Voll auf die 12! Glocken-Emotionen zum Jahresende

Titelfoto: Johan Persson, Disney

Das könnt ihr nicht bringen – den Herzschlag der Demokratie stoppen! Die Briten waren fassungslos, als das britische Parlament im Sommer verkündete, nicht nur umfangreiche Sanierungsarbeiten am Londoner Elizabeth Tower durchzuführen, den Brandschutz zu verbessern und das Uhrwerk zu sanieren – auch die Glocken sollten für die gesamte Bauzeit schweigen.

Ruhe halten wollte man schon allein aus Sicherheitsüberlegungen mit Rücksicht auf die im Turm beschäftigten Mitarbeiter – nicht umsonst trägt die 14 Tonnen messende, größte Glocke ihren prägenden Namen „Big Ben“. Deren brachiale Gewalt sorgte bereits während der Inbetriebnahme des Turms vor knapp 160 Jahren für allerhand Malheur. Ein Lautsprecherhersteller bot an, ersatzweise am Tower ein paar Line-Arrays zu fliegen. Nun gab es auch noch witzige Assoziationen rund um diese Idee in den gängigen Facebook-Gruppen. Schnell schob das Parlament ein Update nach: Man wolle alles daran setzen, den Klang der Glocken vielleicht doch früher als geplant wieder über die Stadt erklingen zu lassen.

Ebenfalls mit Sounds in London und aller Welt beschäftigt ist Gareth Owen: Für eine Unzahl an Musicals entwickelte er Sound-Designs, entwarf Beschallungskonzepte, arbeitete an Mikrofonierungen und Monitoring-Lösungen für Band und Tänzer. Ab Seite 12 berichtet Gareth in der neuen Ausgabe von PRODUCTION PARTNER exklusiv, wie er in Berlin dem „Glöckner von Notre Dame“ zu einem druckvollen Sound verhalf. Selbst für ihn überraschend: Die größte Herausforderung war wieder – der Sound der Glocken.

Hier könnt ihr die Doppel-Ausgabe 12/2017_01/2018 von PRODUCTION PARTNER bequem bestellen – versandkostenfrei per Post oder als direkter Download.

Mit den besten Wünschen für ein gutes 2018 vom gesamten PRODUCTION PARTNER Team,

Detlef Hoepfner
Stellv. Chefredakteur

Subwoofer fühlen: to bass or not to bass?

Nexo-SubwooferDetlef Hoepfner

Nur zwei Beine waren von meinem Ton-Kollegen noch zu sehen, als er sich bäuchlings in die Basshörner seiner gestapelten Wall of Sound hineinrobbte: „Hier kommt irgendwie nix raus?!“ Amp-VUs zuckten, die Kabel waren gecheckt, die Litzen klemmten auf dem Chassis. Des Rätsels Lösung prägte mein junges Verständnis von Phasenlagen: rot und schwarz zu vertauschen bedeutet in einem Subwoofer-Stack „viel Input, dennoch kein nennenswerter Output“. Jahrzehnte später ein ähnliches Aha-Erlebnis, angesagt war eine Produktvorstellung. Hinter den Subs stehend fiel mein Blick auf ein kleines, vom Anschlusskabel herunterbaumelndes Klettband: wie vor einem pulsierenden Gebläse flatterte es im Rhythmus der Demo Tracks auf und ab. Hier wurde mächtig Luft bewegt! Nur zu hören war auch jetzt wieder – eigentlich nix. Diesmal aber mit Absicht, und zwar nur hinter, nicht vor den Subs. Mir war klar: das ist es, jetzt bekommen wir die Bässe in den Griff! Allen Unkenrufen (bezüglich des Mehraufwands) zum Trotz, traten diese Ideen der gezielten Beschallung mit tiefen Frequenzen endlich ihren Siegeszug an.

Um diese Technik soll es in dieser Ausgabe aber nicht alleine gehen, vielmehr hat uns interessiert: Welche neuen Freiheiten bieten sich in der Soundgestaltung, seitdem wir nicht mehr einem mehr oder weniger unbeherrschbaren Herumgedröhne ausgeliefert sind? Wo braucht man Bass, wo nicht? Und welchen Ideen für die Bass-Ästhetik haben Musiker und Studiokollegen, sozusagen als Gegenfrage zum gelegentlich zu hörenden „ihr Beschaller vermurkst immer nur unsere tollen Sounds“?

Damit es dann nicht zu viel wird mit Meinung und Gefühl, fragten wir sicherheitshalber noch zwei Entwicklungsingenieure: Wie baut ihr Subwoofer, an welchen Parametern erkennen wir, ob sie gelungen sind? Und was resümiert Henry Dahmen, einer der zwei nüchternen R&Ds, abschließend?

„Das Auge und Gefühle beeinflussen das Hören viel mehr, als die meisten sich vorstellen können.“

Uffz. Na dann wünsche ich, dass sich unsere Ausgabe 10/2017 von PRODUCTION PARTNER richtig kraftvoll anfühlt – los geht’s: Entweder heute schon in Eurem Posteingang oder hier flott bestellt: PRODUCTION PARTNER Shop

Detlef Hoepfner

Themen in PRODUCTION PARTNER 10/2017

  • Sub-Special: Wahrnehmung – Bässe wirken mit Beiwerk noch besser
  • Sub-Special: R&D – Subwoofer designen
  • Sub-Special: Industrie und Präsentation – To bass or not to bass?
  • Sub-Special: Der Bass, das Rudeltier
  • Sub-Special: Musik(re)production – ist das jetzt Bass, oder kann das weg?!“
  • Sub-Special: Bassisten-Sounds – die Bass-Profis
  • Sub-Special: Modulare Bass-Performance – Synthesize Me!
  • Premiere des Robe MegaPointe
  • Praktische Veranstaltungskunde: Farbwiedergabequalität
  • Test: Elation Artiste DaVinci
  • Test: Spotlight FresnelLED 450
  • Test: Lupolux Dayled 1000
  • Test: Odin T-8A Active Series

