boot 2019 – wird nicht langweilig!

Segeln in VRDetlef Hoepfner

Wetter grau, Arbeit viel, Outdoor-Leben wenig – im Januar kommt die Messe boot wie gerufen. Von Trade Shows habe ich eigentlich mehr als genug in meinem Leben gesehen, aber diese ist fast wie ein Tag Urlaub. Jedenfalls, wenn man den Luxus genießt, sich einfach nur als Besucher durch die Hallen treiben lassen zu können.

Detlef Hoepfner (Sehr guter) Wettervortrag von Meeno Schrader beim Magazin “acht” 🙂

Nach dem ersten Schock der Reizüberflutung schnell Rückbesinnung auf die kleine, am Vorabend zusammengestellte To-Do-Liste: Bei der Wetterwelt endlich die Seaman-App erklären lassen. Das Team war super nett, die App ist sicher gut, mit der Darstellung aber komme ich nach wie vor nicht so klar (z.B. im Gegensatz zu Sejlsikkert, das dichter an solchen Amateuren wie mir ist). Super dann der Wettervortrag des Teams zur aktuellen Klimaentwicklung und den Folgen für Segler. Zur allgemeinen Erheiterung am Stand einer Zeitschrift, die sich kurz nach Messestart noch als “acht” zu erkennen gab. Weiter dann zum Versicherungsmakler: Kleiner Schwatz über Marketing, die möglichen Versicherungen – und ich nehme wohl einfach die gleiche Skipperversicherung, wie in den Vorjahren.

„boot 2019 – wird nicht langweilig!“ weiterlesen

„Age Of Sail“ – Storytelling in Virtual Reality

Age Of SailsJohn Kahrs / Google Spotlight Stories

“Age Of Sail” ist eine maritimes Video-Kleinod von John Kahrs, dem man in vielen Details abspürt, dass der Erzähler selbst viel Zeit auf dem Wasser verbracht haben. Das aber vor allem als Virtual-Reality-Version in Google Spotlight Stories angelegt ist: Je nach Smartphone-Position verändert sich nicht nur die optische Perspektive auf See, sondern auch der Sound. In statischer Position finde ich den Sound so na ja und mäßig immersiv, Herausforderung war aber natürlich, die Ortung der gewählten Perspektive dynamisch artefaktfrei nachzuführen. Beim Animation World Network gibt es ein paar Hintergründe zu der Produktion, die aufwändiger war, als man im ersten Moment denkt: Eine Herausforderung war neben der Frage, wie man hier ein Storyboard anlegt, lustigerweise die Sorge, beim Betrachter Seekrankheit zu vermeiden – hält man besser die virtuelle Kamera stabil, das Boot oder den Horizont?

Die VR-Version gibt es hier (iOS) zu sehen https://itunes.apple.com/de/app/google-spotlight-stories/id974739483?mt=8 oder androidisiert hier http://onelink.to/adde8q
Die “normale” Theater-Version liegt hier auf YouTube:

Nicht nur der Produzent des Films übrigens meint: Einmal in VR angelegt, ließen sich zwar die Kamerafahrten und Perspektiven in der Produktion perfekt positionieren, und die eigene Position mitten im Geschehen ist faszinierend – aber auch die “normale”, Non-VR-Version sei ganz schön gut …

Dem kann man zustimmen und hinzufügen: Eine gute Story lässt sich auch mit ein paar Zeichnungen auf Papier nicht viel weniger überzeugend erzählen.

105 Seemeilen rund Ærø

FolkebootDetlef Hoepfner

Nur noch wenige Meter bis zum Steg. Bis zu einem der Stege. Armin und ich sind uns selten uneins, hier aber unentschlossen – welche der in sehr luftigem Abstand ins Hafenbecken gesetzten Pfahlreihen passt am besten zu unserem kurzen Folkeboot, wo ist das vom regennassen Algenschmier seifenglatte Holzplateau nicht ganz so hoch? Von Mommark kommend hatten wir uns bei ständig zunehmendem Wind und einigen Schauern das Stück bis Lyø hochgearbeitet, uns am Wind herantastend an Fynens Südwestspitze steuerbord gehalten und die lange, flache Nord-Landzunge Lyøs umrundet. Karte und GPS im Blick – neben dem ins Meer greifenden Naturschutzfinger wird es flach – nehmen wir das Groß runter und rauschen nur unter Fock auf die Hafeneinfahrt zu, die noch gut zu erkennen ist. Danach würde es laut Hafenhandbuch aber bei Seitenwind zackig um die Ecken gehen. Also noch den Außenborder aus der Halterung gewuchtet, Benzintank auf, und der Zweitakter schiebt uns die letzten Meter durch die rostigen Spundwände der Einfahrt, dreht den langen Kiel trotz Wind auch um die Kurven. Die Leinen liegen klar, denn welcher Ort es jetzt auch wird: der Wind drückt uns dann seitlich, eine zügig festgemachte Leine an einem Punkt in Luv macht Sinn.

