Für unseren let­zten Schlag zurück bis zur Schlei sind im Tagesver­lauf nochmal ein paar Beau­fort zuviel ange­sagt, aus West und im Tagesver­lauf weit­er zunehmend. Wir stellen den Weck­er nicht zu spät und streben nach Süden. Mit Erre­ichen der Flens­burg­er Förde, die wie queren müssen, ver­lieren wir etwas Land­ab­deck­ung, aus der Förde her­aus baut sich gut Welle auf. Wir fall­en etwas ab in Rich­tung Ost­see, was sich ein wenig „trock­en­er“ segelt, wollen dem See­gang aber nicht zu viel Anlauf gön­nen und wen­den zwis­chen­durch wieder Schläge in Rich­tung Küste – wo es aber wieder flach­er wird. Dass die elek­trische Lenzpumpe (ja, ist eigentlich eh Luxus …) unter­wegs das Zeitliche geseg­net hat, kommt auch zur Unzeit. Die alte Dame Jacaran­da zieht eh etwas Wass­er, ihr Holzrumpf ist jet­zt am Saison­be­ginn noch nicht allzu lang gewässert und kön­nte etwas dichter sein. Bei dem hol­pri­gen Ritt von der Kante runter ins Cock­pit und unter den Boden­bret­tern die Hand­pumpe schwin­gen – da kann man sich, abge­se­hen von den eh eingepreis­ten blauen Fleck­en, ger­ade schönere Tätigkeit­en vorstellen. Später im Hafen müssen wir beim Aufräu­men der Schränke selb­st die Pfanne trock­nen, da in ihr das See­wass­er schwappt. 

Mike meldet sich auf Höhe der Förde tele­fonisch, wir sollen mal hin machen, es wür­den Böen von 8 gemessen und Besserung sei nicht in Sicht, im Gegen­teil. Na ja, das touris­tis­che Rah­men­pro­gramm mit großer Hafen­rund­fahrt und Blaskapelle ist hier eh schon abge­sagt. Das über 70 Jahre alte Lärchen­holz unter unseren Füßen muss sich gegen eine kräftige, graue Welle anstem­men, die uns im regelmäßi­gen Gle­ich­takt duscht und mit der Zeit auch die Son­nen­brillen, die das Salz etwas von den Augen hal­ten sollen, mit ein­er Kruste trüben. Wir sind schon zack­ig unter­wegs, aber jede neue Wellen­front stellt sich unserem kurzen Anlauf quer ent­ge­gen, es fühlt sich an, als wenn man wieder ste­hen bleibt. Der gut gedichtete und dop­pelt gesicherte Speed­puck am Fuß des nur noch wenig gold­en schim­mern­den Holz­mastes bekommt sein ver­schwim­mendes Dis­play kaum höher als sechs Knoten. 

Einen kleinen Aus­flugss­chlenker gön­nen wir uns trotz­dem, denn da gibts ja noch das wun­der­bare The­ma „Schlei-Ein­fahrt“. Aus diesem Trichter erwarten wir, dass und der Wind schon ab dem ersten Meter Schleiein­fahrt direkt auf den Bug pfeifen wird. Zum Kreuzen ist in diesem See­gatt wenig Raum, und wir wer­den motoren müssen. Aber auch erst genau ab dort, denn bei der zu erwartenden Welle vor der Schlei ist der Außen­bor­der nicht ein­set­zbar, er hinge im schlimm­sten Fall im Wellen­takt abwech­sel­nd mit der Schraube in der Luft oder dem Motor­block unter Wass­er. Also suchen wir uns auf dem iPad – das bei der Nässe, Wind und Wellen grad tat­säch­lich han­dlich­er ist als die mit­tler­weile eben­falls triefend abge­sof­fe­nen Papierkarten – einen Start­punkt. Von ihm denken wir – Plan A – mit hohem Amwind­kurs direkt in die Schlei rein­bolzen zu kön­nen. Dort direkt unterm Leucht­turm in der Ein­fahrt Segel runter, Motor an und Kurs West in die Schlei weit­er rein. Plan B („irgend­was ist ja immer“): Rein­heizen, hof­fen, dass nicht das hässlich­ste Touris­ten­schiff (und zwar des bekan­nten Uni­ver­sums) grad im Wege ste­ht und dann mit dem Schwung unter Segeln gegenüber in den Hafen Schleimünde rein und erst­mal an irgend einem Pfahl festmachen. 