(zuerst erschienen unter https://www.production-partner.de/allgemein/subwoofer-fuehlen-production-partner-102017)

Video: Lautsprecher-Unboxing mit Kling & Freitag

UnboxingDetlef Hoepfner

Auch ein Lautsprecher-Prototyp wiegt ganz schön! Das konnte ich zusammen mit Lars Heinrich, bei 2017 Leiter Vertrieb & Marketing bei Kling&Freitag erfahren, als wir den neuen K&F Spectra 212 mit VariQ Technologie morgens früh zu unserem Videostudio auf der Prolight & Sound 2017 brachten. Woher das Gewicht rührt, zeigen wir im Video – und nehmen den Lautsprecher dazu ganz spontan auseinander …

Banjaard zerlegt im Frost

Geschliffene BlöckeDetlef Hoepfner

Ahoy Mates,

von den Plätzen her sind für unsere Tour ab dem 6. Oktober bereits rund 3/4 der Kojen belegt.

Euch ist ansonsten ein wenig schattig? Dann empfiehlt sich ein Besuch bei Käpt’n Aard: Der friert sich in Lemmer wirklich den Hintern ab. Hinzu kommt, dass „unser Schiff“, die Banjaard, in einigen technischen Bereichen zwecks Überholung ziemlich zerlegt ist. Und vor Saisonstart sollte natürlich von ihm alles wieder geprüft, repariert und möglichst am angestammten Platz in der richtigen Reihenfolge zusammenmontiert sein! Schon bei meinem nur rund eineinhalbstündigen Kurzbesuch letzte Woche sind mir die Finger an der Kamera festgefroren, und es trocknet natürlich kein Lack; selbst mit Arbeitshandschuhen lassen sich die Stahlbeschläge kaum bearbeiten, ohne dass einem der Frost in die Knochen zieht. Und dabei ist natürlich allein schon die Überholungsdauer selbst ein heftiger Kostenfaktor: bereits eine gammelige, ungeheizte Halle kommt schnell auf vierstellige Mietbeträge – monatlich. Letztlich musste Aard aktuell doch in eine wärmere (und noch teurere) Halle umziehen, um überhaupt weiterarbeiten zu können.

Ja was gibt’s denn da schon wieder zu reparieren, fragt man sich – hat der im Winter keine anderen Hobbys? Einerseits stehen sicherheitstechnische Überprüfungen an, beispielsweise wurden ringsum bereits die Stärken des Stahlrumpfes gemessen (und für gut befunden) und auch die Wandstärke der beiden Stahlmasten wird behördlich geprüft.

Der Schwerpunkt der Arbeiten liegt aber auf dem Rig, das per Schwerlastkran von den Masten geholt wurde und nun in den Hallen liegt. Wenn man mit Aard zwischen den ganzen Rahen, Bäumen und was weiß ich herumstromert, fängt er immer wieder an zu schwärmen von den Holzqualitäten und mir schien, als könne er zu jedem Zentimeter Holz eine Geschichte erzählen: Hier war mal ein paar Tage etwas falsch montiert und heute noch ahnt man die Schleifspuren, dort haben sich Befestigungen gelöst und er arbeitet seit Tagen maßgefertigte Stahlhülsen ein, an anderer Stelle wiederum hat er vor Jahren Holzleisten eingeleimt, die noch heute beim Segelsetzen das Material schonen … Und auch für die Übergänge zwischen Segeln und Masten wird fleißig neu konstruiert: Etliche Beschläge wurden von den Masten abgeflext und es entstehen derzeit in einer Schlosserei neue, kräftig dimensionierte Teile in Einzelanfertigung, die dann sicher wieder die nächsten 100 Jahre halten werden.

Also für alle handwerklich Interessierten eine überaus spannende Baustelle. Und wir freuen uns schon jetzt auf die Momente, wenn sich Segel und Tauwerk über uns entfalten, um uns durch die Dänische Südsee zu den romantischen Inselstädtchen zu begleiten!

Rig-Rätsel

RiggDetlef Hoepfner

Mit zur Tour gehört natürlich die lange Vorfreude, und zu deren Förderung hat uns Käpt’n Aard ein weiteres Foto geschickt: Wie in der letzten Meldung berichtet, liegt das Schiff derzeit zur Überwinterung in Lemmer, ein Teil des Riggs ist für Überholungsarbeiten demontiert „und in einer Halle gestrandet”. Auf dem Foto könnt Ihr sehen, aus wie vielen Teilen es besteht! Wenn man einmal in Relation dazu die in der Halle herumliegenden Gegenstände ansieht, ahnt man, wie riesig die „Stengen“ sind (wie auch immer man die überhaupt transportiert bekommt …).

Aard hat uns aufgelistet, wie die Rig-Teile heißen, bekommt sie jemand zugeordnet?

bramrah (gans/z oben)
bugsprit (zum aufspiessen unaufmerksame gegenstände auf dem wasser)
fockbaum
fockrah (grösser als grossbaum!)
gaff grosssegel
gaff schoner
grossbaum
grosssteng (holzerne “mastverlängerung”)
marsrah (mittlere rah von der banjaard)
schonerbaum
schonersteng

Außerdem weist Aard darauf hin, dass nicht nur seit 2010 das „b“ des Schiffsnamens an backbord fehlt – wo das „a“ an steuerbord geblieben ist, daran erinnert sich auch niemand mehr … „Moral der Geschichte? Die Fender gibt es nicht umsonst!“

In diesem Sinne – viel Spaß beim Rätseln!