Weiter nordwärts
Außenborder
Armin Pech

Erfolgreiche Fehlersuche: durch den fehlenden Sprit im Filter kamen wir auf den Riss

Erst in Form eines ausgiebigen Frühsports mit diversen Gas- und Choke-Einstellungen. So aufgewärmt, gehen wir systematisch vor: Motorabdeckung auf, Spritfilter checken. Stellen fest: dort ist offenbar kein Tropfen Benzin mehr drin. Tank checken – voll. Tankdeckel – Lüfter ist auf. Tank steht gerade, Ansaugstutzen ist unter dem Sprit-Level. Alles tip-top. Gummiball zum Pumpen. Der kommt uns übrigens seit gestern etwas komisch vor. Sonst nix zu sehen, auch nicht an der Leitung. Warum kommt dieser elende Sprit nicht am Motor an? Armin dreht den Schlauch noch einmal aus der Ruhelage hin und her – da klappt ihm ein Leitungsriss direkt am Pumpball entgegen: Ab hier herrschte also nur noch frischer Meerluft-Flow in Richtung Heck zum Motor, wenn man durch Schwenk des Motors leichten Zug oder Drehung in den Schlauch brachte. Uns fällt ein Riesenstein vom Herzen, und merken erst jetzt, wie sehr uns diese tourentscheidende Frage doch im Magen lag. Das Werkzeug ist schnell ausgepackt, der Schlauch gekürzt, Schelle drauf, zwei-, dreimal pumpen – Motor läuft.

Wir schnappen unsere Jacken, checken zum hundertsten Mal die Festmacher und erkunden die Insel. Nur eine Handvoll zerzauster Segler und zwei, drei Einheimische sind zu sehen. So malerisch diese ganzen Inseln auch sind: oft verbreiten sie ja doch eine etwas verstörende Verlassenheit. Hochwertigst restaurierte und verfallene Häuser wechseln sich ab, aber die Edelferienhäuser (oder Wertanlagen) kommen mir besonders spooky vor, so verlassen in der Vorsaison. Am Wegesrand ein offener Verschlag mit Spardose – hier decken wir uns mit ein paar Gläsern selbstgekochter Marmelade ein und erweitern unseren Bordproviant um eine weitere Geschmacksrichtung „Kirsche“. Bloß aufpassen, dass im Geldschlitz nicht die falschen Münzen landen und wir beim nächsten Hafenautomaten unter der Dusche im Trockenen stehn.

Karten
Schweinswale
Detlef Hoepfner

Wenig Wind = schöne Sicht auf die Schweinswale

Wir trimmen hier und da, aber alle Tricks ändern nichts daran, dass man bei einem knappen Knoten Fahrt pro Stunde keine ganze Seemeile gutmacht. Wir gehen ungern so früh an den Treibstoff, andererseits: „Windenergie“ würde sich uns die nächsten Tage noch zur Genüge bieten. Der Norden ist im Juni auch um zehn noch hell, das kommt uns nun zugute. Aber dann sollte man doch im Hafen sein, schon um Mommarks Hafenmeisters legendäre Jagdhorn-Einlage nicht zu verpassen. Hinten brummt der Zweitakter, am Bug spritzt es wieder, wenn auch Motorboot-gleichförmig statt Segel- oder Wellen-moduliert. Sehr spät legen wir nach den ersten 20 Seemeilen in Mommark an, proppevoll am Samstagabend, außer uns bewegen sich am Hafen nur noch ein paar Anglerboote – und die entgegenkommend. Dankbar sind wir der vorausschauenden Crew der in der Hafenenge liegenden Peltrine, einem über 100 Jahre alten See-Ewer: Zwar haben wir oft genug vergleichbare Vorsegel an ähnlichen Schiffen gesetzt und geborgen, aber ob wird beim engen Manövrieren aus unserer tiefen Folkeboot-Perspektive heraus an den weit ausladenden Klüverbaum weit über uns gedacht hätte, ohne den dran baumelnden orangen Kugelfender …

Video von der Tour gibt’s hier


Folkeboot
Detlef Hoepfner

Armin macht ein Nickerchen – und doch mal dichte Klamotten anziehen

Lyø halten wir gut in Erinnerung, nicht nur vom benzinschlauchbedingten Anlegen in Etappen und hilfreichen (statt nur gaffenden) Seglern, sondern einem wunderbaren Naturschutzgebiet, langen, knorrigen Alleen und dem mystischen „Glockenstein“. Viel Gelegenheit, den Tag wunderbar auf der Insel zu vertrödeln, umgeben vom schäumenden Lillebælt.