Der gewählte Wende- und Start­punkt liegt Rich­tung des Mon­ster­hafens Olpenitz, und so sehen wir dessen Außenkante auch mal näher. Dann jet­zt los in Rich­tung Leucht­turm — aber Mist: um ein paar Grad ver­schätzt, wir laufen einen Hauch zu tief, so ver­passen wir die Ein­fahrt 100 Meter. Also Wende zurück, kor­rigieren, das gibt ja pein­liche Kringel auf dem GPS-Track. Weit­ere Wende zurück wäre nun langsam dran, aber jet­zt hakt nach dem ganzen nassen Gebocke auch noch wieder irgend­was am Motor, den Armin klar­ma­cht und so der Pinne im Weg ste­ht … ähm, sooo dicht woll­ten wir dann doch nicht zum alten Marine­hafen, in dem man immer­hin allen Platz der Welt für jedes erden­kliche Fra­gat­ten­manöver hätte. Nun passt alles, Kurs ist per­fekt und mit Schwung in die Schleimün­dung. Heute bleiben wir wenig­stens vom oft recht kabbe­li­gen Wind-gegen-Strom-Wellen­chaos ver­schont, das dem inter­essierten Besuch­er an Land gern die Unter­wasser­anstriche und Kiele der sich hineinkämpfend­en Boote zeigt. Der Motor ist schon unten, geht auch an, die Segel kom­men runter, zudem kaum Betrieb auf dem Wass­er bei dem Wet­ter. Die let­zte Seemeile bis Maasholm heißt es nur noch, gegen das eklige Wet­ter Kurs zu hal­ten und sich nicht neben das graue Fahrwass­er vertreiben zu lassen. Der Zweitak­ter kämpft tapfer vor sich hin, man möchte ihm für jeden sein­er knat­teri­gen Hübe danken. Und zum ich-weiß-nicht-wieviel­ten Mal denke ich: Wie cool, so als Team zu zweit einge­spielt zu ein. Das ganze The­ater immer allein – nee, darauf hätte ich keine Lust.

Gut fest­gemacht nach über sechs Stun­den Ritt und knapp 30 Seemeilen bele­gen wir im Ziel zum ersten Mal mehrere Liege­plätze: Nicht nur unsere Segelk­lam­ot­ten, auch die dicht an der Bor­d­wand liegen­den Pol­ster sind durchtränkt und wir verteilen und verzur­ren alles auf den Decks der Folke-Nach­bar­boote. Während das Wass­er aus den Kissen rin­nt und wir hof­fen, dass der Wind vor unser­er let­zten Nacht im Boot beim Trock­nen hil­ft, wucht­en wir das Gepäck raus und streben aus­ge­hungert in Rich­tung Grieche. 

Detlef Hoepfn­er Folke­boot-Tre­f­fen-Vortr­e­f­fen: Kaf­fee mit Stil von Kati und Jörg an Bord der Mumie von Klas­sisch am Wind

Folke-Freunde

Kaum zurück, haben wir direkt wieder Besuch an Bord: Wir ler­nen Kathi und Jörg ken­nen, mit denen wir gegen­seit­ig Wet­ter- und Routen­tipps aus­tauschen. Am näch­sten Mor­gen, bevor es für uns mit dem Auto zurück- und für sie mit einem Folke­boot nach Däne­mark los­ge­ht, genießen wir bei ihnen an Bord einen (und dann gle­ich noch einen) sehr stilecht­en Kaf­fee: von der Crew wird mit der Hand­kurbel die Müh­le in Schwung gebracht, während gle­ichzeit­ig die näch­sten Anek­doten über den gek­link­erten Planken der „Maj“ Fahrt aufnehmen. Endgültig wach vom Kaf­fee­duft kön­nen wir noch eine let­zte Erken­nt­nis dieser Tour beisteuern: 