Klokkestenen
Detlef Hoepfner

Piraten achteraus?

Zeitgleich kommen große Traditionssegler von Faborg um die steilen Klippen gebogen, uns entgegen oder holen von achtern sich aus dem Horizont erhebend auf. Was für eine phantastische Kulisse! Wir halten ihre Kurse im Blick, setzen uns etwas dichter dazwischen. Ein einfach überwältigendes Panorama aus kräftigem Wind und langen Wellen, streifendem Salz- und Regenwasser, als groß gepinselte Patinaflächen dazwischen cremefarbenes Segeltuch. Zögen jetzt noch Kanonendonner und Pulverdampf übers Wasser, es würde einen fast nicht wundern. Nach rund einer Stunde hat der Spuk ein Ende, wir sind wieder allein und es stellen sich die Alltagsfragen: Das häßliche Kümo vor uns – in Fahrt, vor Anker, oder weiß es das gerade selber nicht?

Es dauert nicht sehr lange (Kartenausschnitt, und Blick auf die Delius-Klasing-App) bis nach 18 sm Ærøskøbings aufgereihte Badehäuserzeile erreicht und ein guter Platz gefunden sind: Eine ganz leere Hafenecke, gegen den Wind geduckt hinter einer massiven Steinmole, das dänisch-bunte Muster hölzerner „Badehuse“ direkt vor Augen. Im Boot offenbar sich nach dem Anlegen das typische Chaos: Vorm Hafen grob aufgetuchte Segel. Leinen überall. Jacken, nasse Hosen, Rettungswesten. Karten, Kamera, Tablet, Fernglas, Funk. Unter Deck noch Baumstütze, Fender, Zelt … Dass man abends überhaupt noch ein Lücke für den Schlafsack findet!

Armin möchte aufräumen.
Ich will zur Werft.
Armin zeigt auf das maritime Chaos rund um uns.

Ich auf die leeren Liegeboxen rechts und links: Hier ist niemand, der uns verpfeifen könnte – wir sind doch unter uns! Und der Werft-Shop führt manchmal Weihnachtsschmuck. Damit kann man bei der häuslichen Genehmigungsstelle für ehemännliche Erkundungsfahrten zwecks turnusmäßiger Vermessung der Dänischen Südsee sehr erfolgreich Punkte sammeln.

Armin möchte aufräumen. Wenigstens etwas.

Wir einigen uns, müssen dann zu Fuß schnell einmal durch den ganzen Hafen, sind Viertel vor Fünf an „Det Gamle Værft“. Die soeben geschlossen hat! Durchs Fenster sichtbarer Krimskrams in den Werftregalen schaut aus, als hätte er daheim etwas bewirken können. Nun werden wir uns für 2019 was einfallen lassen müssen. Aber Segelklamotten, die schon aufgehängt gut trocknen, haben ja auch ihr Gutes.

Detlef Hoepfner
Fähre
Detlef Hoepfner

Wo bin ich 😉

Wir schleichen um die Bootsbaustellen und schlagen uns in die Nebengassen. Eine schöner als die andere, gehalten in farbenfrohen, aber nicht übersättigten Farben, flaniert von den hier typischen Stockrosen. Von der Nørregade schaut man durch die offenen Fenster in dänisch designte Wohnräume. Und blickt durch deren hintere Fenster gleich weiter durch auf die Ostsee. Die Jahreszahlen auf den Giebeln verraten, dass man schon in den 20iger Jahren des letzten Jahrhunderts wusste, wie es sich schön wohnen lässt, ganz ohne Fototapete oder Riesenglotze an der Wand.

Æroskøbing
Kurs Marstal
Detlef Hoepfner

Kurs Marstal

Die Segelwoche neigt sich, es ist nochmal sehr viel Wind aus Nord angesagt. Die Richtung passt perfekt, wir haben gut geplant. Nur zwei Tage drauf ist endlich nachlassender Wind angesagt, wenn wir wieder einen sehr lange Schlag zurück nach Deutschland vor uns haben. Aber jetzt schon ganz zurück … doch lieber Zwischenstopp in Bagenkop. Raus aus Ærøskøbing pfeift es wieder ordentlich. Das Groß ist angeschlagen, aber nicht gesetzt. Wir hoffen, allein mit sehr reduzierter Segelfäche – unter Fock – bei kräftigem Nordwest auf Halbwindkurs mit Kurs auf Drejø so viel Höhe halten zu können, um von dort in die Mørkedyb-Rinne hinunterzurutschen. Die Welle nimmt ordentlich zu, die paar Segler um uns rum schauen von deutlich größeren Booten auf uns runter. Sie könnten notfalls auch unter Motor einen Kurs „erzwingen“. Wir dagegen müssen uns völlig an die Situation adaptieren.

Mørkedyb
Detlef Hoepfner

Fahrwasser-Wirrwarr vor Marstal – und das Trockendock ist weg

Also Ausschau gehalten, ob man den nächsten betonnten Haken Richtung Marstal nicht etwas mildern und abkürzen kann, ohne das Boot auf eine Sandbank zu setzen. Am Ende der Rinne bietet sich dazu nach SW ein Schlag über „Meyers Grund“ an, angesichts des Seegangs mit deutlichem Abstand zu den Tiefenangaben, die mit einer „2“ vor dem Komma in der Karte stehen. Vor Marstal angelangt gilt es dann, die richtige Betonnung der drei Fahrwasser plus Hafenzufahrt statt der vorgelagerten Steinmole zu erwischen – nur unter Vorsegel bei dem vielen Wind und ohne Option, unter Motor zu korrigieren gibt es hier auch nur einen Versuch, richtig abzubiegen. Wir hatten überlegt, noch einen Zwischenstopp einzulegen, den Tag extra hätten wir dafür. Aber morgen soll das Wetter komplett kippen, statt kräftigem Nordwest plötzlich Südwest. Wir möchten hier nicht plötzlich eingeweht werden und denken, dass wir weiter südlich auf Langeland besser aufgehoben sind, um von dort bei SW zurück nach Deutschland zu kommen. Also weiter. Backbord schimmern mit klarer Farbkante abgegrenzt die Sandbänke dicht am Fahrwasser, die Kulisse von Marstal zieht beim Kurs Süd steuerbord vorbei, mit gewöhnungsbedürftigem Umriss: Jahrzehnte gezeichnet von den in den Himmel ragenden Fingern der Kräne und dem kastigen Schwimmdock der Marstal Værft, deren landschaftsprägende Stahlmonster aber 2017 nach Svendborg verlegt wurden. Schön war anders – aber irgendwie fehlt einem diese Landmarke jetzt doch.

Strom
Hafen Bagenkop
Detlef Hoepfner

Besser kann es einem nicht gehen

Die vielen freien Boxen liegen leider alle quer zum Wind, der Winddruck nur im Rigg reicht aus, unser festgemachte Boot zu krängen. Noch hoffen wir, einen der später einladenden Segler neben uns locken können für etwas Deckung. Stattdessen gibt es zwar gut zu tun, von ebenso zerrupften Seglern Leinen anzunehmen. Aber ihre fetten Motoren, mit denen sie mehr oder weniger erfolgreich versuchen, ihre Anleger kontrolliert verlaufen zu lassen, wühlen das halbe Hafenbecken rund um uns auf und es ist dann vielleicht doch besser, dass wir alle etwas Abstand halten.

Nebenan werden die gemessenen Windgeschwindigkeiten diskutiert, und unser Zelt fürs Cockpit bleibt fest weggepackt. Und da wir ja bei dem Gepfeife kaum den Gaskocher in Gang bekämen, müssen wir leider, leider, ausnahmsweise im Hafenkiosk Riesenportionen Langelænder-Pommes und ein paar dicke Burger verdrücken. Nur ein Pølser reicht heut nicht. Aber auf einem Stuhl zu sitzen, ohne dass einen der Wind wegdrückt – das ist auf einmal ungewohnt. Wir gucken weiter Wetter, Wetter, Wetter: Morgen, am vorletzten Tag, kräftiger Südwest. Übermorgen dann deutlich weniger – yieppieh, zuletzt noch ein ruhigerer Segeltag? Wir laufen nochmal zur Hafeneinfahrt, schauen uns den Seegang und ein paar dazwischen einlaufende Angler und Segler an, klettern auf den kleinen Aussichtsturm: Da möchten wir jedenfalls so bald – und vor allem in Gegenrichtung – nicht wieder durch.