Eingewe­ht in der Mjelsvig, auf halbem Wege unser­er Runde um Als, hat­ten wir eine windgeschützte Sitzecke gefun­den, die uns nicht nur vor den sechs, sieben über den Hafen ziehen­den Bft schützt, son­dern auch ein paar wär­mende Son­nen­strahlen bietet. Am Steg legte jet­zt nur ein einziges Schiff an. Ein stäh­lern­er Segelkut­ter, nach ein paar Anläufen und kräftigem Zupack­en am zu uns aus­laden­den Bugs­pri­et kom­men später drei fröh­liche Opas an Land. Gle­ich vom ersten hören wir, dass auch sie den Als-Sund hochgekom­men sind. Ges­pan­nt sind wir, welch­er Wind dort herrschte? Er schaut uns an. Über­legt. Nun wollen ihm doch irgendwelche Zahlen ein­fall­en: „… Wind­stärke drei bis vier?“ rät er völ­lig ahnungs­los. Wir ent­lassen ihn schnell aus unser­er Befra­gung, denn da kommt auch schon der Käptn. Graue Haare, grober Pul­li, warme Mütze, Ring im Ohr. „Wind…?“, wun­dert er sich. „Na ja, selb­st hier im Hafen zer­ren die Boote an den Fest­mach­ern!“ Nun däm­mert ihm was: „Men­sch, deshalb musste ich den Hebel so auf den Tisch leg­en!“ Er ist erle­ichtert: „Ich dachte schon, mit dem Motor wäre was!“ Gesegelt sei im Als-Sund bei dem Wet­ter zwar auch jemand. 

„Aber …“, zieht er Bilanz, „der hat­te dafür unter­wegs nicht drei oder vier Grog wie wir!“

Detlef Hoepfn­er Ein­mal rund Als

Folkeboot-Treffen 2019 in Arnis

FolkebootDetlef Hoepfner

Das Folke­boot-Tre­f­fen 2019 haben wir nur so halb mitgenom­men – kamen ger­ade von ein­er doch zwis­chen­durch anstren­gen­den (Foto) Folke­boot-Woche (Foto) zurück und es zog uns nach Hause. Zumal Klaus es lei­der mit sein­er „Panik“, die wir kurz vorher noch bei uns in NRW an Land besucht hat­ten, nicht die Schlei herunter zum Tre­f­fen schaffte. Einen umfan­gre­icheren Bericht find­et Ihr beim Folke­boot Lotte. High­lights für uns: Etliche nette Leute zumin­d­est kurz wiederge­se­hen, ges­taunt, was für unglaubliche Pflegear­beit­en manche Besitzer in ihr Schmuck­stücke investieren kön­nen – und am Mor­gen noch zuvor bei Katih und Jörg an Bord der Mumie einen amtlich handgemahle­nen Folke­boot-Tre­f­fen-Vortr­e­f­fen-Kaf­fee (Foto) genossen.

PS: Wie cool es sich per Folke­boot um die Insel Als segeln lässt, haben wir in diesem Beitrag beschrieben

„Folke­boot-Tre­f­fen 2019 in Arnis“ weiterlesen

Seekarten-App der Ostsee: Vergleich Raster vs. Vektor

Detlef Hoepfner

Auf der boot 2019 zeigte der NV-Ver­lag seine erste Soft­ware-Ver­sion, die auch für uns Hob­by­segler die Darstel­lung von Vek­torkarten unter­stützt. Aus mein­er Sicht in viel­er Hin­sicht das „schlauere“ For­mat, da alle Ele­mente als Objek­te behan­delt wer­den, die dynamisch skaliert, mit Zusatz-/Meta­dat­en hin­ter­legt wer­den kön­nen usw. Ander­er­seits: Man ken­nt das Prob­lem aus anderen Medi­en (wie umfan­gre­ichen tech­nis­chen Doku­men­ta­tio­nen), bei denen die Ansicht dynamisch gener­iert statt vom Lay­outer „gemalt“ wird: Ganz schön schwierig, das einiger­maßen schick hinzubekom­men. Oder bei ein­er Karte: So, dass man in allen Zoom­stufen eine opti­male Darstel­lung hat. Eine Rasterkarte aus Bild­punk­ten kann für nur eine Ansicht per­fekt opti­miert wer­den, da schiebt man halt alle Beschrif­tun­gen so lange hin und her, bis es passt. Anderes Beispiel: die handge­mal­ten „Sky­lines“ in den Hafen­hand­büch­ern von NV finde ich manch­mal aus­sagekräftiger und mehr auf den Punkt als ein per­fek­tes Orig­i­nal­fo­to der Ansteuerungssituation.

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Detlef Hoepfner

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