Bagenkop
Klippen
Detlef Hoepfner

Die Klippen, jetzt von See aus

Kurs auf die deutsche Ostseeküste
Leuchtturm Schleimünde
Detlef Hoepfner

Zurück am Leuchtturm Schleimünde
Schlei
Detlef Hoepfner

Gesamte Runde um Ærø mit 105 Seemeilen (knapp 200 km)

Segelfoto „making of“ – Fotografieren an Bord

Herbst-AbenteuersegelnDetlef Hoepfner

Spielt sich das wahre Erleben vor oder hinter der Kamera ab – ich bin mir da nicht immer sicher: Was nicht den Weg durch meine Kameralinse fand, empfinde ich als gar nicht richtig erlebt – oder verankerte sich das Abenteuer tiefer, wenn ich mal die Knipse weglegen würde?

In unserer Jugendabteilung des SVWK (www.segeln.ruhr) wird daher jedenfalls viel fotografiert, und spätestens zum Jahresende stürzen sich auch alle Kinder begeistert auf die gemeinsam erarbeiteten Fotoergebnisse. Eins der Fotos hat es in die 2018-Endauscheidung des Verbandes SVNRW geschafft, und damit in die Segler Zeitung und auf die Messe boot.

Story zum Wettbewerb in der Segler Zeitung Detlef Hoepfner

Präsentation der Nominierungen auf der boot 2018 Detlef Hoepfner

Die Kinder sind stolz wie Bolle! Und auf Facebook & Co gab es dazu eine Menge Traffic.

Daher hier mein „Segelfoto making of“! Übrigens gibt es zu dem Thema nun bei Amazon auch ein e-book von Stephan Boden „Mit der Kamera an Bord – Einfache Tipps für gute Fotos“.

Herbst-Abenteuersegeln
Abenteuersegeln in der Dämmerung: wo man selbst noch gut sieht, ist für die Kamera längst Schicht – Nikon D750, 30 mm, 1/125 s, f 4,5 und ISO 12.800 Detlef Hoepfner

1. How to: So ein Bild braucht 1/25 Sekunde. Plus ein paar Jahre.

„Ist Fotografie Kunst?“ fragte man sich in deren Anfangszeit. Wenn wir uns darauf einigen, dass Kunst nicht nur von „Können“ (s. u.), sondern auch von „Künden“ abgeleitet werden kann, bedeutet dies: Um etwas erzählen zu können, muss man es erst erlebt haben. Ein Bild wie unser Beitrag zum SVNRW Fotowettbewerb (und sicher viele der anderen Motive ebenso) wird daher nur möglich, wenn man selbst ins Thema eintaucht. Wenn man mitsegelt, mitstaunt, mitfriert.  Dass man sich wie alle anderen die Finger klemmt, nasse Füße holt, gemeinsam die Hände am Teebecher wärmt – das wunderbare Erleben ganz besonderer Momente teilt. Dazu eine gemeinsame Beziehung baut und lebt, und nicht als knipsend-polternder Fremdkörper im Wege steht. Nach ein paar Jahren – schon hat man den Dreh raus. Daher gilt auch: Die Fotos (hier größtenteils aussortiert, weil unsere Kinderfotos nix im WWW zu suchen haben) dienen nicht dem Fotografen-Ego, sie sind lediglich ein „Nebenprodukt“ unseres Segelvergnügens, und verlängern dieses ein wenig in die Zeit, während der wir an Land verbannt sind.

Segeln dürfen wir auf dem Kemnader See nur bis Mitte November. Aber warum im November noch aufs Wasser? Im Winter dürfen wir nicht, im Sommer dagegen wächst uns der See zu. Bleiben die Zeitfester dazwischen. Seitdem wir endlich die Sicherheit auf dem Wasser vernünftig gewährleisten können, dehnen wir also die Segelzeit aus, so weit es geht. Natürlich bei vertretbaren Sichtverhältnissen spätnachmittags, die Fotos sehen viel dunkler aus, als die Umgebung für das menschliche Auge tatsächlich ist. Überreden muss man dazu niemanden: Schlechtes Wetter finden die Kinder, wenn kein Wind ist. Nach einem ersten Versuch vor ein paar Jahren, bei dem dann tatsächlich hinterher im Taschenlampenlicht der letzte Kram in die Schapps verpackt wurde, erlebten wir im Folgejahr eine Überraschung: Kaum begann die dämmrige Segelzeit, standen die Kinder unaufgefordert mit der Stirnlampe auf der Mütze und warm angezogen am Steg parat. An die Affenschaukel kam noch eine LED-Campingleuchte, und auch auf dem Optisteg (na gut, er ist eigentlich eh beleuchtet) wurde eine Lampe postiert – „damit wir zurück in den Hafen finden“. Wer einigermaßen gut am Sicherungsboot auf dem See anlegt, verdient sich ein paar Kekse, eine Tasse warmen Tees gibt es sowieso über die Bordwand gereicht. Was ganz neue Herausforderungen in den Optis schafft: „Moment, ich muss erst den Tee aus dem Boot lenzen, hier schwimmt gerade alles …“

Herbst-Abenteuersegeln
Außenborder aufstoppen, dennoch Kurs halten, dann schnell wieder aus dem Weg Nikon D750, 120 mm, 1/125 s, F 4,5 und ISO 8000 Detlef Hoepfner

2.  Welche Kamera gewinnt auf dem Wasser?

Beim Scrollen durch meine Bibliothek kann ich oft nicht mehr spontan sagen: Smartphone oder Spiegelreflex? Aber bestimmte Fotos lassen sich nur mit der einen oder anderen Kamera (einigermaßen gut) erzielen. Und die absolute Bildqualität macht ebenfalls einen Unterschied: Bedingt durch meine etwas unorthodoxe Lesestrategie des Magazins „Yacht“ (und bedingt durch deren für mich viel zu hohe Schlagzahl) kann es vorkommen, dass ich nacheinander eine Ausgabe von 2014 oder älter und dann eine aktuelle 2018er durchblättere und genieße. Der Unterschied in der Bildqualität, bedingt durch den technischen Kamerafortschritt, ist gewaltig!

Das Smartphone ist jedenfalls immer dabei, bei mir meist in einer wasserfesten Hülle. Dadurch ermöglicht es ganz oft Bilder, die sonst nicht möglich wären. Denn am wichtigsten ist Tipp Nr. 1 – mit ganzem Einsatz regelmäßig dabei sein.

Jahrelang war als Spiegelreflex eine robuste Nikon D300 mein Begleiter, zusätzlich gummiarmiert. Ersetzt wurde sie 2017 durch eine Nikon D750. Mit einem einzigen Objektiv (24-120mm), denn wer will auf dem Wasser auch noch Objektive wechseln? Die 24 mm sind machmal noch fast zu viel (nicht „weit“ genug), wenn Kinder und Boote auf Armlänge bei mir anlegen. Die 120mm helfen, wenn sie mit einer frischen Brise davonzischen. Diese Brennweitenwahl ist mit dem Smartphone nicht möglich, auch nicht die Qualität bei den wechselnden Lichtverhältnissen. Erst recht nicht, wenn die Sonne direkt auf die Schutzscheibe der Smartphone-Hülle brennt.

Eine vernünftige Armierung für die D750 habe ich noch nicht gefunden, stattdessen liegt ein knallgelbes Peli-Case im Boot: Ganz ohne Innenausstattung: Case-Schloss auf, fotografieren, Kamera wieder reinwerfen, Deckel mit dem Fuß zutreten. Bisher ist es gut gegangen, und den gelben Kasten hat man auch immer gut im Augenwinkel. Das Objektiv schützt zudem ein UV-Filter gegen Beschädigungen, der Deckel hingegen führt ein reiselustiges Eigenleben und wird mir von verschiedenen Orten immer wieder zurückgebracht: „Der ist doch sicher von dir …?“ Den Kameragurt habe ich an die D750 erst gar nicht dranmontiert, der verheddert sich eh nur überall an Bord oder verklemmt beim Schließen unterm Case-Deckel.

Herbst-Abenteuersegeln
Das eigene Sicherungsboot dreht, der Segler ebenfalls – längere Belichtungszeiten funktionieren nicht Nikon D750, f 120 mm, 1/160 s, f 4,5 und ISO 12.800 Detlef Hoepfner

2. Mit der Kamera vertraut machen

Auch die D750 wandert hier oft durch Kinderhände. Hat man sich als Besitzer an den leicht erhöhten Adrenalinpegel gewöhnt, entstehen oft ganz unverhoffte Motive: Einige der schönsten Bilder stammen nicht von mir, sondern den Kindern aus ihrer eigenen Perspektive. Was aber eine Hürde ist: Sie sind vom Smartphone gewohnt, dass die Kamera alles alleine macht. Überhaupt durch den Sucher zu sehen (wodurch man auf dem Wasser optimale Kontrolle hat, statt auf dem Screen nur den Himmels zu spiegeln) ist für sie eine Herausforderung. Zumal  eine Vollformat-DSLR ein völlig anderes (anspruchsvolleres) Schärfeverhalten hat: Leicht vorbei ist hier dann voll daneben. Hier hilft nur: Fotografieren, fotografieren, fotografieren, bis man die Bedienung wie im Schlaf beherrscht. Und am wichtigsten ist Tipp Nr. 1.

Kemnader See
Ausrechend Licht vorausgesetzt, klappt auch ein Smartphone – iPhone 6s, 1/390 s, f 2,2 bei ISO 25 und -1 EV Detlef Hoepfner

3. Einstellungen: Segelfoto-Parameter

Am einfachsten wäre ja ein Nikon-Segelfoto-Gewinner-Preset. Reindrehen, fertig. Aber ich benutze nicht einmal die Standards, von den Spezialprogrammen ganz abgesehen. Denn soll ich jetzt ernsthaft auswendig lernen, welches Programm in welcher Situation was macht? Für mich gehören die in solchen Kameras aus der Firmware gelöscht, den Speicher kann man sicher anders besser nutzen. Wenn ich schnell ein cooles Instagram-Foto möchte, nehme ich eh das Smartphone und bin in drei Klicks fertig.

Die D750 läuft bei mir nur noch im manuellen Modus, Ausnahme ISO: Ich wähle Blende/Zeit, ISO passt sich dann an. Anpassung dann ggf. durch die Belichtungskorrektur. Dadurch bin ich sicher, dass die Zeiten zum Motiv passen, und die Blende den gewünschten Bildeffekt gibt. Tendenziell geht es immer in Richtung kürzerer Zeiten, ich bin da oft zu „langsam“ und unterschätze noch immer, wie sehr man sich selbst und das Motiv bewegt, Stabilisation im Objektiv hin oder her. Wenn es arg hektisch ist, macht auch eine mehr als 5,6 geschlossene Blende Sinn, um etwas mehr Headroom in der Schärfe zu haben. Das, nebenbei, macht für mich ein wenig die Vorteile eines Vollformatsensors zunichte, der bedingt durch die Geometrie von Sensor/Objektiv zu einer deutlich verringerten Schärfezone führt. Wenn man etwas Ruhe hat, öffnet dieses Schärfeverhalten zwar tolle Möglichkeiten der optischen Isolation von Motiven, aber probier das mal bei Lage auf der Jolle, womöglich noch mit einer Hand an der Pinne … Kurze Zeiten plus geschlossene Blenden führen dann leider oft zu höheren ISOs, als mir lieb ist.

November-Segeln
Lieber extremer ISO als gar kein Bild – Nikon D750, 1/60 s, 30 mm, f 4,0 bei ISO 20.000 und – 1/3 EV Detlef Hoepfner

4. Fokus auf dem Wasser

In mindestens den ersten 15 Jahren meines Fotografierens musste ich ohne Autofokus auskommen, was jetzt auch nicht immer so ganz ideal war. In den letzten 25 Jahren versuche ich nun, den Autofokus zu bändigen, mit ebenfalls gemischten Ergebnissen. Continuous ist meist eine gute Wahl, aber die Herausforderung lautet: Wie bekomme ich das Messfeld schnell und perfekt aufs Motiv. Da man ja beschäftigt ist, wäre ein automatisches Tracking hilfreich, aber eigentlich sind die Situationen dafür immer zu chaotisch. Am Besten fahre ich mit einem einzelnen Messfeld. Entweder per Daumen immer schnell hin und her geschoben, oder einmal „gelockt” und dann hoffend, dass es automatisch mitgezogen wird. Größter Nachteil an der D750 (wie auch der D300 und ganz vielen anderen Kameras): Die Messfelder lassen sich einfach nicht weit genug aus der Bildmitte seitlich verschieben. Das führt oft zu total unglücklichen Bildausschnitten (im Extremfall Anfängerfehler: Kopf genau in der Bildmitte, Beine und Füße abgeschnitten). Gelegentlich funktioniert auch eine vollautomatische Messfeldauswahl (besonders, wenn die Kamera in ungeübte Hände geht), aber zu oft springt der Fokus dann auf Objekte, die man zwecks Bildgestaltung im Frame haben, aber nicht scharf sehen will. Und wenn es nur ein Bändsel ist, das plötzlich in den Bildausschnitt flattert.

Man muss jetzt nicht zum totalen Pixel-Pedanten werden, aber: Ein perfekter Fokus lässt ein Foto richtig rocken.

Fokus-Feld
Das ging wohl daneben mit dem Messfeld mit AF-C und 3D-Tracking … aber mit 5,96 m passte der Fokus dennoch so ungefähr Detlef Hoepfner

5. Motivgestaltung beim Segeln

Bin ich ein paar Tage mit einem kleineren Boot unterwegs, dann geht mir irgendwann – spätestens beim Durchsehen der Fotos – die eingeschränkte Sicht nach vorne auf den Keks. Auch wenn wir uns jetzt alle auf die Idee stürzen, sich für erweiterte Bildperspektiven ein wenig per Drohne von Bord zu entfernen: Dauernd glotzt man nach vorne nur auf den Niedergang! Plus die typischen Fußbilder. Schaut man dagegen in Richtung Horizont, besteht das Bild aus Wasser, Wasser – und weit hinten ist irgendwas. Da hilft ein wenig Geselligkeit (siehe wieder Tipp 1!), mit mehreren Booten bekommt man etwas mehr Tiefe ins Bild, und vor allem der einfache, alte Vordergrund/Hintergrund-Trick: Ein markantes Bootsdetail im Vordergrund, daneben das eigentlich Motiv weiter weg auf dem Wasser – schon bekommt man eine viel plastischere Räumlichkeit. Besonders gut mit einer Spiegelreflex, aber dran denken: Sichtbar auf der Datei ist der Eindruck, wenn man testweise die Abblendtaste drückt, der Sucher zeigt ja immer den Eindruck „Blende ganz offen“. Steht die Blende auf 16 oder mehr, tendiert das Bild wieder in Richtung “Smartphone-Look“.

Ærœ
Bei Schräglage und Seegang muss man Objekte im Sucher überhaupt erst mal sortiert bekommen, ohne dass einem die Winsch bei der nächsten Welle ins Objektiv (oder die Zähne) haut) – Nikon D750, 1/320 s, 120 mm, f 4,0 bei ISO 100 Detlef Hoepfner

Sortieren, bearbeiten, wegwerfen!

„Deine Bilder waren wieder die besten“ – dem kann ich oft nur entgegnen: „Ehrlich gesagt habe ich einfach nur die vielen schlechten Dateien alle weggeworfen und euch lediglich die zehn schönsten Motive gezeigt.“ Dazu muss man aber eine Sortier-Strategie einführen – und dann am besten lebenslang durchhalten. Und sich einer Software bedienen, die ein Sichten und Sortieren unterstützt. Wer einzeln Bilder speichert, in Ordner legt, bearbeitet, die Versionen plus Variante _neu sowie _neu_neu_neu wieder woanders ablegt, hat in kürzester Zeit Chaos.

Fast jedes Bild profitiert von ein wenig Post-Processing: Den Horizont ein wenig richten, den Bildausschnitt optimieren – in drei Handgriffen  macht fast jedes Bild einen Sprung nach vorne und kommt mehr auf den Punkt. Farbtemperatur und Helligkeit sind besonders gut zu korrigieren, wenn man in einem Raw-Format fotografiert, das machen mittlerweile sogar viele Smartphone-Apps. Ein JPG kann nicht vernünftig korrigiert werden, Punkt, isso! Ein perfekt fotografiertes JPG ergibt zwar ein perfektes Bild – aber das setzt voraus, dass man alle Parameter vorm Auslösen perfekt gesetzt hat. Ich kann das nicht. Alternativlos ist realistisch betrachtet auch eine nondestruktive Bearbeitung, wie bei Lightroom oder iPhoto & Co: Die Kameradatei wird importiert und abgespeichert, aber nicht verändert, sondern nur mit den Bearbeitungsparametern überlagert. Im Ausschnitt vertan? Kein Problem, ist jederzeit rückgängig zu machen. Wenn man dagegen jedes Bild einzeln in Photoshop öffnet, ändert speichert, das nächste Bild …

Entweder ist man dann Fine-Arts-Künstler und verkauft die Motive ab 1000 Euro aufwärts, oder man hat mehr Spaß an Photoshop als am Fotografieren und den Bildern.

Aber eigentlich wollen wir ja – segeln!

Bilddatenbank
Material von der wöchentlichen Segelrunde – da ist zügiges Sortieren angesagt Detlef Hoepfner

Folkeboot-Tipps für Einsteiger

Folkeboot-BugDetlef Hoepfner

Allein durch seine lange Geschichte – das Folkeboot feierte 2017 sein 75jähriges – bildete sich eine Menge an Know-how und Fangemeinden rund um dieses klassische Segelboot.

Was aber, wenn man als Spaßsegler von anderen Bootstypen für eine (Charter-)Tour auf das Folke umsteigt? Hier habe ich die wichtigsten Tipps zusammengetragen, die in einer leicht angepassten Version auch von www.klassisch-am-wind.de übernommen wurden.